Littering

Sparmassnahme aufgehoben: Putzkolonnen rücken wieder aus

Die Baselbieter Autobahnen werden neu fünfmal pro Jahr gesäubert.

NSNW-Mitarbeiter beim Müllsammeln.

Die Baselbieter Autobahnen werden neu fünfmal pro Jahr gesäubert.

Das Baselbieter Tiefbauamt muss die sparbedingte Reduktion der Anti-Littering-Einsätze entlang der kantonalen Autobahnen rückgängig machen. Die Automobilisten werfen zu viel Müll aus dem Fenster.

«Es ist unglaublich, wie stark das Littering in den letzten Jahren zugenommen», ärgert sich Urs Hess, «die Leute schmeissen einfach alles unüberlegt aus dem Autofenster.» Der alt Landratspräsident macht diese Aussage als Leiter des Geschäftsbereichs Kantonsstrassen in der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion. Als solcher musste Hess vor wenigen Monaten eine Sparmassnahme rückgängig machen, die seinen Bereich betrifft.

Zu viel Müll weggeworfen

2016 sparte das Baselbieter Tiefbauamt insgesamt 75 000 Franken ein, indem es statt der üblichen vier Einsätze nur noch einmal im Jahr die Borde entlang der kantonalen Hochleistungsstrassen A 18 und A 22 reinigen liess. Das Resultat dieses Abbaus war nicht erspriesslich. Gerade an den gut sichtbaren Stellen an den Autobahn-Ein- und -Ausfahrten wimmelte es nur so von leeren PET-Flaschen, Getränkedosen, Fast-Food-Verpackungen und sonstigem weggeworfenen Müll.

Obschon für die Littering-Hotspots extra eine Zusatztour eingelegt wurde, staute sich der Leidensdruck bei den Verantwortlichen in der Baselbieter Verwaltung. «Leider hat das Littering durch die Bevölkerung sehr stark zugenommen, sodass die Reinigung trotz intensiven Sparbemühungen wieder aufgenommen wird», heisst es in einer entsprechenden parlamentarischen Vorlage, die am Donnerstag im Landrat traktandiert ist.

Jetzt sogar eine Reinigung mehr

Das Baselbieter Parlament wird dabei zur Kenntnis nehmen müssen, dass im Februar die Bau- und Umweltschutzdirektion mit der Nationalstrassen Nordwestschweiz AG in Sissach (NSNW) einen neuen Leistungsvertrag für die kommenden Jahre abgeschlossen hat, welche die Reinigung der kantonalen Autobahnen regelt. Im Gegensatz zur früher üblichen Kadenz von vier Reinigungen im Jahr wurde die Anzahl der Putzeinsätze durch NSNW-Angestellte für 2017 sogar auf fünf erhöht.

Für Urs Hess eine unumgängliche Massnahme: «Nun muss wieder mehr Geld von der Allgemeinheit wegen einiger Leute ausgegeben werden, damit unser Empfinden der sauberen Schweiz aufrechterhalten werden kann.» Der als Prattler Gemeinderat weiterhin aktive SVP-Politiker verhehlt nicht, dass «aus Sicht des Strassenbetreibers Abfallsünder vermehrt und stärker bestraft werden müssten, da offenbar die Erziehung übers Elternhaus teilweise nicht mehr funktioniert».

Doppelt ärgerlich für das Tiefbauamt: Die daraus entstehenden Kosten können laut Hess nicht an anderer Stelle eingespart werden, «da diese Zusatzleistung nicht budgetiert war, und die anderen Leistungen der NSNW AG gebunden sind».

Appell an alle Autofahrer

Beim Auftragempfänger bestätigt man den Abschluss der neuen Leistungsvereinbarung. NSNW-Geschäftsleiter Werner Dähler präzisiert, dass an den fünf Jahresreinigungen fünfmal die gesamte A 18 von Aesch bis Muttenz gesäubert werden wird, während die A 22 nur dreimal drankommt. In Sachen Littering benötige die A 18 eben mehr Aufmerksamkeit als die A 22 zwischen Pratteln und Sissach.

«Das erste Mal sind wir bereits wenige Tage nach dem Vertragsabschluss ausgerückt», sagt Dähler, der fünf Einsätze pro Jahr für einen «vernünftigen und auch in der übrigen Schweiz gängigen» Reinigungsintervall hält. Während eines Einsatzes, der oft mit der Reinigung der Fahrbahn kombiniert wird, sind mindestens zwei NSNW-Mitarbeiter fürs Einsammeln der Abfälle am Strassenrand zuständig. Normalerweise kommen sie mit 20 bis 30 prall gefüllten 110-Liter-Müllsäcken zurück.

Werner Dähler richtet einen Appell an die Selbstverantwortung der Automobilisten: «Es wäre schön, wenn sich die Leute besinnen würden. Diese Verschandelung der Umwelt ist absolut unnötig.»

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