Bildungsstreit

Starke Schule Baselland zieht Harmos-Ausstiegsinitiative zurück

Saskia Olsson (r.) und Alina Isler von der Starken Schule Baselland überreichen Landschreiber Peter Vetter die 2602 Unterschriften der Initiative, die klare Stoffinhalte für den Lehrplan fordert.

Saskia Olsson (r.) und Alina Isler von der Starken Schule Baselland überreichen Landschreiber Peter Vetter die 2602 Unterschriften der Initiative, die klare Stoffinhalte für den Lehrplan fordert.

Die Stufenlehrpläne der Volksschulen sollen sich im Kanton Baselland auf relevante Stoffinhalte und Themen beschränken. Die entsprechende Initiative reichte das Komitee «Starke Schule Baselland» am Donnerstag bei der Landeskanzlei ein. Gleichzeitig zieht das Komitee ihre Initiative zum Austritt Basellands aus dem Harmos-Konkordat zurück.

Die Initiative zum Ausstieg Basellands aus dem Harmos-Konkordat ist «irrelevant». Dieses harte Urteil fällen nicht etwa Harmos-Fans. Es stammt von den Initianten selbst. Gestern kündigte das Komitee Starke Schule Baselland an, die im Herbst 2014 eingereichte Initiative zurückzuziehen. Die Erkenntnis: «Ob wir im Harmos-Konkordat dabei sind oder nicht, hat praktisch keinen Einfluss mehr auf unsere künftige Bildungspolitik», sagte Alina Isler vom Komitee-Vorstand in Liestal vor den Medien.

War die ganze Übung also von Anfang an überflüssig? Das verneint das Komitee. Sein Argument: Erst seit Mai 2016 sei klar, dass der Lehrplan 21, gegen den sich die Initiative letztlich richtet, bloss eine «unverbindliche Mustervorlage» ist und die Kantone in der Ausgestaltung der eigenen Lehrpläne frei sind. Das Komitee stützt sich auf eine Aussage der Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind. Deren Vorgänger Urs Wüthrich habe im Januar 2014 dagegen noch festgehalten, dass «der Lehrplan 21 ein verbindlicher Auftrag aus dem Harmos-Konkordat ist». Fazit des Komitees: «Vom Januar 2014 bis Mai 2016 hat die Schweizerische Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) ihre Position betreffend verpflichtender Einführung des Lehrplans 21 also grundsätzlich geändert.» Daher könne die Initiative zurückgezogen werden.

Bloss: Die Position der EDK, respektive der Deutschschweizer EDK, hat sich gar nicht verändert. Schon in einer Mitteilung vom 31. Dezember 2012 schreibt die D-EDK von einer «Lehrplanvorlage», die den Kantonen übergeben wird. Und bereits im ursprünglichen LP21-Konzept 2005 steht klar, dass die Kantone «Anpassungen und Ergänzungen» vornehmen dürfen. Ausserdem hat die D-EDK gar keine Handhabe vorzugeben, welche Änderungen erlaubt sind und welche zu weit gehen. Oder kurz gesagt: Ist dies tatsächlich das Hauptargument der Starken Schule, so hätte sie die Initiative gar nie lancieren müssen.

Neue Initiative eingereicht

Isler und auch Geschäftsleiterin Saskia Olsson vermieden es, einen Zusammenhang zum wuchtigen Nein des St. Galler Stimmvolks zum Konkordats-Ausstieg vor einem Monat herzustellen. Sie nutzten es aber, um zu erklären, weshalb die Starke Schule ihren Fokus seit einiger Zeit verschoben hat: «In St. Gallen wollten die Initianten zu viel aufs Mal», sagt Olsson. Die Lösung: «Wir wollen mit konkreteren Anliegen unsere Ziele erreichen.»

Ein Beispiel dafür war die erfolgreiche Initiative zur Verhinderung von Sammelfächern. Gestern reichte das Komitee nun mit 2602 Unterschriften eine Initiative ein, die verlangt, dass in den Stufenlehrplänen der Volksschulen «ausschliesslich Stoffinhalte und Themen» vorkommen und die Kompetenzbeschreibungen des LP21 auf den Status einer reinen «Hilfeleistung» für Lehrer degradiert werden. Olsson: «Damit bekämpfen wir die ganze Unterrichtsphilosophie des LP21, die auf diffuse Kompetenzen statt auf klare Lernziele setzt.»

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