Waldenburgerbahn

Spur-Verbreiterung bei Waldenburgerli: Liestal fürchtet blankes Chaos

Lukas Ott fordert Verhandlungen mit den SBB, dass das Waldenburgerli hier nicht ein Jahr lang ausgesperrt wird.

Lukas Ott fordert Verhandlungen mit den SBB, dass das Waldenburgerli hier nicht ein Jahr lang ausgesperrt wird.

Die Baselbieter Regierung will die weitgehend exotische 75-Zentimeter-Spur auf einen Meter verbreitern. Die Pläne zur Umspurung der WB seien realitätsfern, findet Liestals Stadtrat

Heute dürfte die Bau- und Planungskommission des Landrates in zweiter Lesung entscheiden, ob sie sich bei der künftigen Spurweite der Waldenburgerbahn (WB) hinter die Regierung stellt. Diese empfiehlt dem Landrat bekanntlich, die jetzige, weitgehend exotische 75-Zentimeter-Spur auf einen Meter zu verbreitern, um den Bahnbetrieb auch langfristig sicherzustellen. Allerdings weht der Spurerweiterung neuerdings eine kräftige Bise entgegen.

So suggerierte eine sehr gut besuchte Podiumsdiskussion vergangene Woche in Waldenburg (die bz berichtete), dass das Tal-Herz für die traditionelle Schmalspur schlägt. Und jetzt tauchen auch in Liestal plötzlich grosse Fragezeichen zur Spurerweiterung auf. Zwar äussert sich der Stadtrat, der die Thematik an seiner vorgestrigen Sitzung nochmals besprach, nicht explizit für die eine oder die andere Spurweite – in der Vernehmlassung hatte er noch für die Meter-Spur plädiert –, aber er führt Zweifel an, ob das bisher vorgesehene Umspur-Szenario realistisch ist. Denn Liestal befürchtet das blanke Chaos.

Pendler steigen auf Auto um

Werfen wir einen Blick auf den von der Regierung vorgesehenen Ablauf: Im Jahr 2022 bauen die SBB das vierte Gleis ein und sperren deshalb den Abschnitt Liestal Bahnhof bis Altmarkt für die WB. Weil die WB damit auf einem Teilstück sowieso nicht fahren kann, soll während dieses Jahres gerade die ganze Strecke bis Waldenburg auf Meter-Spur umgebaut werden. Die WB-Fahrgäste – an einem normalen Werktag sind das 4000 – werden während dieser Zeit mit Bussen von und nach Liestal transportiert.

Was heisst das nun konkret? Weil ein Grossteil dieser Fahrgäste Pendler sind, die die morgendlich und abendlich im Viertelstundentakt fahrenden WB-Züge benutzen, werden die meisten Busse auch zu diesen Spitzenzeiten verkehren. Um einen vollen WB-Zug mit etwa 200 Passagieren zu ersetzen, braucht es zwei Gelenkbusse. Somit werden also zu Stosszeiten bis zu acht zusätzliche Busse stündlich vom und zum Liestaler Bahnhof fahren.

Dieses Szenario kann sich Liestals Stadtpräsident Lukas Ott schlicht nicht vorstellen: «Ich weiss nicht, wo all diese zusätzlichen Busse am Bahnhof Liestal, der genau zu dieser Zeit eine Grossbaustelle sein wird, ihre Fahrgäste ein- und ausladen sollen.» Denn die SBB bauen dann in Liestal nicht nur ihr viertes Gleis sowie ein neues Wendegleis für die S-Bahn, sondern auch noch ein neues Bahnhofgebäude. Ott befürchtet, dass die einjährige Sperre der WB mit absehbaren Busverspätungen die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs im Waldenburgertal massiv beeinträchtigt und Pendler nachhaltig aufs Auto umsteigen werden.

Gleiche Spielregeln für SBB und WB

Dies würde zwar das Buschaos am Liestaler Bahnhof etwas mildern, aber gleichzeitig zu anderen Problemen führen. Ott: «Wir haben am Bahnhof Liestal auch keinen Platz für eine grosse Zunahme im Bereich Park and Ride. Wir sind darauf angewiesen, dass ein grosser Teil der Pendler aus dem Waldenburgertal, die in Liestal auf die SBB umsteigen, mit der WB und nicht mit dem Auto hierher kommen.» Deshalb müsse, so fordert Ott, das WB-Projekt und insbesondere auch die Bauphase unter dem Gesichtspunkt der öV-Attraktivität angeschaut werden.

Aber ob Umbau auf Meter-Spur oder nicht, muss der Abschnitt Liestal Bahnhof-Altmarkt 2022 nicht sowieso gesperrt und zumindest hier auf Busbetrieb umgestellt werden? Ott winkt ab. Der Vierspurausbau in Liestal beschäftige die SBB während acht Jahren und während der ganzen Zeit erfolgten die Arbeiten «unter dem rollenden Rad». Weshalb aber gleichzeitig die WB-Linie während eines ganzen Jahres stillgelegt werden müsse, sei nicht nachvollziehbar. «Hier muss mit den SBB als Verursacherin der Baustelle im Burggraben hart verhandelt werden. Ich habe diesbezüglich bisher keine Aktivitäten festgestellt», sagt Lukas Ott. Und wenn die WB-Gleise nicht alle gleichzeitig ausgewechselt werden müssten, wie es bei einer Umspurung der Fall wäre, könnten die Arbeiten etappiert etwa in den verkehrsärmeren Schulferien durchgeführt werden.

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