Brigitte Müller-Kaderli hat in der Baselbieter CVP einige auf dem falschen Fuss erwischt mit ihrer Ankündigung, mitten im Super-Wahljahr 2019 als Parteichefin zurückzutreten. Die Allschwilerin zieht mit ihrer Familie im Juni nach Kanada; ihr Ehemann hat an einem Spital in Toronto eine begehrte befristete Stelle erhalten. Wer also wird die Partei in die National- und Ständeratswahlen im Oktober führen? Das CVP-Präsidium scheint nicht sonderlich begehrt.

Nach Müllers Rücktrittsankündigung sagten jedenfalls einige Partei-Granden, darunter Landrat Pascal Ryf, umgehend ab. Bis zum Ablauf der offiziellen Bewerbungsfrist hat sich bei Georg Gremmelspacher, dem Präsidenten der CVP-Personalkommission, kein Kandidierender gemeldet.

Tickt wie Lauber und Scherrer

Doch das hat sich geändert: Wie die bz weiss, möchte der Prattler Silvio Fareri (30) neuer CVP-Kantonalpräsident werden: «Ja, ich habe meine Kandidatur eingegeben», bestätigt er auf Anfrage. Fareri ist in der breiten Öffentlichkeit eher unbekannt – wie dies auch Brigitte Müller vor Amtsantritt war. In der CVP-Familie ist er indes bestens vernetzt: Seit 2008 amtet er als Vizepräsident der CVP Pratteln, zudem war er vor Jahren Präsident der Jungen CVP Baselland. Fareri ist fast an jeder Versammlung der Christdemokraten anzutreffen – ein treuer Parteigänger.

Die Kandidatur ist dennoch nicht ohne Brisanz: Politisch ist der als Arbeitsmarktinspektor tätige Fareri dem Mitte-Rechts-Flügel der CVP zuzuordnen. Gemäss Smartspider vertritt Fareri eine klassisch bürgerliche Finanz- und Wirtschaftspolitik – schlanker Staat und möglichst freies Unternehmertum –, daneben aber auch gesellschaftsliberale Positionen. Damit tickt er ähnlich wie Landrat Marc Scherrer, der Vorgänger von Müller im Parteipräsidium. Eine weitere wichtige Bezugsgrösse ist Finanzdirektor Anton Lauber.

Fareri war vor den kantonalen Wahlen Mitglied der «Allianz der bürgerlichen Werte», die neben den drei bisherigen Regierungsräten Lauber, Monica Gschwind (FDP) und Thomas Weber (SVP) auch Thomas de Courten (SVP) unterstützt hat. Damit befand sich Fareri innerhalb der CVP allerdings in der Minderheit. «Ich habe mich öffentlich für die Wahl des Grünen Isaac Reber ausgesprochen», sagt er. Die am 31. März in die Regierung gewählte Kathrin Schweizer (SP) habe er indes nicht unterstützt. «Das soll freilich nicht heissen, dass ich mich nach einer allfälligen Wahl zum CVP-Präsidenten nicht für eine gute Zusammenarbeit mit der SP einsetzen würde», fügt er an.

Die aktuelle Chefin Brigitte Müller sieht die CVP als bürgerliche Mitte-Partei. Sie emanzipierte sich vor den kantonalen Wahlen von den traditionellen Partnern FDP und SVP. Gestützt wurde Müller dabei von Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter. Würde Fareri als Parteipräsident einen erneuten Kurswechsel einläuten? Dazu wolle er sich noch nicht aus dem Fenster lehnen, sagt er. Zu den Koalitionen, die die CVP bei den Nationalratswahlen eingehen könnte, habe er Pläne und Ideen. Diese wolle er zunächst in den massgeblichen Gremien diskutieren.

Gegenkandidat von Mitte-Links?

Er habe bislang nur eine Kandidatur fürs Präsidium auf dem Tisch, sagt Personalkommissionspräsident Gremmelspacher. Und das ist jene von Silvio Fareri. Er gehe aber davon aus, dass in den nächsten Tagen weitere hinzukämen. Die Zeit drängt: An der Generalversammlung vom 2. Mai wählt die CVP den Nachfolger Müllers. Zuvor will Gremmelspacher in der Kommission eine Vorauswahl treffen. «Ob wir dem Parteitag eine Einer- oder Zweierkandidatur vorlegen, ist noch offen.»

Gremmelspacher dürfte mit der Prognose richtig liegen: Bei der einen Kandidatur wirds kaum bleiben. Die Mitte-Links-Kräfte in der CVP, die zuletzt Aufwind verspürten, werden nun wohl rasch einen Gegenkandidaten zu Fareri ins Spiel bringen. Immerhin etwas kann der junge Prattler bereits unter «Haben» verbuchen: Mit seiner Kandidatur ist das Rennen ums CVP-Präsidium und wohl auch die Debatte um den Kurs der Partei lanciert.