Verstopfte Strassen

Staustreit im Baselbiet: Taskforce will mit neuen Park&Ride-Anlagen Autofahrern schmeicheln

Ein tägliches Bild, mit dem das Baselbiet kämpft: Stau und überlastete Strassen vor Basel.

Ein tägliches Bild, mit dem das Baselbiet kämpft: Stau und überlastete Strassen vor Basel.

Verstopfte Strassen, keine Geduld mehr: Die Baselbieter Taskforce Antistau will mit Park&Ride- sowie Park&Pool-Anlagen im Unterbaselbiet die Verkehrsspitzen brechen. Grünen-Präsident Bàlint Csontos hält das für verfehlt: Die Taskforce soll die Umverteilung fördern statt Flächen betonieren.

Stau ist ein Fluch der Basler Agglomeration. Vor allem morgens und abends sind die Verkehrsträger rund um die Stadt Basel täglich überlastet. Das belegt auch der Staustunden-Bericht des Bundesamts für Strassen (Astra). Allein im Zeitraum von 2016 bis 2017 hat die Anzahl Staustunden im Baselbiet um sechs Prozent zugenommen. So schreibt das Astra in seinem Bericht 2017, dass auf der Transitstrecke A 2 Basel–Chiasso die Staustunden um 538 Stunden zugenommen haben: «Zu Stosszeiten geriet der Verkehr in den Räumen Basel und Lugano fast täglich ins Stocken.» Der Bericht datiert vom Juni dieses Jahres.

Am Dienstag meldete sich nun die Baselbieter Task-Force Antistau zu Wort. Sie wird von Wirtschaftskammerdirektor und FDP-Landrat Christoph Buser präsidiert. Laut Task-Force müssten dringend Massnahmen zur Entlastung realisiert werden. Die Vorschläge klingen für ein bürgerlich präsidiertes Komitee erstaunlich nah an linksgrüner Verkehrspolitik: Mit Park&Ride-Anlagen sowie Park&Pool-Anlagen – also Orten, wo mehrere Autofahrer auf ein Fahrzeug umsteigen können – sollen die Stauspitzen gebrochen und Autofahrer zum Umsteigen bewegt werden. Um die Nachfrage nach solchen Einrichtungen im Kanton zu prüfen, soll aber erst eine Umfrage stattfinden.

Hauptziel der Taskforce: Verkehrsspitzen brechen

Was die Standorte angeht, wird Buser auf Nachfrage noch nicht konkret. «Die Einrichtungen sollen dort zu stehen kommen, wo das Stauaufkommen am akutesten ist. Das ist in erster Linie entlang jener Verkehrsachsen, die zum Nadelöhr Hagnau/Schänzli führen.» Konkrete Standorte seien nicht im Gespräch, jedoch müssten diese «vor dem Stau» liegen: «Auf der A2 wäre das zwischen Augst und Pratteln. Auf der A18 zwischen Aesch und Reinach.»

Es gehe um Sofortmassnahmen, damit die Verkehrsspitzen gebrochen werden könnten, so Buser: «Wie gross deren Wirkung sein wird, hängt in erster Linie von der Akzeptanz der Parkier-Anlagen bei den Automobilisten ab – daher diese Umfrage.» Grundsätzlich fordert die Task-Force zudem weiterhin den Ausbau der Strassen- und der Bahninfrastruktur im Kanton.

Kritik der Grünen: Wieder nur ans Auto gedacht

Was zuerst ökologisch anmutet, wird allerdings vom Baselbieter Grünen-Präsident Bàlint Csontos kritisiert. «Park&Ride-Anlagen klingen zwar gut, doch die Priorisierung zählt», sagt er. Zuerst müsse zwingend der öffentliche Verkehr ausgebaut werden. Dazu zähle die Verbesserung der Buszubringer im Ober- sowie Unterbaselbiet. Zudem müssten Park&Ride-Anlagen auf den Veloverkehr ausgerichtet sein: «Stattdessen will man nun Gebiete mit Parkplätzen für Autofahrer zubetonieren.»

Falls solche Park&Ride-Anlagen gebaut würden, dann im Oberbaselbiet. «Im unteren Kantonsteil würde dies unter Umständen sogar zu einer Verschlechterung der Verkehrssituation führen, indem der Autoverkehr zusätzlich geballt wird.» Die Task-Force solle sich zuerst um den eigentlichen Modalsplit kümmern, also um eine optimale Verteilung auf alle Verkehrsträger, insbesondere Velofahrer, statt sich für «mehr betonierte Flächen für Autofahrer» einzusetzen.

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