Politik

Stadtpräsident Alex Imhof hört auf: «Laufen ist heute dynamischer unterwegs»

Ein Kämpfer für die Nöte der Zentrumsgemeinden: Alexander Imhof (CVP) vor dem Laufner Stadthaus.

Ein Kämpfer für die Nöte der Zentrumsgemeinden: Alexander Imhof (CVP) vor dem Laufner Stadthaus.

Stadtpräsident Alexander Imhof hört nach acht Jahren auf. In seiner Amtszeit hat sich Laufen stark verändert – trotz Volksnein zur Überbauung Nau.

Sie wollen bei den Wahlen im Februar 2020 nicht mehr antreten, wie Sie der bz verraten haben. Das überrascht etwas: Mit 55 sind Sie im besten Politiker-Alter. Sie hätten mühelos eine Legislatur dranhängen können.

Alex Imhof: Ich möchte mich in den nächsten Jahren auf meinen Beruf konzentrieren. Gemeinsam mit meinen Partnern plane ich, die Anwaltskanzlei auszubauen. Das geht jetzt viel besser als in einigen Jahren. Ich bin nun seit 20 Jahren in der Laufner Politik, zunächst als Gemeindeversammlungspräsident, seit zwölf Jahren im Stadtrat, davon acht Jahre als Präsident. In dieser Zeit habe ich mit meinen Stadtratskolleginnen und -kollegen vieles erreicht. Laufen ist heute viel dynamischer unterwegs als noch vor einigen Jahren. Es ist jetzt eine gute Zeit, um aufzuhören.

Zuletzt haben Sie eine Niederlage eingefahren. Das Stimmvolk will nichts von einer Verkleinerung des Stadtrats wissen. Ist das ein Grund, dass Sie aufhören?

Überhaupt nicht. Dass ich nicht wieder antreten werde, habe ich vor der Abstimmung vom 22. September entschieden. Die CVP-Parteileitung weiss schon länger davon. Ich habe mit der öffentlichen Kommunikation absichtlich zugewartet – wegen der Abstimmung. Ich wollte nicht, dass die Revision der Gemeindeordnung mit meiner Person verknüpft wird.

Das Volksnein ist mit 52 Prozent knapp ausgefallen. Wie gehts nun weiter?

Der Abstimmungskampf wurde dominiert von der Frage, ob der Stadtrat von sieben auf fünf Mitglieder verkleinert werden soll. Diese Frage ist nun erledigt. Der ebenfalls geplante Wechsel vom Proporz- zum Majorzverfahren war hingegen kaum ein Thema. Wir werden diese Frage nochmals aufs Tapet bringen. Laufen ist eine der letzten Baselbieter Gemeinden, die noch im Proporz wählt. Hierbei müssen die Parteien viel mehr Kandidierende rekrutieren. Stellen Sie sich vor: Vier oder fünf Parteien suchen je sieben Kandidierende, die mindestens 20 Prozent ihrer Arbeitszeit zur Verfügung stellen können und die fachlichen Anforderungen erfüllen – das ist fast nicht möglich und nicht mehr zeitgemäss. Wir brauchen gute Köpfe, keine Parteisoldaten.

Ziehen wir Bilanz: Ihre Tiefschläge als Stadtpräsident?

Ich bedaure, dass wir mit der Überbauung Nau, einem zukunftsweisenden stadtplanerischen Projekt, in der Urnenabstimmung scheiterten. Zumal alle in Aussicht gestellten Subventionen des Aggloprogramms im Nachhinein bewilligt wurden. Ich bin zuversichtlich, dass wir in diesem Gebiet in den nächsten Jahren noch viel Positives umsetzen werden. Was Laufen in meiner Amtszeit belastete, waren die Verwerfungen im Finanzhaushalt. Besonders die Pensionskassensanierungen haben viel Geld gekostet. Und die ständig wachsenden Ausgaben für die Sozialhilfe, von der Laufen als Zentrumsgemeinde besonders betroffen ist. Es stört mich, dass gesellschaftliche Lasten im Kanton Baselland von wenigen Gemeinden getragen werden müssen.

Ihre Höhepunkte in den Jahren als Stadtpräsident?

Wir konnten vieles erreichen; und ich betone «wir», denn die Teamarbeit als Stadtrat ist mir wichtig. Augenfällig sind die baulichen Veränderungen im und ums Stedtli, die Laufen neue Einwohner gebracht haben, aber auch die vielen Projekte der öffentlichen Hand, vom Primar- zum Sekundarschulhaus, Altersheim, Stedtlibibliothek, Busbahnhof. Daneben konnten wir den Wirtschaftsstandort stärken. Wir haben die Stöcklin Logistik nach Laufen geholt und damit 300 Arbeitsplätze. Die EGK Gesundheitskasse hatte kürzlich den Spatenstich für ihren neuen Hauptsitz.

Am 24. November kommt die Steuervorlage 17 kantonal zur Abstimmung. Sie haben die Vorgängervorlage, die Unternehmenssteuerreform III, bekämpft. Was sagen Sie zur neuen Vorlage?

Sie ist sicher besser als die alte. Ich habe im Mai die Bundesvorlage unterstützt, welche die Steuerreform mit einem Zustupf für die AHV kombiniert. Die kantonale Vorlage sehe ich zwiespältig: Ich begreife nicht, dass der Kanton die Kapitalsteuer faktisch abschaffen will. Laufen wird das 1,3 Millionen Franken pro Jahr kosten. Das sind zehn Prozent unserer Steuereinnahmen. Diese werden im kommenden Jahr mit den Bundesgeldern nur um 200 000 Franken kompensiert – die versprochene Kompensation via kantonalen Finanzausgleich funktioniert noch nicht. Die Finanzlage bleibt angespannt.

Sie lehnen die Reform ab?

Der Stadtrat hat die Vorlage in der Vernehmlassung mit Änderungswünschen unterstützt. Diese sind allerdings nur teilweise in die nun zur Abstimmung gelangenden Vorlage eingeflossen. Wir werden im Stadtrat noch über eine gemeinsame Haltung im Abstimmungskampf diskutieren.

Sie treten am 30. Juni 2020 ab. Welche Geschäfte wollen Sie bis dann noch unter Dach und Fach bringen?

Wir wollen bei wichtigen Geschäften weitere Pflöcke einschlagen: So werden wir die Studienplanung Seidenweg/ Amtshaus vorstellen, die unter anderem einen neuen Werkhof beinhaltet. Auch möchten wir die Pläne für die Zentrumsentlastung mit der neuen Verkehrsführung präsentieren. Diese ist ja bereits in den kantonalen Richtplan aufgenommen worden. Dazu gehört die neue Birsbrücke im Bahnhofsbereich. Hier soll noch in dieser Amtperiode mit dem Kanton ein Zeitplan erarbeitet werden.

Zum Stedtli: Die Beizer haben diesen Sommer den Boulevard entdeckt und erstmals im grossen Stil herausgestuhlt, obwohl das Stedtli nicht autofrei ist. Wie geht es da weiter?

Es hat einiges gebraucht, um die Geschäftsinhaber zu überzeugen; einige befürchteten Umsatzeinbussen, weil wegen der grosszügigen Bestuhlung ein paar Parkplätze temporär aufgehoben wurden. Passiert ist das Gegenteil: Ich habe das Stedtli schon länger nicht mehr so lebhaft gesehen. Die Menschen wollen heute beim Einkaufen flanieren und vielleicht noch etwas trinken gehen. Ich denke, das Boulevard-Projekt ist mittlerweile breit getragen. Wir möchten es 2020 definitiv einführen. Dann gibt es auch eine schöne Bestuhlung und Gestaltung.

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