Schachental

Sprengungen im Laufental sorgen für reichlich Zündstoff – «Kinder fangen an zu weinen»

Im Schachental sollen sich eines Tages viele Gewerbebetriebe ansiedeln. Derzeit ist eine Geländemodulation im Gang.

Im Schachental sollen sich eines Tages viele Gewerbebetriebe ansiedeln. Derzeit ist eine Geländemodulation im Gang.

Burgerkorporation Dittingen will das Schachental entwickeln. Damit verärgert sie Anwohner und Naturschützer.

Die Bedeutung des Schachentals ist für das Laufental riesig. Einst verdienten Hunderte Arbeiter in den Steinbrüchen ihren Lohn. Heute birgt das rund acht Hektaren grosse Gebiet zwischen Dittingen und Laufen viel Entwicklungspotenzial.

In der Schachlete, wie das Areal im Volksmund genannt wird, soll ein florierendes Gewerbegebiet entstehen. Bis es so weit sein wird, könnte es aber noch lange dauern. Seit einiger Zeit wehren sich Anwohnerinnen und Anwohner aus Laufen und Röschenz gegen die industrielle Nutzung des Schachentals.

Einsprachen gegen die Baugesuche

In einer Beschwerde an den Kanton Baselland kritisieren sie die Arbeiten im Gebiet und fordern die Verantwortlichen in Liestal zum Handeln auf. Durch Einsprachen gegen Baugesuche versuchen die Anwohner, Bauprojekte im Schachental zu verhindern. Die Antag Recycling AG aus Zwingen betreibt eine Aufbereitungsanlage, in der Aushub zu Sand und Kies verarbeitet wird.

Die Anlage möchte das Unternehmen nun ausbauen. Einen Aufbereitungsplatz für unbehandeltes Altholz plant die Re-Center Muttenz AG. Im Schachental ist eine Geländemodulation im Gang, durch die ein ehemaliger Steinbruch in neue Baufelder für Gewerbetreibende verwandelt wird. Deshalb kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Sprengungen.

«Kleinkinder wachen schreiend aus dem Mittagsschlaf auf oder fangen an zu weinen»

Die Anwohner leben grösstenteils in den beiden Laufner Quartieren Bromberg und Maiersacker, die wenige hundert Meter vom Schachental entfernt liegen. In drastischen Worten schildern sie in der Beschwerde die Auswirkungen der Arbeiten im Schachental auf die Anwohnerschaft: «Kleinkinder wachen schreiend aus dem Mittagsschlaf auf oder fangen an zu weinen, weil der Tisch und die Teller beim Mittagessen rütteln, ausgelöst durch die Erschütterungen.»

Spielende Kinder würden wegen der Detonationen in Panik ins Haus rennen. Auch hinter die rechtliche Situation setzen die Kritiker einige Fragezeichen: Sowohl der Abbau von Gestein im vorliegenden Ausmass als auch die Deponie von grossen Materialmengen auf Arealen, die renaturiert werden sollten, sei nach geltendem Teilzonenplan rechtswidrig.

Der Anwohnerschaft macht vor allem der Lärm zu schaffen

«Wir kritisieren aber auch das erhöhte Verkehrsaufkommen von geschätzt über 20 Lastwagen pro Stunde auf einer einspurigen Strasse, sollten die geplanten Projekte realisiert werden, und die Auswirkungen der industriellen Nutzung auf das Naherholungsgebiet», sagt Martin Blatter, einer der Einsprechenden.

Wenige Meter neben dem Schachental befinden sich ein Vitaparcours, eine Finnenbahn sowie Grillstellen und ein Spielplatz. «Der Lärm des heutigen Steinabbaus sowie die Arbeiten mit den Brechern verhindern bereits heute, dass das Naherholungsgebiet seinem Zweck gemäss genutzt werden kann», ärgert sich Blatter. Immer mehr Anwohnerinnen und Anwohner würden das Gebiet deshalb meiden.

Auch Pro Natura sieht die Zonenvorschriften verletzt

Mit ihrer Kritik an den Vorgängen in der Schachlete stehen die Anwohner nicht allein da. Auch Pro Natura Baselland hat eine Einsprache gegen das Projekt der Antag AG eingereicht. Die Naturschutzorganisation stellt durch den Bau der Anlage ebenfalls eine Verletzung der Zonenvorschriften fest. Für das Gebiet existiert ein Teilzonenplan aus dem Jahr 2001.

«In diesem Plan sind die Aspekte des Naturschutzes gut vertreten», sagt Thomas Fabbro, Geschäftsführer von Pro Natura Baselland. «Das Gebiet wurde in einen Baubereich, einen Nichtbaubereich und eine Steinabbauzone aufgeteilt. Die Nutzung muss sich an diese Zonen halten. Im Gebiet kann nicht einfach gebaut und geplant werden, wie man möchte», so Fabbro. Es dürfe nicht sein, dass getroffene Kompromisse zwischen Naturschutz und anderer Nutzung ausgehebelt würden.

Das geplante Gewerbegebiet Schachental liegt vollständig auf Dittinger Boden

Die Grundstücke gehören der Burgerkorporation Dittingen, die sie im Baurecht an die Unternehmen abgibt. Burgerratspräsident Ueli Jermann nimmt die Kritik ernst. «Wir entschlossen uns, eine Kontaktgruppe ins Leben zu rufen.» Leider seien jedoch nicht alle kritischen Personen bereit, am Dialog teilzunehmen. «Durch Gespräche innerhalb der Gruppe konnten einige Unklarheiten aus der Welt geschafft werden.» Man könne nur zu Lösungen kommen, wenn man miteinander rede.

Nachdem sich Anwohner an den Kanton Baselland gewandt hatten, verhängte dieser im vergangenen Herbst in der Schachlete einen Sprengstopp. Diesen Mai wurde der Stopp wieder aufgehoben. «Die Bauherrschaft führte Sprengungen mit Sprengstoff durch, die von der rechtskräftig erteilten Baubewilligung nicht mitumfasst waren», schreibt Nico Buschauer, Mediensprecher der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD), auf Anfrage.

Immissionen liegen innerhalb der Grenzwerte

Die Prüfung durch die kantonale Lärmschutzfachstelle habe ergeben, dass die durch die Sprengungen resultierenden Immissionen innerhalb der Grenzwerte liegen würden. Das Einfordern eines neuen Baugesuchs sei deshalb nicht erforderlich gewesen und die Einstellung der Sprengungen sei wieder aufgehoben worden.

Mitglieder des Dittinger Burgerrats haben einige Anwohner zu Hause besucht, um sich selber ein Bild der geschilderten Erschütterungen zu machen. «Die Rückmeldung der Kollegen war, dass teilweise ganz leichte Erschütterungen zu verspüren waren, teilweise aber auch gar nichts», berichtet Ueli Jermann. Um künftig Lärmimmissionen reduzieren zu können, plant die Burgerkorporation Dittingen einen Lärmschutzwall um das Gebiet. «Der Kredit dafür ist gesprochen.» Da Teile des Areals, auf dem der Wall zu stehen kommen soll, aber auf Laufner Boden liegen, seien dafür noch Abklärungen nötig.

Kantonale Fachstellen befassen sich mit Thema

Zur monierten Verletzung der Zonenvorschriften sagt Ueli Jermann: «Die Geländemodulation der Burgerkorporation erfüllt die gesetzlichen Vorgaben und verfügt über eine gültige Baubewilligung. Wir verlassen uns auf das Urteil der kantonalen Fachstellen, welche die Situation grundsätzlich als konform mit dem Teilzonenplan und dem geltenden Reglement beurteilen.»

Im Laufental erwartet man vom Kanton Baselland in den nächsten Wochen eine Beurteilung der offenen Baugesuche. Beim Kanton heisst es dazu von BUD-Sprecher Buschauer: «Dem Bauinspektorat obliegt die Prüfung und Bewilligung der Baugesuche im Kanton Baselland.» Das Bauinspektorat werde die internen Fachstellen beiziehen und die einzelnen Einsprachen prüfen.

Die Einsprechenden blicken dem bevorstehenden Entscheid aus der Kantonshauptstadt skeptisch entgegen: «Wir befürchten, dass die Behörden in Liestal zu wenig objektiv sind und von ihren Wünschen geleitet werden könnten», sagt Martin Blatter. Denn das Vorhaben im Schachental decke sich hinsichtlich der fehlenden Deponieflächen und der zu wenigen Recyclinganlagen mit den Bedürfnissen des Kantons Baselland.

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