Seit dem Zweiten Weltkrieg trotzt das Spalentor dem Zahn der Zeit ohne Erfrischungskur: Die letzte grosse Restaurierung wurde 1931 bis 1934 durchgeführt. Das sieht man dem Basler Wahrzeichen an: Verputz und Steinwerk bröckeln ab. Deshalb plant die Basler Denkmalpflege, die Fassade aufwendig zu restaurieren. «Im fortgeschrittenen Jahr 2012 geht es los», bestätigt Thomas Lutz von der Denkmalpflege gegenüber der bz. Die Details stehen noch nicht fest, da die Zustandsanalysen noch in Arbeit sind.

Klar ist aber, dass das spitze Dach mit den farbigen Ziegeln noch gut in Schuss ist. Den Handlungsbedarf an der Fassade hingegen stuft Lutz als dringend ein: «Wir müssen Folgeschäden vermeiden. Der Verputz könnte runterfallen und die Steinoberflächen könnten sich auflösen.»

Wetter, saurer Regen und Urin

Die meisten Schäden sind auf natürliche Verwitterung zurückzuführen. Auch Basels Industriegeschichte hat sich in die Fassade eingefressen. «Wir kämpfen mit den Spätfolgen des sauren Regens des letzten Jahrhunderts», berichtet Lutz. Hinzu kommt ein Problem des 21.Jahrhunderts: Die Visitenkarte der Stadt wird zunehmend als Pissoir missbraucht (die bz berichtete). Der Urin greift die Fassade an, ebenso wie dessen Entfernung: «Die dafür notwendige Überschwemmung durch die Stadtreinigung kann zu weiteren Schäden führen», sagt Lutz. Die Enthemmung der Wildpinkler bezeichnet er als grotesk. Gleichzeitig möchte er aber auch nicht dramatisieren: «Das Hauptproblem spielt sich über den Köpfen der Pisser ab.» Dort hat das Wetter weit mehr Spuren hinterlassen als der Urin unten. «Dass die Schäden aber nicht noch grösser sind, spricht für die Qualität der Arbeit vor 80 Jahren», betont Lutz.

Heute Samstag ist Besuch möglich

Wie viel die Touristen während der Restaurierung von der im Jahr 1400 vollendeten Befestigungsanlage sehen werden, ist noch nicht klar. Denkbar ist sowohl ein Gerüst, das das ganze Denkmal verdeckt, als auch ein schrittweises Vorgehen.

Heute Samstag besteht zum letzten Mal vor der Restaurierung die Möglichkeit, das Spalentor auf unkomplizierte Weise von innen zu besichtigen. «Erfahrungsgemäss ist das Spalentor der Publikumsliebling am Tag der Stadttore», sagt Denkmalpfleger Lutz. Vor allem der Blick durch die Zinnen sei begehrt: «Von hier hat man eine ganz neue Perspektive auf die Stadt.» Diese Sicht fördere auch das Geschichtsbewusstsein: «Vor gar nicht allzu langer Zeit grenzte das Spalentor an eine grüne Wiese.»