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Sponsoring gekürzt: EBM will nicht mehr so viel Geld ins Sportmuseum stecken

Die Kollekte ist leer.

Die Kollekte ist leer.

Die EBM hat diese Woche ihr Sparprogramm im Umfang von zwanzig Millionen Franken vorgestellt. 40 Mitarbeiter werden entlassen. Und auch das Sportmuseum muss leiden. Die EBM streicht ihr Sponsoring-Budget massiv - die Landräte sind überrascht.

Der ehemalige EBM-Direktor Hans Büttiker ist ein Fan des Sportmuseums, das 2011 auf die Münchensteiner Seite des Dreispitzes zog. Er nahm ein jährliches Sponsoring von 100'000 Franken ins Budget auf, obwohl dort kein Platz dafür vorgesehen war. Nun ist Büttiker pensioniert. Der Drei-Jahres-Vertrag läuft Ende Jahr aus. Die EBM hat diese Woche ihr Sparprogramm im Umfang von zwanzig Millionen Franken vorgestellt. Diskutiert wurden an der Pressekonferenz die grossen Themen des Strommarktes. Doch auch die kleinen Sparmassnahmen sind schmerzhaft. Der Energieversorger kürzt sein Sponsoring-Budget von jährlich 180'000 Franken «massiv». Dies sagt EBM-Kommunikationschef Dominik Baier auf Anfrage.

Der grösste Verlierer ist das Sportmuseum. Es wird gemäss Baier weniger als die Hälfte des bisherigen Betrags erhalten. Die genaue Zahl gibt er noch nicht bekannt, da er diese zuerst dem Sportmuseum persönlich mitteilen möchte. Die Konsequenzen stehen für Baier aber schon fest: «Wenn wir mit dem Betrag zurückfahren, ist es nicht mehr opportun, dass ich im Stiftungsrat vertreten bin.»

Das Sportmuseum hat mit dem Rückzug gerechnet und den Betrag nicht fürs Budget vorgesehen. Davon wusste die Bildungs-, Kultur- und Sportkommission des Landrats nichts. Sie behandelte die Frage nach der künftigen kantonalen Unterstützung Ende August. Kommissionspräsident Paul Wenger (SVP) reagiert überrascht: «Das ist eine neue Situation für das Sportmuseum.»

FDP-Kommissionsmitglied Michael Herrmann fühlt sich in seiner Haltung bestätigt: «In der derzeitigen Situation wäre es falsch, aus einem Privatmuseum ein weiteres vom Staat abhängiges Museum zu machen.» Herrmann verweist auf den Bericht der Basler Bildungs- und Kulturkommission, die dem Sportmuseum intransparente Buchhaltung und eine ungenügende Rolle des Stiftungsrats vorwarf. «In voller Kenntnis dieser Tatsachen wäre es mehr als fahrlässig, dass der Landrat Steuergelder oder andere Gelder, die ihm nicht gehören, ausgibt», sagt Herrmann. Zuerst müsse der Beweis erbracht werden, dass das Haus in Ordnung gebracht worden sei: «Erst dann kann über eine allfällige Beteiligung gesprochen werden, vorher nicht.»

Die Kommission entschied im August nicht in Herrmanns Sinn. Sie stimmte der Regierung zwar zu, auf eine offizielle Subventionierung wie Basel-Stadt zu verzichten. Im Landkanton sollen sich Museen mit privater Trägerschaft gemäss Regierungskonzept selbst um ihre Finanzierung kümmern. Die Kulturkommission entschied sich deshalb für einen Trick: Sie verlangt von der Regierung, das Sportmuseum weiterhin über den Swisslos-Fonds zu finanzieren.

Die landrätliche Forderung nach Lotteriefonds-Geldern verletzt mehrere Grundsätze. Es liegt nicht in der Kompetenz des Landrats, über Swisslos-Gelder zu bestimmen. Dies bestätigt Bildungsdirektor Urs Wüthrich (SP): «Der Positionsbezug der landrätlichen Kommission - sollte dieser vom Plenum gestützt werden - hat nicht bindenden oder verpflichtenden Charakter.» Swisslos-Gelder sind zudem nicht zur Finanzierung eines Betriebs, sondern nur von Projekten vorgesehen. Und dies erst noch unter der Voraussetzung, dass sich die Standortgemeinde substanziell beteiligt, was beim Sportmuseum nicht der Fall ist. Wüthrich hält deshalb an seinem Vorschlag fest, den Sportmuseumsbetrieb nicht mehr mitzufinanzieren. Damit stellt er sich gegen seinen Parteipräsidenten Martin Rüegg, der für das Sportmuseum lobbyiert.

Vom Entscheid des Landrats hängt viel ab. Trotzdem ist es noch nicht traktandiert, obwohl die Vorbereitung abgeschlossen ist. Die Basler Bildungs- und Kulturkommission hat einer Subventionierung von 150 000 Franken pro Jahr nur unter der Bedingung zugestimmt, dass der Landrat denselben Betrag bewilligt. Zudem hat sie verlangt, dass das Sportmuseum bis zum 30. Juni 2013 einen Strategie- und Businessplan mit konkreten Controllingmassnahmen für eine finanzielle Konsolidierung vorlegt. Das Datum ist von der Kommission unbemerkt verstrichen. Kommissionssprecherin Martina Bernasconi (GLP) dankt für den Hinweis und sagt, dass sie dem nachgehen wolle.

Die Abteilung Kultur des Präsidialdepartements habe die Unterlagen termingerecht erhalten, sagt Leiter Philippe Bischof. Die Finanzkontrolle habe sie geprüft und für gut befunden. Wer Einsicht in diese «internen Dokumente» haben wolle, solle beim Museum nachfragen. Leiter Gregor Dill blockt ab: «Wir sind grundsätzlich sehr auskunftsfreudig; aber bitte verstehen Sie, dass wir manchmal die Zeitpunkte selber bestimmen möchten.» Der Rückzug der EBM und die bevorstehende Landratsdebatte sind offenbar keine guten Zeitpunkte.

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