Verbrechen

Steinbruch-Mörder von Laufen fühlte sich bedroht

Vor drei Jahren tötete in Laufen ein Mann seinen Geschäftspartner. Nun steht er vor Gericht.

Vor drei Jahren tötete in Laufen ein Mann seinen Geschäftspartner. Nun steht er vor Gericht.

Vor drei Jahren wurde in Laufen ein Mann getötet. Der Beschuldigte steht bald vor Gericht. Die Anklageschrift gibt Auskunft über die Tat.

«Mach kei Seich, Alte» sollten die letzten Worte des 34-Jährigen gewesen sein. Die Aufforderung an sein Gegenüber, ihn zu verschonen, blieb ungehört. An einem Sommermorgen vor drei Jahren blickte der Muttenzer in den Lauf einer Pistole. Wenige Minuten danach lag er tot in einem alten Steinbruch in Laufen. Erschossen von seinem Geschäftspartner, der hier lebte, und mit dem er zusammen auf dem Gelände illegal Hanf anbaute.

Die Ereignisse vom Vormittag des 21. August 2017 werden bald am Baselbieter Strafgericht in Muttenz behandelt. Mitte August wird dem Angeklagten während dreieinhalb Tagen der Prozess gemacht. Der Beschuldigte konnte noch am Tag seiner Tat verhaftet werden.

Nach einem knappen Jahr in Untersuchungshaft befindet er sich seither im vorzeitigen Strafvollzug in der Justizvollzugsanstalt Solothurn in Deitingen. Während dieser Zeit hat er Auskunft über die Hintergründe und den Ablauf des Tötungsdelikts gegeben, wie aus der Anklageschrift hervorgeht.

Suizid, Flucht ins Ausland oder Tötung des Partners

Zusammen mit seinem späteren Opfer betrieb der heute 58-Jährige ab Mai 2017 auf dem Steinbruch eine Hanf-Indooranlage. Während sein jüngerer Partner als Geld- und Auftraggeber fungierte, war der Beschuldigte für den Aufbau und den Betrieb zuständig. War diese in der unteren Etage einer Liegenschaft auf dem Gelände untergebracht, hätte bald auch der obere Teil für den Anbau von Marihuana genutzt werden sollen.

Jedoch weigerte sich der auf dem Steinbruch in einem ausrangierten Postbus lebende Mann, das Gebäude freizugeben, da er den verlangten Teil zu seinem eigenen Wohnraum umbauen wollte. Am Tag vor der Tat kam es zwischen den Partnern zu einem heftigen Streit am Telefon. In dessen Verlauf verlangte der Muttenzer vom Angeklagten die Räumung der oberen Etage. Ausserdem drohte er ihm damit, nichts vom Erlös der Hanf-Indooranlage zu erhalten. Laut Anklageschrift hat sich der Beschuldigte durch die Worte seines Geschäftspartners «zusehends unter Druck gesetzt und bedroht gefühlt». Zudem befürchtete er nun auch noch, finanziell ausgebootet zu werden.

Nach der Ankündigung des Mannes am anderen Ende der Leitung, am kommenden Morgen nach Laufen zu kommen, um die Liegenschaft selber zu räumen, entschloss sich der Täter, «diesem Zustand ein Ende zu setzen». Er sah drei Möglichkeiten, um sich aus seiner Lage zu befreien: Suizid, Flucht ins Ausland oder seinen Partner umbringen.

Vor der Tat frühstückte er ganz normal mit dem Sohn

Was in den Stunden vor dem Mord passierte, ist in der Anklageschrift dokumentiert: Frühmorgens behändigte der Angeklagte eine Waffe der Marke Beretta M1934, die sich «im Innern des durch ihn bewohnten Postbusses unter den Sitzkissen der Bank beim Esstisch» befand. Er lud die Pistole mit acht Patronen.

Mit dem Motorrad fuhr der Beschuldigte anschliessend zu seiner von ihm getrennt lebenden Ehefrau und den beiden Söhnen nach Delémont. Nachdem er den älteren Sohn an den Arbeitsplatz gebracht hatte, frühstückte er mit dem jüngeren. Danach verabschiedete sich der Vater und fuhr zurück.

In einem alten Zivilschutzraum holte er die Waffe hervor und hielt sie sich an den Kopf. «Er entschied sich jedoch, sich nicht zu erschiessen, und feuerte stattdessen einen Schuss in den Boden ab.» Danach packte er die Pistole wieder ein und fuhr mit der Absicht zum Steinbruch, den jüngeren Geschäftspartner umzubringen.

Er tötete den Partner mit einem Schuss in die Brust

Zu Hause in Laufen angekommen, setzte er sich draussen auf dem Sitzplatz in einen Gartenstuhl. «Die geladene Waffe hatte er vorne in seinem Hosenbund stecken. Seine Position wählte er gezielt so aus, sodass er hinter den Bäumen und Sträuchern beobachten konnte», wie sein Opfer auf das Gelände fahren und das letzte Stück zu Fuss hochkommen wird. Als der Muttenzer daraufhin auf dem Steinbruch ankam, begab er sich zu seinem späteren Mörder und fragte ihn, ob er «das» gemacht habe. Damit meinte er die Räumung der oberen Etage.

Ohne ein Wort zu sagen, zog der Beschuldigte die Waffe aus dem Hosenbund und zielte auf seinen Partner. Der Angeklagte drückte ab und traf den 34-Jährigen oberhalb des Herzens auf der linken Brustseite. Der Angeschossene fiel auf den Boden und starb kurz darauf.

Die Staatsanwaltschaft klagt ihn an wegen Mord

Die Baselbieter Staatsanwaltschaft wirft dem Täter in der Anklageschrift vor, skrupellos gehandelt zu haben. Mit seiner Schussabgabe habe er zumindest in Kauf genommen, seinem Geschäftspartner tödliche Verletzungen zuzufügen. Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage wegen Mordes.

Bei den Ermittlungen kamen jedoch auch weitere Delikte des Angeklagten zum Vorschein. Er wird im August zusätzlich wegen mehrfacher Widerhandlung gegen das Waffen- und Betäubungsmittelgesetz vor Gericht stehen. Auch wird ihm zur Last gelegt, seine Unterhaltspflichten vernachlässigt zu haben.

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