Die Diskussionen um die Zukunft der Waldenburgerbahn (WB) scheinen sich nach dem Vorentscheid der landrätlichen Bau- und Planungskommission von letzter Woche wieder von der Strasse auf die Schiene zu verlegen. Dabei entflammt der alte Konflikt: 75-Zentimeter-Spur mit Dampfbahn oder Umstellung auf Meter-Spur? Gefochten wird vor allem mit finanziellen Argumenten, so auch bei den Kosten des neuen Rollmaterials.

Dazu schreibt die Regierung in der Landratsvorlage: «Zwar gibt es in Europa mehrere Anbieter von Spezialanfertigungen für Züge mit Spurweite 750 mm, aufgrund des jeweils erforderlichen Entwicklungsaufwands ist deren Preis pro Zug jedoch höher, als wenn Rollmaterial in Meterspur angeschafft würde.»

Dem hält die von Dampffreunden gebildete Projektgruppe «Vernünftige Modernisierung der Waldenburgerbahn» nun entgegen: «Fahrzeuge mit 750 mm Spurweite sind keine Spezialanfertigungen. Es gibt keinen Entwicklungsaufwand, da diese Fahrzeuge bereits im Einsatz sind.» Die Wagenkasten seien identisch mit jenen der Meterspur. Und auch die Drehgestelle seien «vom Prinzip her» identisch, hätten teilweise nur andere Dimensionen.

Je genormter, desto günstiger

Also, was stimmt nun? Das wollten wir von einem der grössten Bahnhersteller in Europa wissen, der Firma Stadler Rail im thurgauischen Bussnang. Verkaufsleiter Urs Wieser schickt voraus: «Grundsätzlich ist das gleiche Bahnmodell in Normalspurausführung günstiger als eines in Schmalspurausführung. Dies, weil es für die Schmalspur weniger Stückzahlen gibt und entsprechend auch die Standardisierung weniger hoch ist.»

Doch mit Normalspur ist die SBB-Spurweite von 1,435 Meter gemeint, bei der die Wagenkasten eine Norm-Breite von 2,88 Metern aufweisen. Das meist produzierte Modell ist bei Stadler Rail denn auch der Flirt, der klassische Regionalzug bei den SBB.

Bei der Waldenburgerbahn dagegen sind Wagen mit einer Kastenbreite von 2,4 Metern vorgesehen, und die gelten unabhängig von der Spurweite nicht als Norm. Denn viele Schweizer Schmalspurbahnen, die auf Meter-Spur verkehren, verwenden 2,65 Meter breite Wagen, BLT und BVB solche von 2,3 Meter Breite. Wieser sagt denn auch: «Ob die Waldenburgerbahn mit 2,4 Meter breiten Wagen auf einer 75-Zentimeter-Spur oder auf Meter-Spur fährt – bei beiden Varianten handelt es sich um eine Sonderanfertigung.» Doch er fügt an: «Noch handelt es sich bei der Meter-Variante bei uns um eine Sonderanfertigung. Denn wir sind gerade daran, 24 Wagenkasten mit diesen Massen für die Appenzeller Bahnen zu bauen. Sobald diese gebaut sind, kann auf bestehende Konzepte zurückgegriffen werden.»

Selbstverständlich könne Stadler Rail auch problemlos die Variante für die schmalere Spur bauen. Man habe auch neun Fahrzeuge für die Mariazellerbahn mit einer Spurbreite von 76 Zentimetern und 2,65 breiten Wagenkasten hergestellt, so der Verkaufschef. Keine Auskünfte gibt es indes von Stadler Rail zu den zu erwartenden Kostendifferenzen der beiden Varianten. Was insofern nachvollziehbar ist, da die Firma ein potenzieller Auftragnehmer für die neuen Waldenburgerli ist.

Und zur Frage, ob es in 30 Jahren schwieriger sei, eine 75-Zentimeter-Spur-Bahn zu ersetzen als eine auf Meter-Spur, sagt Wieser: «Vermutlich schon. Für Meter-Spur wird es mehr standardisierte Modelle geben.»