CVP Baselland

Spenden sollen Loch in der CVP-Parteikasse stopfen

Monika Botrugno muss sich als neue Kassiererin der CVP Baselland die Altlasten ihrer Vorgängerin bereinigen.

Monika Botrugno muss sich als neue Kassiererin der CVP Baselland die Altlasten ihrer Vorgängerin bereinigen.

90'000 Franken gross ist das Loch, das die Ende 2018 freigestellte Kassiererin bei der Baselbieter CVP hinterlassen hat. Nachfolgerin Monika Botrugno äussert sich nun erstmals dazu, wie sie die Buchhaltung komplett neu aufstellen musste.

Der Fall rüttelte Ende vergangenes Jahr erst die römisch-katholische Kirchgemeinde Grellingen auf und kurz darauf auch die CVP Baselland: Dass die Kassiererin beider Institutionen mutmasslich an erster Stelle rund 300'000 und an zweiter nochmals 90'000 Franken abzweigte, traf alle völlig unerwartet. Die Staatsanwaltschaft bearbeitet derzeit zwei Strafanzeigen. Dazu reichte die CVP auch noch eine Zivilklage ein und löste eine Betreibung aus.

Seit Mitte Januar an der Arbeit

Bis zum Abschluss der Untersuchungen gilt die Unschuldsvermutung. Doch sowohl die Kirchgemeinde als auch die CVP planen ihre Zukunft längst ohne die beschuldigte Kassiererin. Noch im Frühjahr war sie zwar weiterhin Präsidentin der CVP Grellingen, doch wie Vizepräsident und Landrat Franz Meyer der «Schweiz am Wochenende» bestätigt, hat sie unterdessen demissioniert – und ist zugleich ganz aus der CVP Grellingen ausgetreten.

Wie es bei der Generalversammlung der CVP Baselland am Donnerstagabend hiess, bestreitet sie aber noch immer ihre Schuld. Dies tat sie gegenüber dieser Zeitung schon Anfang Dezember, doch seither ist sie für Anfragen nicht mehr erreichbar.

Da überrascht es nicht, dass sich die CVP genau überlegt, wen sie als Nachfolgerin bestimmt. Geschieht nichts Unerwartetes, fällt die Wahl auf die Lausnerin Monika Botrugno. Sie ist Leiterin des Gemeindesteueramts Diegten und kandidierte Ende März für den Landrat. Schon Mitte Januar nahm sie die Arbeit als Kassiererin auf, auch wenn die offizielle Wahl noch aussteht. Am Donnerstag entschied die GV, dass der Vorstand die Wahl vornehmen solle. Dessen nächste Sitzung ist Anfang Juni. «Den Blumenstrauss habe ich aber schon erhalten», sagt Botrugno zur «Schweiz am Wochenende».

Und in den vergangenen knapp vier Monaten hatte sie viel zu tun. «Damit ich unbelastet arbeiten kann, fing ich wieder bei Null an. Ich musste die Buchhaltung komplett neu aufstellen.» In Absprache mit dem Parteivorstand wurde Botrugno – auch zu ihrem eigenen Schutz – überhaupt nicht in den Veruntreuungsfall involviert und konsultierte keine Buchhaltungs-Unterlagen aus dem Vorjahr. Das Finanzjahr 2018 wurde an eine externe Fachperson delegiert.

Höhere Sicherheitsstandards

«Jetzt ist die Buchhaltung wieder langsam à jour und eine tägliche Routine wird möglich. Das habe ich nur dank der Unterstützung durch den Vorstand geschafft», sagt Botrugno. Wie Brigitte Müller-Kaderli, die vorgestern als Präsidentin verabschiedet wurde, ergänzt, habe die Partei unter anderem ein neues Buchhaltungssystem gekauft und die Sicherheitsstandards erhöht.

Dennoch: Rund einen Monat sei man handlungsunfähig gewesen, konnte also keine Zahlungen auslösen, sagt Müller. Das 90'000-Franken-Loch in der Kasse hofft die Partei durch Einnahmen wie Spenden fast vollständig ausgleichen zu können. Bis diese Gelder fliessen, muss die CVP allerdings ihr Bankkonto überziehen, wie an der GV ausgeführt wurde. Die grosse Hoffnung ist freilich, dass die Partei die 90'000 Franken von der mutmasslichen Täterin wieder zurückbekommt. Irgendwann.

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