Vergleich

Steigende Krankenkassenprämien: Landvorteil schmilzt dahin

Auf dem Land steigen die Prämien stärker als in der Stadt.

Auf dem Land steigen die Prämien stärker als in der Stadt.

Wiederum steigen die Krankenkassenprämien in Baselland prozentual stärker als in Basel-Stadt. Damit verschwindet langsam der Stadtortvorteil des Landkantons.

In Basel-Stadt ist die medizinische Versorgung teurer, dafür in Baselland die Bevölkerung im Durchschnitt älter. Auf diesen (sehr) einfachen Nenner lässt sich das Kostendilemma der beiden Basel bei den Krankenkassenprämien reduzieren. Wenn sich darüber hinaus vier von zehn Baselbieter Patienten stationär in einem städtischen Spital behandeln lassen (Tendenz steigend), dann ist zumindest ein Faktor des überdurchschnittlichen Kostenanstiegs im Landkanton nachvollziehbar.

Zwar nimmt die Landbevölkerung tendenziell immer noch weniger medizinische Leistungen in Anspruch als die städtische, stellt Jacqueline Perregaux fest, die Mediensprecherin der Basler Krankenkasse Sympany. Auch könnte das sehr hohe Basler Preisniveau ein Hinweis darauf sein, dass in der Stadt besonders viele Versicherte ihre Versicherung wechseln, was die Prämien der einzelnen Kassen verteuern kann. Doch die stete Annäherung der durchschnittlichen Prämienkosten in ländlichen Gebieten an städtische ist ein schweizweites Phänomen, erklärt die Baselbieter SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer: «Laut Auskunft des Bundesamts für Gesundheit nimmt in ländlichen Gebieten die Dichte an Spezialisten und damit auch die teurere Behandlungen durch Spezialisten zu.»

Die langfristigen Folgen für Baselland sind offensichtlich: «Mit der Angleichung der Krankenkassenprämien an das höhere städtische Niveau geht ein wichtiger Standortvorteil des Kantons Baselland verloren», ergänzt Leutenegger Oberholzer. Neben den tieferen Steuern sind die niedrigeren Krankenkassenprämien für viele Städter ein wichtiger Nebeneffekt eines Umzugs in eine Baselbieter Gemeinde.

Nur eine Rosskur hilft

Und wie reagiert Baselland auf diese unangenehme Perspektive? Aufgrund der stetig steigenden Krankenkassenprämien streben Stadt und Land eine deutliche Dämpfung des Kostenwachstums im Spitalbereich an, die sie durch die gemeinsame Spitalgruppe erreichen wollen. «Die Erwartung ist, dass das Projekt langfristig auch Auswirkungen auf die Höhe der Krankenkassenprämien haben wird», gibt sich Jürg Sommer, der Leiter des Baselbieter Amts für Gesundheit, optimistisch.

Für den Baselbieter SVP-Nationalrat Thomas de Courten dagegen steht fest, dass der Trend zu über Jahre massiv steigenden Kosten im Gesundheitswesen nur mit einer «Rosskur» gebrochen werden kann – in Stadt und Land. Der Vizepräsident der nationalrätlichen Gesundheitskommission nennt als mögliche Gegenmassnahme an erster Stelle eine Einschränkung des Leistungskatalogs der obligatorischen Krankenversicherung; was konkret bedeuten würde, dass Krankassen künftig gewisse teure Behandlungen ohne abgeschlossene Zusatzversicherung nicht mehr zahlen müssten. Weiter würden die Lockerung des Vertragszwangs der Krankenversicherer gegenüber sämtlichen Leistungserbringern, die konsequente Entflechtung der Rolle des Kantons als Planer, Eigner, Betreiber, Regulator und Schiedsrichter sowie schliesslich die Stärkung der Eigenverantwortung statt «noch mehr teurer, aber letztlich doch nutzloser Präventionsprogramme» eine Entlastung bringen.

Nationalrat de Courten weiss aber auch, dass derzeit keiner dieser Punkte politisch mehrheitsfähig ist. Deshalb bleibt sein Ausblick in Bezug auf das Baselbieter Prämienniveau düster: «Je mehr das Versorgungsangebot im Baselbiet ausgebaut wird, desto eher nähern wir uns dem Prämienniveau von Basel-Stadt.» Einziger Trost aus ländlicher Sicht: Nimmt man die gestrigen Zahlen als Richtwert (siehe links), wird es noch mehrere Jahrzehnte dauern, bis die Krankenkassenprämien in Basel-Stadt und -Land tatsächlich gleich teuer sind.

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