Bauprojekt

Star-Architekt will in Laufen bauen

Daniel Libeskind war zu Besuch im Städtchen. Der New Yorker plant hier an einem Wohn- und Geschäftshaus.

Das Jüdische Museum in Berlin. Das Imperial War Museum in Manchester. Das Einkaufszentrum Westside in Bern. Und als Nächstes ein Wohn- und Geschäftshaus in Laufen mit Gesundheitszentrum? Die Chancen stehen sehr gut, dass der New Yorker Stararchitekt Daniel Libeskind im Laufental ein Gebäude entwirft. So weilte der Amerikaner im vergangenen Sommer in Laufen, wie Stadtpräsident Alex Imhof (CVP) bestätigt. «Er war hier im Zusammenhang mit dem Bau eines möglichen Wohn- und Geschäftshauses hinter dem Coop», verrät Imhof. Kommt das Projekt zu Stande, wäre das für Laufen eine «sehr tolle Sache», sagt er. «Wir haben Investoren, die interessiert daran sind, zwischen Birs und Bahnhof zu bauen. Deshalb war Libeskind da.»

Ein Libeskind-Bau in Laufen? Das klingt verrückt – allerdings nur auf erstes Hinhören. Tatsächlich ist das 5600-Einwohner-Städtchen dank Herzog & de Meuron bereits heute ein Architektur-Hotspot. Die beiden weltbekannten Basler verwirklichten hier in den 80er-Jahren erste viel beachtete Projekte – neben dem Umbau einer Stedtli-Liegenschaft ein Lagergebäude für Ricola. Später kamen, ebenfalls als Aufträge des Bonbon-Herstellers, ein neues Verwaltungsgebäude und das Kräuterzentrum hinzu. Daniel Libeskind dürfte der Name Laufen also bereits vor seinem Besuch ein Begriff gewesen sein.

Gesundheitszentrum im Libeskind-Bau?

Derzeit laufen hinter den Kulissen die Verhandlungen, spruchreif ist noch nichts. Imhof geht davon aus, dass in zwei Monaten die Investorenschaft zusammengesetzt ist. Wer in Bahnhofsnähe investieren möchte, will er nicht verraten. Auch den exakten Standort will er nicht näher eingrenzen. Hinter dem Coop befinden sich der Parkplatz des Grossverteilers sowie eine verwilderte Brache. Einiges deutet darauf hin, dass diese Brachfläche bald bebaut wird. Sie gehört dem Kanton Baselland und wird nicht genutzt. Die knapp 4000 Quadratmeter grosse Fläche ist verwildert und passt nicht in die Umgebung des Laufner Bahnhofs mit den vielen Läden.

Der Zufall will es, dass das Kantonsspital Baselland (KSBL) in Laufen auf der Suche nach einem Standort für ein neues Gesundheitszentrum ist. Im vergangenen Herbst präsentierten das KSBL, der Baselbieter Gesundheitsdirektor Thomas Weber (SVP) sowie eine Laufentaler Delegation vor den Medien ihre Pläne für die künftige Gesundheitsversorgung im Laufental. Nach mehreren Abbaurunden soll das stark defizitäre Spital im kommenden Herbst endgültig geschlossen werden. Ersetzt werden soll es durch ein ambulantes Gesundheitszentrum. Dieses soll zuerst während drei Jahren im heutigen Spital an der Lochbruggstrasse untergebracht sein. Per 2024 ist ein Umzug in einen Neubau in Bahnhofsnähe geplant – und da kommt die Brache hinter dem Coop ins Spiel.

An einer Informationsveranstaltung in Laufen präsentierten die Verantwortlichen kürzlich der Bevölkerung ihre Pläne. Auf die Frage aus dem Publikum, ob für das Gesundheitszentrum schon geeignete Standorte vorlägen, wurde KSBL-CEO Jürg Aebi deutlich und nannte die Brache hinter dem Coop. Auf Nachfrage der bz will Aebi allerdings keine Details verraten.

«Daniel Libeskind ist sehr bescheiden»

Wie das Bauprojekt hinter dem Coop aussieht, ist also noch unklar. Ob nur die Brache bebaut wird oder auch der nebenan liegende Parkplatz genutzt wird, zeigt sich bald. Denkbar ist – so wird in Laufen gemunkelt – auch ein grosses Wohn- und Geschäftshaus mit unterirdischen Parkplätzen und Einkaufsmöglichkeiten: Ein Prestigebau, mit dem sich Daniel Libeskind, der bereits rund um den Globus bekannte Gebäude entworfen hat, in Laufen verewigen wird.

Spuren hinterliess der 1946 in Lodz geborene Architekt polnisch-jüdischer Herkunft schon bei seinem Besuch in Laufen im vergangenen Sommer. «Er imponierte mir sehr», sagt Imhof. Trotz seines grossen Renommees sei Libeskind, der das Städtchen zusammen mit seiner Frau besuchte, auf dem Boden geblieben. «Libeskind ist sehr bescheiden.» Laufen habe ihm aufgrund des Mixes von historischer Altstadt und schöner landschaftlichen Umgebung gefallen, sagt Imhof. Eine Anfrage der bz zum Laufner Projekt liess das New Yorker Büro des Stararchitekten bis gestern Abend dennoch unbeantwortet.

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