Baselland

Ständeratswahlen: Die Tragik des Balz Stückelberger

Balz Stückelberger

Balz Stückelberger

Eigentlich müssten die Bürgerlichen den Arlesheimer FDP-Mann Balz Stückelberger als Gegenkandidat zu SP-Mann Claude Janiak bei den Ständeratswahlen nominieren. Doch obwohl er beim Volk chancenreicher wäre, wird er wohl nicht portiert. Warum?

Überraschend hat die FDP bei den kantonalen Wahlen vom 8. Februar den 2013 verlorenen zweiten Regierungssitz zurückerobert und im Landrat drei Mandate hinzugewonnen. Plötzlich scheint für den einst staatstragenden und jüngst krisengeplagten Baselbieter Freisinn wieder alles möglich. Auch die Rückeroberung des einzigen Ständeratssitzes. Der im Herbst für eine dritte Amtsperiode antretende Ständerat Claude Janiak (SP) ist zwar noch immer beliebt und erhält für seine Arbeit in Bern gute Noten. Doch unantastbar ist der mittlerweile 67-jährige Ständeherr nicht. Gemäss einer schriftlichen Abmachung der Parteichefs von SVP, FDP und CVP dürfen die Freisinnigen einen Herausforderer portieren – sofern die SVP-Parteileitung diesem Vorgehen am Dienstagabend den Segen erteilt. Doch wer könnte der Herausforderer aus der FDP sein?

Nachdem Nationalrätin Daniela Schneeberger in der bz vom Montag ihren Verzicht auf eine Stöckli-Kandidatur bekannt gegeben hat, läuft es auf einen Zweikampf hinaus. Einen Zweikampf zwischen dem Füllinsdörfer Landrat und Wirtschaftskammer-Direktor Christoph Buser (44) sowie dem Arlesheimer Landrat Balz Stückelberger (43). Beide haben sich zu ihren Ambitionen öffentlich bisher bedeckt gehalten. Äusserungen aus deren Umfeld belegen aber, dass beide Interesse an einer Kandidatur für die Kleine Kammer bekunden.

Balz Stückelberger, von Beruf Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands der Banken in der Schweiz, wäre wohl der chancenreichere Gegenkandidat zu Ständerat Janiak. Für diese These spricht zweierlei:

Stückelberger spricht potenziell breitere Wählerschichten an als Christoph Buser. Darauf lassen die Ergebnisse der Landratswahlen vom 8. Februar schliessen. Die «Schweiz am Sonntag» hat die Panaschierstatistik analysiert und festgestellt: Buser – der gemässigt-konservative Gewerbevertreter – wird abgesehen von der FDP fast nur von Wählern der SVP gewählt.

Stückelberger hingegen holt substanziell Stimmen in der Mitte als auch im rot-grünen Lager. In einer Eins-zu-eins-Ausmarchung ist dies von entscheidender Bedeutung: Da Janiak selber alles andere als ein Hardcore-Linker ist, muss ein bürgerlicher Gegenkandidat nahe an der Mitte politisieren, um eine Mehrheit der Wähler zu gewinnen. In dieser Konstellation ist Stückelberger der ideale bürgerliche Kandidat. Der Arlesheimer gilt als öko- und gesellschaftsliberal, ist aber alles andere als ein «linker FDPler», wie oft behauptet wird.

In der Finanz- und Wirtschaftspolitik stimmt er im Landrat stramm bürgerlich. Das moderate, weltoffene Profil Stückelbergers ähnelt jenem eines Grossen des Baselbieter Freisinns: des ehemaligen Ständerats René Rhinow, der Baselland von 1987 bis 1999 im Stöckli vertreten hat.

Der unbelastete Kandidat

Stückelberger ist der unbelastetere der beiden. Er hat sich selbst bereits früh aus dem Rennen für ein Ticket auf der Nationalrats-Siebnerliste genommen. Dies im Gegensatz zu Buser, dem nachgesagt wird, gleichzeitig für Ständerat und Nationalrat kandidieren zu wollen. Die mögliche Doppelkandidatur Busers wirkt für Wähler anderer Parteien eher abschreckend.

Stückelberger wirkt gegen aussen als der überparteiliche Kandidat, der frei von taktischen Überlegungen antritt. Innerhalb der FDP könnte für die Nationalratswahlen eine Ausgangslage geschaffen werden, die ein faires Stechen zwischen den aussichtsreichsten Anwärtern Daniela Schneeberger und Christoph Buser ermöglicht. Hinzu kommt: Stückelberger könnte stimmungsmässig unbeschwerter in den Wahlkampf ziehen. Selbst wenn er gegen Ständerat Janiak untergehen würde – was nicht anzunehmen ist –, so wäre das keine Katastrophe.

Anders präsentiert sich die Ausgangslage für Buser: Für den Direktor der Wirtschaftskammer, des mit Abstand schlagkräftigsten Verbandes im Landkanton, ist zumindest ein Achtungserfolg gegen Ständeherr Janiak Pflicht. Eine Kanterniederlage könnte Busers Image nachhaltig beschädigen.

Die Ausgangslage und das Momentum sprechen somit für einen FDP-Ständeratskandidaten Stückelberger. Und trotzdem sei die Prognose gewagt: Die Freisinnigen werden sich kaum dazu durchringen, ihn am Parteitag vom 26. März zu portieren. Dies vor allem aus zwei Gründen: Stückelberger zählt weder zum inneren Machtzirkel der Partei, noch ist er Teil des Baselbieter Wirtschafts-Establishments. Auch in der FDP-Landratsfraktion ist er ein Aussenseiter.

Dies ganz im Gegensatz zu Christoph Buser, an dessen Wirtschaftskammer kein bürgerlicher Politiker vorbeikommt, der es im Landkanton zu etwas bringen will. Mit dem Erfolg bei den Regierungswahlen, die von der in Busers Haus der Wirtschaft domizilierten IWF AG orchestriert wurde, dürfte der Einfluss des Verbandschefs auf die kantonale Politik noch gestiegen sein.

Zudem trägt Stückelberger eine Hypothek mit sich: sein Ja in der Fusionsabstimmung. Dass Stückelberger im vergangenen September zu jenen zählte, die den «Kanton Baselland abschaffen» wollten, wird ihm von einigen Rechtsbürgerlichen noch heute übel genommen.

Es entbehrt nicht einer gewissen Tragik, dass der chancenreichere Ständeratskandidat in den eigenen Reihen einen schweren Stand hat. Dass wegen der nationalen Wahlen im bürgerlichen Lager Flügelkämpfe wieder aufflammen könnten, dürfte einem Politiker nicht ungelegen kommen: dem Baselbieter Ständeherrn Claude Janiak.

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