Rohner

Standortförderer Thomas Kübler: «Unser Ziel ist, dass alle Störfallbetriebe in Schweizerhalle gebündelt werden»

Thomas Kübler ist seit 2016 Leiter der Standortförderung Baselland.

Für den Baselbieter Standortförderer Thomas Kübler ist klar, dass ein Betrieb wie Rohner nicht in ein Wohnquartier gehört.

Pratteln blickt auf eine lange Tradition zurück. Die chemische Industrie siedelte sich hier schon vor über 100 Jahren an. Die Rohner AG selbst wurde 1906 als «J. Rohner Chemische Fabrik» von Joseph Rohner gegründet. Der erste Werkstoff war Ameisensäure. Der grosse Wachstumsschub der chemischen Industrie folgte mit der Entwicklung des Areals Schweizerhalle Mitte des 20. Jahrhunderts. Doch spätestens seit der Schweizerhalle-Katastrophe von 1986 haftet der Branche ein schmutziges Image an.

Die bz hat bei Thomas Kübler, Leiter der Standortförderung Baselland, nachgefragt, wie die Strategie des Kantons im Spannungsfeld zwischen Tradition und zeitgemässer Weiterentwicklung aussieht.

Wie wichtig ist die chemische Industrie noch für Baselland?

Thomas Kübler: Sehr wichtig. Man muss beachten, dass diese Branche ein breites Spektrum abdeckt. Sie forscht und entwickelt an Themen wie synthetische Treibstoffe, Materialien für 3D-Drucker, arbeitet mit Nano- und anderen modernsten Technologien und ist im gesamten Bereich der pharmazeutischen und Nahrungsmittelindustrie tätig. Es gibt spannende Entwicklungen, für die wir weiter einen Platz bieten wollen. Das beweist der Infrapark Baselland in Schweizerhalle, der seit seiner Eröffnung 2010 stetig wächst. Leider haben viele Menschen noch immer das Bild der alten stinkenden Chemie im Kopf.

Doch diese Betriebe gibt es in Pratteln ja weiterhin, wie die Rohner AG mit ihrem schmutzigen Abwasser und den nicht entsorgten 200 Tonnen flüssigem chemischem Abfall auf dem Firmenareal beweist.

Ja, das ist uns bewusst. Das Wichtigste ist die Sicherheit der Bevölkerung und der Mitarbeitenden. Kein Betrieb darf gegen gesetzliche Vorgaben verstossen, egal, in welcher Branche. Das Amt für Umweltschutz und Energie ist für die Aufsicht von Firmen zuständig, die der Störfallverordnung unterliegen, und kontrolliert diese streng. Das sieht man ja jetzt an den Verfügungen, die gegen die Rohner AG ausgesprochen wurden.

Aber ist es das – langfristige – Ziel des Kantons, auch solchen Betrieben weiter Platz zu bieten?

Mangelnde Attraktivität eines Unternehmens kann kein Grund gegen eine Betriebserlaubnis sein. Standortförderung heisst, Betriebe im Kanton zu unterstützen und gute Rahmenbedingungen zu schaffen, aber nicht andere zu vergraulen. Direkt beeinflussen kann der Kanton sowieso nur, wer sich auf Arealen ansiedelt, die ihm gehören. Die meisten Grundstücke sind aber in privater Hand.

Aber der Kanton hat doch durchaus eine Entwicklungsstrategie, die einen Fokus auf bestimmte Branchen setzt?

Natürlich haben wir definiert, wo wir die Stärken des Standorts Baselland sehen. Wir wollen forschungsintensive Unternehmen fördern, die neue Technologien und Produkte entwickeln und produzieren. Diese generieren eine hohe Wertschöpfung. Doch wie gesagt ist unser Einfluss beschränkt. Impulse setzen können wir aber etwa über Bildungsschwerpunkte oder auch die Steuervorlage 17, welche Unternehmen, die Forschung und Entwicklung betreiben, entlastet.

Wo sehen Sie konkret die Zukunft der alten chemischen Industrie?

Die Entwicklungstrends sind klar. Pratteln wird langfristig nicht mehr denselben Fokus haben. Der Infrapark entwickelt sich bereits jetzt zu einem modernen Chemie- und Pharmapark. Unser Ziel ist, dass alle Störfallbetriebe nach und nach in Schweizerhalle gebündelt werden. Dort besteht eine übergeordnete Infrastruktur, zentrale Versorgung und auch Sicherheitsdienstleistungen, von denen alle angesiedelten Firmen profitieren können. Wir haben dort eine kontrolliertere Umgebung. So steigt die allgemeine Sicherheit.

Rohner hat seinen Sitz historisch bedingt im Hexmatt-Quartier direkt in einem Wohngebiet ...

Eine solche Nähe zu Wohnraum ist natürlich problematisch. Die Zukunft des Rohner-Areals liegt sicher nicht bei der alten Chemie. Sie hat aber wie gesagt durchaus eine Zukunft auf einem gesicherten Areal. Und das weiterhin in Pratteln. Wann es aber zum Umzug kommt, ist leider völlig offen.

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