Liestal

Stadtbauamt wird aufgestückelt

Heute ist das Rathaus Liestal eine organisatorische Baustelle: Die Mitarbeiter des Tiefbaus müssen in den Werkhof umziehen.

Heute ist das Rathaus Liestal eine organisatorische Baustelle: Die Mitarbeiter des Tiefbaus müssen in den Werkhof umziehen.

Der neue Liestaler Bauchef Daniel Muri kann im Juli ein abgespecktes Ressort übernehmen. Das Stadtbauamt trägt dann neu den Namen «Bereich Hochbau Planung». Die Tiefbau-Abteilung gehört dann neu in einen anderen Bereich.

Das altehrwürdige Stadtbauamt in Liestal ist ab Juli Geschichte. Ab dann heisst es als Folge einer Neuorganisation «Bereich Hochbau Planung». Der neue, nüchterne Name zeigt, was dem Stadtbauamt amputiert wird – die Tiefbau-Abteilung; diese wandert in den Bereich Betriebe. Die Umorganisation geht terminlich einher mit der Ablösung des Bauchefs im Stadtrat: Der zurücktretende Franz Kaufmann (SP) übergibt das Zepter an Daniel Muri (parteilos).

Der Schluss liegt nahe: Die ganze Übung ist in erster Linie eine Art Lex Muri, um den neuen Bauchef zu entlasten. «Nein, das ist bestimmt keine Lex Muri», sagt Stadtpräsident Daniel Spinnler (FDP). Ursprung für die Änderung sei die Diskussion über die Behördenentschädigung vor vier Jahren im Einwohnerrat gewesen. Damals habe die parlamentarische Botschaft geheissen, die politische Last, die bis heute gehäuft beim Bauchef liege, zu verteilen. Dass man die Umorganisation nicht früher eingeleitet habe, habe mit dem Jahrhundertprojekt Vierspurausbau inklusive Bahnhofneubau zu tun. Spinnler: «Der Zeitpunkt ist eine logische Konsequenz aus der Entwicklung und jetzt ideal: Der Vierspurausbau läuft, und wir können den Parlamentsauftrag auf den Stadtratswechsel beim Bauwesen per 1. Juli umsetzen.»

Ein Überraschungscoup, der gut ankommt

Dem Ganzen haftet gleichwohl der Makel eines Schnellschusses an: Am 10. März beschloss der Stadtrat die Neuverteilung der Zuständigkeiten, drei Tag später hatte der Abteilungsleiter Tiefbau beim Stadtbauamt, Dominic Brunner, seinen letzten Arbeitstag in Liestal; er wusste damals nichts von einer Umorganisation des Stadtbauamts. Darauf angesprochen sagt Spinnler: «Brunners Kündigung Ende letzten Jahres war der Beginn der erneuten internen Prüfung einer Frage, die wir seit Jahren diskutierten.» Der Stadtrat habe das Thema bereits im Januar – vertraulich – beraten.

Und der Stadtpräsident betont: «Die Verschiebung des Tiefbaus zu den Betrieben macht auch inhaltlich Sinn. Denn die beiden Bereiche haben viele Schnittstellen und Überschneidungen.» So sei der Tiefbau für Abwasser und Strassenprojekte, die Betriebe seien für Wasser, Strassensanierungen und den Unterhalt der Leitungen zuständig. Die Teams seien eingespielt und Ziel sei, dass die Einwohner von der Verschiebung gar nichts merkten, so Spinnler.

Thomas Eugster (FDP), Präsident der einwohnerrätlichen Bau- und Planungskommission (BPK), wurde von der Mitte Mai kommunizierten Umorganisation überrascht. Er sagt: «Zuerst habe ich gestaunt, dann habe ich gedacht, wieso nicht?» Das Stadtbauamt sei in den letzten Jahren durch die vielen Bauprojekte extrem belastet gewesen, jetzt werde die Arbeitslast sowohl innerhalb der Verwaltung als auch beim Stadtrat besser verteilt. Und die ganze Strassen-, Wasser- und Abwasserplanung erfolge nun aus einer Hand. Das mache Sinn.

Auch Eugsters Vorgänger als BPK-Präsident, Diego Stoll (SP), kann der Umorganisation Positives abgewinnen. Es habe immer wieder Zuständigkeitskonflikte zwischen Tiefbauamt und Betrieben gegeben. Man habe das schon damals andiskutiert, ohne zu einer Schlussfolgerung gekommen zu sein. Und auch die Arbeitslast sei jetzt besser verteilt. Stoll: «Auf den ersten Blick ist das schlüssig. Aber man kann immer darüber diskutieren, ob nun ein Sachbereich richtig zugeordnet ist.»

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Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

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