Archäologie Baselland

Spuren aus römischer Zeit – die Bodenforschung war 2018 besonders fleissig

Ungefähr an dieser Stelle könnte sich zu Römerzeiten der Stausee befunden haben, vermuten die Baselbieter Archäologen.

Ungefähr an dieser Stelle könnte sich zu Römerzeiten der Stausee befunden haben, vermuten die Baselbieter Archäologen.

Ein Füllhorn an Themen haben die Spezialistinnen und Spezialisten der Baselbieter Archäologie am Donnerstag in Lausen präsentiert. Die umfassenden Tätigkeiten sind im Jahresbericht 2018 zusammengefasst, dessen Inhalt am alljährlichen Medienanlass vorgestellt wird. Die «Ausbeute» der vielfältigen Forschungs-, Bauuntersuchungs- und Grabungsergebnisse war auch im vergangenen Jahr beachtlich.

Besonders begehrt, da selten, sind Goldfunde aus römischer Zeit. Auf der Flur Steinacker auf dem Bernhardsberg bei Oberwil wurde der ehrenamtliche Archäologie-Baselland-Mitarbeiter Rafael Graf fündig. Dort, wo schon seit längerer Zeit die Überreste eines römischen Gutshofs vermutet werden, fand er neben anderen Gegenständen einen winzigen Goldring von nur gerade 11 Millimeter Innendurchmesser.

Der römische Gutsherr von Oberwil muss angesichts solcher Gaben ziemlich wohlhabend gewesen sein.

Der römische Gutsherr von Oberwil muss angesichts solcher Gaben ziemlich wohlhabend gewesen sein.

«Die Wissenschaftlerin Viktoria Appel vermutet, dass es sich um ein Geschenk zur Geburt eines Säuglings gehandelt hat. Später wurde der Ring allenfalls an einer Kette als Amulett getragen», heisst es im Jahresbericht zu einem vergleichbaren Mini-Ring aus Augusta Raurica. Angesichts solch reicher Gaben gehen die Archäologen davon aus, dass der Oberwiler Gutshof seinerzeit bedeutender gewesen sein muss als bisher angenommen.

Römischer Stausee im Baselbiet?

Um bei den alten Römern zu bleiben. Schon lange beschäftigen sich Forscher mit der Frage, wie Augusta Raurica mit bis zu 24 000 Kubikmeter Wasser pro Tag versorgt werden konnte. Das Frischwasser kam per Leitung aus dem unteren Ergolztal, doch liefert keine bekannte Quelle dort derartige Mengen. Folglich müssen die Römer das Flusswasser der Ergolz mit einer meterhohen Wehr gestaut haben, um die 7,3 Kilometer lange Wasserleitung kontinuierlich zu speisen. Vermutet wird der Stausee vom 1. Jahrhundert nach Christus bis ins späte Mittelalter.

Um es vorwegzunehmen: Spuren oder Überreste der antiken Stauwehr zwischen Lausen und Liestal sind bisher noch nicht gefunden worden. Doch bot im vergangenen Jahr die archäologische Untersuchung der Grossbaustelle an der Weidmatstrasse in Lausen Gelegenheit, diese These am vermuteten Standort des Stausees zu überprüfen. Nach der Bodenanalyse sehen sich die zuständigen Expertinnen und Experten in ihrer Annahme bestärkt: Anzeichen für stehendes Wasser seien «in Form grauer und brauner Feinsedimente» vorhanden, heisst es im Jahresbericht.


   

Den Jahresbericht gibt es in gedruckter Form und als Download auf www.archaeologie.bl.ch

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