Solothurner SVP

Stolzer Schwarzbube Christian Imark schielt aufs Stöckli

Er prägte den Aufstieg der SVP im Schwarzbubenland: Christian Imark hinter seinem Haus in Fehren, mit herrlichem Blick Richtung Jura und Blauen-Kette.

Christian Imark, SVP-Shootingstar aus Fehren, attackiert die Solothurner Zweiervertretung im Ständerat als zu links. Die Solothurner SVP hatte noch nie einen Vertreter im Stöckli. Das soll sich mit Imark ändern.

Der Jüngste und der Erste: Superlative prägen Christian Imarks politische Karriere: Mit 19 wurde er 2001 ins Solothurner Parlament gewählt, als Jüngster in der Geschichte des Kantons. Auch war Imark der erste SVP-Kantonsrat aus dem Thierstein. Mit 29 durfte er – erneut als Jüngster aller Zeiten – den Kantonsrat präsidieren. Seit 2015 politisiert Imark im Nationalrat. Und heute, vier Jahre später, kandidiert er bereits für den Ständerat.

Andere legen in diesem Alter erst so richtig los mit der Politik, der 37-Jährige aus dem Thiersteiner Dorf Fehren hingegen ist bereits ein alter Hase. Imark gilt als einnehmender Redner, im Gegensatz zu anderen Polit-Shootingstars aber nicht unbedingt als brillanter Denker. Viele trauten ihm 2015 den Sprung ins nationale Parlament nicht zu – und doch überflügelte er parteiintern Amtsinhaber Roland Borer, der 24 Jahre in Bern politisiert hatte. Was ist sein Erfolgsgeheimnis? Imark, stets gut frisiert und modisch gekleidet, ist ein gewinnender Typ mit gesundem, nicht überbordendem Selbstbewusstsein. Einer, mit dem auch Parlamentarier anderer Parteien gerne ein Bier trinken gehen.

Reserve-Benzin in PET-Flasche

Wie viele seiner Generation wurde Imark von der Europa- und Migrationspolitik Christoph Blochers geprägt. Doch punkto Art und Auftreten war für den Jugendlichen der damalige SVP-Bundesrat Adolf Ogi die grössere Inspiration: «Ogi hat als Nicht-Akademiker mit bodenständiger Art und gesundem politischen Verstand für unser Land einiges erreicht und viele Menschen berührt», sagt Imark, der einst bei den Isola-Werken in Breitenbach eine Mechaniker-Lehre absolvierte.

Imark ist einer, der ohne langes Studieren zupackt und dabei meist sicheren Instinkt und glückliches Händchen beweist. Als er mit 16 erstmals zu einer Sitzung der SVP ins Dornacher Gigersloch eingeladen wurde, stieg er aufs Töffli und nahm zur Sicherheit eine PET-Flasche mit Reserve-Benzin auf den langen Weg mit. Die SVP war damals im Thierstein erst im Aufbau begriffen, die Politik in den Dörfern von den Schwarzen (CVP) und Gelben (FDP) dominiert. Wie sich später zeigte, wurde Imark zur prägenden Figur des Aufstiegs der SVP im Schwarzbubenland.

2017 geriet er in die Schlagzeilen, als er im Garten seines eben errichteten Einfamilienhauses eine Fahnenstange aufstellte. Ohne vorgängige Baubewilligung, wie später bei der Baupublikation bekannt wurde. «Aber in Absprache mit dem Baukommissionspräsidenten», wie er betont. Nach Bekanntwerden des Falls lud Imark medienwirksam Nachbarn und Bekannte zu einer «Fahnenmast-Bewilligungsparty» ein und zog so die Sympathien auf seine Seite.

Noch besser fasst aber eine andere Episode Imarks Werdegang zusammen: Als im Sommer 2011 «im Fehren», wie die Einheimischen sagen, erstmals ein Dorffest durchgeführt werden sollte, beschaffte sich OK-Präsident Imark aus eigenem Geldbeutel ein grosses Festzelt. In der 600-Seelen-Gemeinde gibts keine Mehrzweckhalle. Später vermietete er das Zelt an andere Party-Organisatoren und kaufte sich mit den Erträgen weiteres Material wie Geschirr hinzu.

Heute ist er als selbstständiger Unternehmer hauptberuflich in der Vermietung von Event-Infrastruktur tätig. «Das war nicht geplant. Ich lasse in meinem Leben vieles auf mich zukommen.» Imark zählt nicht zu jenen Politikern, die bereits im Kindesalter davon träumten, mal Bundesrat zu werden. «Es war gut, dass ich nicht wusste, was auf mich zukommt. So war ich locker genug, um jeden Schritt einzeln zu gehen.»

Eigenwillig, aber pragmatisch

Als er 2011 zum «höchsten Solothurner» gekürt wurde, posierte er in der Schwarzbuben-Tracht mit breitkrempigem Hut in Fehren unter einer alten Eiche. Imark spielt mit seiner Identität als Schwarzbube und schöpft daraus Inspiration. Er weiss, dass die Entstehung der Figur nicht allzu rühmlich ist – je nach Deutungsversuch geht der Begriff Schwarzbube auf einen Schmuggler, Schwarzbrenner oder auf einen zurück, der sich gegen die Obrigkeit auflehnt.

«Die Menschen hier fühlen sich in erster Linie als Schwarzbuben, weniger als Solothurner.» Als Bewohner einer Randregion sei es der Schwarzbube gewohnt, dass er auf sich selber schauen müsse. Das gelte auch fürs nahe Laufental. Oft taten sich Schwarzbuben und Laufentaler in der Vergangenheit zusammen, um ein Problem zu lösen. Aktuelles Beispiel für die Benachteiligung der Region ist laut Imark der Verkehr: Der Ausbau der A 18 zwischen Angenstein und Delémont sei für Bevölkerung und Wirtschaft des Laufentals und des Schwarzbubenlands ein zentrales Thema. «Doch es geschieht seit Jahren nichts. Auch wenn die Strasse ins Netz des Bundes übergeht: Baselland müsste nun ein Projekt vorlegen und Druck ausüben.»

Der Schwarzbube gilt als eigenwillig und konservativ, aber auch als pragmatisch und konziliant. Imark verkörpert diesen Menschenschlag fast schon idealtypisch. Dennoch hat er in manchen Fragen ein Hardliner-Image, etwa in der Klimadebatte. Der Wortführer der SVP-Fraktion in der Energiepolitik sagt: «Natürlich gibt es den Klimawandel. Die Frage ist aber, was wir in Bern dagegen tun können.»

Die Klimastreiks der Jugendlichen kritisiert er. Woche für Woche die Schule schwänzen – das könne es nicht sein. «Die Jungen werden instrumentalisiert. Sie sind unantastbar, weil sie minderjährig sind. Dahinter stecken PR-Agenturen und Profiteure mit viel Einfluss. Diese müssen wir angreifen.» Imark will nichts von einer CO2-Abgabe wissen, wie sie kürzlich vom Nationalrat beraten wurde. «Damit wird nur die Bevölkerung abgezockt und das schlechte Gewissen beruhigt. Der Klimawandel hält trotzdem an.»

Das klingt harsch und unversöhnlich. Dennoch beschäftige ihn das Thema, betont er. «Seit der Geburt meiner Tochter im November mache ich mir noch mehr Gedanken als zuvor, wie unsere Zukunft aussehen wird.» Imark ist überzeugt, dass der Schlüssel zu einem umweltverträglichen Lebensstil in der Technik liegt: «Bei den Gebäuden ist der Wandel in vollem Gang – weil taugliche und effiziente Technologien zur Verfügung stehen.» Er hat in seinem Einfamilienhaus bewusst eine Wärmepumpe installiert, um nicht mit Erdöl zu heizen.

«Kann Parteibuch zur Seite legen»

Die Hardliner-Diskussion – für Imark eine Aneinanderreihung von Missverständnissen. Im Dezember wurde ihm vorgeworfen, er habe sich als Präsident der kantonalen SVP radikalisiert. Imark hatte im Zusammenhang mit einem rückfällig gewordenen Kinderschänder die Solothurner Justiz kritisiert, eine «Gefälligkeits-Untersuchung» zur Reinwaschung der Gerichte durchzuführen. Dieser Ton und Stil sei unsolothurnisch, kritisierten andere Parteien.

Imark kann die Aufregung nicht nachvollziehen: Jemand sei verantwortlich dafür, dass ein sechsfacher Kinderschänder mit Rückfallgefahr frei rumlaufen konnte und ein weiteres Kind angefasst habe. Müssten sich die Solothurner, sollten sie ihn im Herbst wählen, auf einen Polteri im Ständerat gefasst machen? Imark winkt ab: Als SVP-Chef stecke er in einer Rolle, als Ständerat hätte er eine ganz andere. «Als Kantonsratspräsident habe ich bewiesen, dass ich das Parteibuch auf die Seite legen kann.» Träte er nach einer Wahl ins Stöckli als Parteichef zurück? «Diese Frage muss ich nicht jetzt entscheiden.»

Er dreht den Spiess um: Nicht er sei zu extrem oder zu rechts für den Kanton, sondern die aktuelle Solothurner Vertretung im Ständerat «viel zu links». Die Bevölkerung werde nicht in ihrer Breite abgebildet. Er nimmt ein neues Rating des Schweizerischen Gewerbeverbands zur KMU-Freundlichkeit von Bundesparlamentariern zur Hand und gerät in Fahrt. Demnach liege Solothurn mit Pirmin Bischof (CVP) und Roberto Zanetti (SP) auf dem viertletzten Platz.

«Dabei ist unser Kanton wie kaum ein anderer von KMU geprägt», fügt er an. Es müsse sich etwas ändern. Bei einer Wahl im Oktober wäre er – Sie ahnen es – der erste Solothurner SVPler im Stöckli. Der jüngste Ständerat wäre er wohl nicht mehr. (Mitarbeit: Dimitri Hofer)

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