Kantonsspital Baselland

Spitalneubau als einzige Hoffnung? Ärzte propagieren ihr Mega-Projekt in Salina Raurica

Das Kantonsspital Baselland der Zukunft kann nur in Salina Raurica stehen, findet die Ärzteschaft. Doch ist das 400-Millionen-Projekt wirklich bezahlbar? Und kann das KSBL überhaupt überleben, bis der Neubau in acht bis zehn Jahren stehen würde?

Deutlicher geht’s nicht: «Die Finanzierung ist gesichert!», steht in den Presseunterlagen, die die Ärztegesellschaft Baselland (AeGBL) und der Verband der Assistenz- und Oberärzte (VSAO) der beiden Basel am Ende ihrer gestrigen Präsentation verteilten. Mündlich fiel dieser Satz nicht. Schliesslich gibt es noch gar kein konkretes Bauprojekt.

Doch die Botschaft von AeGBL-Präsident Tobias Eichenberger, AeGBL-Spitalexperte Conrad Müller und VSAO-Präsident Miodrag Savic war auch so klar: Sie sind überzeugt, dass sich ein Akutspital-Neubau des Kantonsspitals Baselland (KSBL) für 400 Millionen Franken und ein ambulantes Zentrum für 200 Millionen auf dem kantonalen Entwicklungsgebiet Salina Raurica in Pratteln finanzieren lassen. Und sie glauben, dass es schlicht keine Alternative zu dieser Ein-Standort-Lösung gibt, die das Ende der drei bestehenden Spitäler in Liestal, auf dem Bruderholz und in Laufen bedeuten würde.

200 bis 300 statt über 500 Betten sind das Ziel

Die bz konnte dieses ambitionierte Projekt, das unabhängig von der KSBL-Spitze entwickelt wurde, Ende Juni publik machen. Die Präsentation im siebten Stock der Prattler Planzer AG hatte nun zum Ziel, detaillierter aufzuzeigen, dass es auch wirklich mach- und finanzierbar ist.

An den Eckwerten hat sich nichts geändert: Der «Gesundheitscluster Salina Raurica» umfasst ein Zentrumsspital mit erweiterter Grundversorgung und Notfallstation. Direkt daneben und über eine Passerelle verbunden käme ein ambulantes Zentrum inklusive Hotel zu stehen. Als drittes, optionales Element sollen auch noch Alterswohnungen und Pflegeplätze entstehen. Alles bestens erschlossen über die Strasse, die zu verlängernde Tramlinie sowie die S-Bahn-Haltestelle Salina Raurica. «Pratteln liegt genau in der Schnittstelle zwischen Basel, dem Unter-, dem Oberbaselbiet und dem Fricktal», hielt Müller fest. Während Liestal und Bruderholz komplett schliessen sollen, wäre in Laufen noch eine 24-Stunden-Notfallstation vorgesehen.

Auch am Finanzierungsplan hält man fest. Die 400 Millionen Franken für das Akutspital, das mit 200 bis 300 Betten deutlich kleiner würde (heute sind es über 500 Betten), müsste das KSBL aufbringen. Die 200 Millionen fürs ambulante Zentrum sollen Investoren beitragen. Das KSBL und – so die Hoffnung – auch das Basler Unispital könnten sich dann einmieten. «Es gibt bereits interessierte Investoren, doch wir dürfen sie noch nicht nennen», sagte Eichenberger geheimnisvoll (siehe auch Interview unten).

Überlebt das KSBL, bis der Neubau steht?

Knacknuss dürfte demnach das Akutspital werden. Das Hauptargument der Ärzte ist hier, dass das KSBL ja selbst 500 Millionen Franken für die Sanierung der Standorte Liestal und Bruderholz veranschlagt habe. Ein Neubau wäre demnach sogar billiger. Müller ergänzt: «Für einen Neubau sind heute auf dem Kapitalmarkt günstige Darlehen zu bekommen, für Sanierungen hingegen ist es schwieriger.» Zudem sei es sehr attraktiv, da der Kanton als Eigner bedeute, dass Investoren «de facto eine Staatsgarantie bekämen».

Etwas gaben die Ärztevertreter gestern aber zu: Sie gehen davon aus, dass sicher nochmals 100 Millionen Franken in den Erhalt der alten Standorte gesteckt werden müssen, damit diese überhaupt die acht bis zehn Jahre überdauern, bis ein Neubau realisiert wäre. Dazu Eichenberger: «Die Gefahr besteht, dass das KSBL bis dann fast am Ende wäre. Aber ohne den Neubau am Horizont hätte das Personal gar keine Perspektive und das Ende käme noch schneller.»

Der Vorschlag von AeGBL und VSAO wird nun von der Regierung neben den Varianten des KSBL-Verwaltungsrates beurteilt. Danach kommt es in den Landrat. Auf Anfrage heisst es aus der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion: «Grundsätzlich sind die Argumente für einen neuen Standort, an dem alles zusammengezogen wird, nachvollziehbar.»

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