Fall Dojo

Spielzeugwaffen werfen Fragen auf: «Vielleicht bin ich vorher mit den Kindern spielen gegangen»

Bei einem geständigen Mittäter fand man zwei Spielzeugwaffen, die einige Fragen aufwarfen. Finanziell ist der Mann seit dem Vorfall im Februar 2014 ruiniert.

«Ich war nie richtig drogenabhängig», meinte der 39-Jährige heute Montag im Gerichtssaal. Vergangene Woche hatte er für Aufregung gesorgt, indem er kurz und knapp sagte, alle Angeklagten im Gerichtssaal seien beim Überfall auf das Reinacher Kampfsportcenter im Februar 2014 dabei gewesen.

Mehrere Anwälte deuteten bereits auf seinen Drogenkonsum hin, um seine Aussagen als unzuverlässig hinzustellen. Am Montag musste er sich weiteren Vorwürfen stellen: Seine Exfreundin soll er mit dem Tode bedroht haben. Alles bloss ein Missverständnis, beteuerte er.

Unter die Räder gekommen

Wie so mancher Beteiligter ist auch er inzwischen ziemlich unter die Räder gekommen: Seit vier Jahren hatte er eine feste Arbeitsstelle als Betriebsmitarbeiter, nach dem Überfall in Reinach im Februar 2014 sass er acht Wochen in Untersuchungshaft und verlor dabei seinen Arbeitsplatz. Sozialhilfe von der Gemeinde bezieht er nicht: Er lebt gratis bei seinem Vater und wird von seiner Schwester finanziell unterstützt, sie bezahlt auch seine Krankenkasse.

Sein Fahrausweis ist weg, weil er mit Drogen und Alkohol am Steuer erwischt wurde und einmal auch trotz Entzugs unterwegs war. Diese Vorwürfe bestätigte er unumwunden. Früher hatte er seine Finger auch im Drogenhandel, das ist allerdings mehr als zehn Jahre her.
Um sich nach dem Jobverlust selbstständig zu machen, bezog er seine Pensionskassengelder, zusammen mit einem Kumpel wollte er im Dreispitz ein Studio eröffnen. Daraus wurde allerdings nichts, das Geld ist futsch. Ob sein Kumpel ihn übers Ohr gehauen hat, wurde am Montag nicht ganz klar.

Der Mann lebt seit 27 Jahren in der Schweiz, doch nun wackelt seine Aufenthaltsbewilligung. Dabei scheint ihm zumindest die Tradition der Knallerei am Schweizerischen Nationalfeiertag durchaus vertraut: Mit einem seiner beiden Kinder ging er am 1. August jeweils «schiessen», dies mit einer Schreckschusspistole.

Diese warf einige Fragen auf, man fand sie bei der Hausdurchsuchung in seiner Wohnung in einem Rucksack. Er betonte allerdings immer, dass er die Pistole beim «Kampf» in Reinach nicht dabei hatte. «Warum hatten sie Pistole denn in einem Rucksack? Das war ja
im Februar, nicht im August», fragte eine Richterin nach. «Ich weiss es nicht mehr. Vielleicht bin ich vorher mit den Kindern spielen gegangen. Aber in Reinach hatte sich sie ganz sicher nicht dabei», antwortete der 39-Jährige. In dasselbe Kapitel gehört wohl eine weitere bei ihm gefundene Imitationswaffe, die sich als Feuerzeug entpuppt hat.

Das Waffengesetz verbietet solche Waffen wegen der Verwechslungsgefahr generell, abgesehen davon gehört Mazedonien zu jener Gruppe der acht Länder, deren Bürger in der Schweiz jeglicher Erwerb oder Besitz von Waffen ganz grundsätzlich verboten ist. «Ich wusste nicht, dass das verboten ist», meinte der 39-Jährige dazu.

Wie stark sich sein Geständnis beim Überfall im Februar 2014 auswirkt, wird sich zeigen: Die Staatsanwaltschaft wird heute Dienstag mit ihren Plädoyers beginnen und dabei auch konkrete Anträge für das Strafmass der 17 Angeklagten stellen. Die Urteile fallen im September.

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