Uni-Kran

Starb in Hölstein ein Rind wegen eines Experiments der Uni Basel?

Am Montagnachmittag schlug während eines Gewitters ein Blitz in eine Scheune in Hölstein ein. Dabei wurden ein Rind getötet und ein Schwelbrand verursacht. Anwohner meinen, der Fall sei kein Zufall gewesen.

Um 16.32 Uhr am Montag geht bei der Baselbieter Polizei der Anruf ein: Das Dach einer Scheune in Hölstein brennt. Grund ist ein Blitz, der im Verlauf des Nachmittags eingeschlagen hat. Die aufgebotene Feuerwehr kann den Brand rasch löschen. Doch der Blitz hat nicht nur den Schwelbrand verursacht – eines der fünf Rinder, das sich zur Zeit des Einschlags im Stall befand, wurde vom Blitz getroffen und starb sofort.

Blitz hat Spuren hinterlassen

Die Scheune gehört dem Kanton Basel-Stadt, gepachtet wird sie von der Familie Berger vom nahegelegenen Hof Leuenberg. Ein Augenschein vor Ort zeigt: Die Wucht des Blitzes muss heftig gewesen sein. Auf der einen Seite klafft ein Loch im Dach, an den Balken zeigen sich schwarze Russspuren. Auf der gegenüberliegenden Seite fehlt ein Teil der Wand. Vier Rinder gehen in der Scheune ein und aus, vom Vorfall lassen sie sich nichts anmerken. Sie hatten mehr Glück, standen zum Zeitpunkt des Blitzeinschlags am richtigen Ort. Doch war es tatsächlich nur Pech, dass das fünfte Rind verendet ist?

50 Meter hoher Kran auf «Schoren»

Eine Anwohnerin, die anonym bleiben möchte, ist sich sicher: Es war nicht nur ein unglücklicher Zufall. Seit etwas mehr als einem Jahr steht einige Hundert Meter entfernt im nahegelegenen Wald auf der «Schoren» ein 50 Meter hoher Kran. Seither habe man in der Umgebung vermehrt mit Blitzeinschlägen zu kämpfen.

Der Kran ist Teil eines Langzeitexperiments der Uni Basel zu den Folgen des Klimawandels. Er ist ordnungsgemäss bewilligt, wie Gabriel Antonutti, Gemeindepräsident von Hölstein, bestätigt. Auf einer zwei Hektar grossen, eingezäunten Waldfläche im Gebiet Schoren wird dabei der erwartete Klimawandel während der nächsten 20 Jahre durchgespielt. Am Kran ist eine Gondel befestigt, die den Forschern der Uni erlaubt, fast im ganzen Projekt-Perimeter über den Baumkronen zu schweben und in diesem Bereich Experimente durchzuführen.

Dass wegen des Krans in der Umgebung mehr Blitze einschlagen, sei durchaus möglich, sagt ein Experte. Es sei schweizweit zu beobachten, dass Bergspitzen, auf denen ein Turm steht, eine höhere Blitzhäufigkeit aufweisen. Dies, weil sich ein Blitz zum Einschlagen stets den höchsten Punkt suche. Hat der Hauptblitz diesen gefunden, sei es möglich, dass einige Nebenblitze in der Umgebung einschlügen.

Die Theorie der Anwohnerin, dass es wegen des Krans öfter zu Blitzeinschlägen komme, könnte also wahr sein – denn der Kran steht auf einem höher gelegenen Waldstück und verhält sich somit wie die Türme auf den Bergspitzen. Das Problem könnte daher noch 19 Jahre andauern.

Ansgar Kahmen, Projektleiter des Experiments und Professor an der Uni Basel, war am Dienstag für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Autor

Kelly Spielmann

Kelly Spielmann

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