Gericht

Strafgericht glaubt dem Bankräuber von Oberdorf nicht

Der 48-jährige Bankräuber von Oberdorf muss für über acht Jahre hinter Gitter und danach die Schweiz verlassen.

Der 48-jährige Bankräuber von Oberdorf muss für über acht Jahre hinter Gitter und danach die Schweiz verlassen.

Das Leugnen war zwecklos: Das Baselbieter Strafgericht in Muttenz schickt den 48-jährigen Bankräuber für 8 Jahre und 6 Monate hinter Gitter. Danach muss der in der Schweiz aufgewachsene Mann mit italienischer Staatsbürgerschaft die Schweiz für zehn Jahre verlassen.

Der Mann hatte im April 2019 und dann erneut im August 2019 die Filiale der Basellandschaftlichen Kantonalbank in Oberdorf überfallen. Beide Male trug er nebst einer Bombenattrappe auch eine Waffe und hielt die Mitarbeiterinnen damit in Schach. Beim zweiten Mal löste sich ein Schuss, das Gericht ging von einem Versehen aus. Allerdings waren die fünf Richter davon überzeugt, dass er bereits beim ersten Mal die Waffe geladen hatte. Bei ihm zuhause im Kanton Luzern fand man die Pistole, der Lauf war leer, im Magazin fehlte ein Schuss. Der Mann hatte die Taten stets bestritten.

Haufenweise Bargeld unterstützt den Verdacht

Gerichtspräsidentin Irène Laeuchli betonte, in der Wohnung seien beispielsweise auch 340 10er-Noten sichergestellt worden. Tatsächlich wurden beim ersten Bankraub 200, beim zweiten 140 10er-Noten gestohlen. Der Mann hatte das Bargeld mit dem Verkauf seines Autos erklärt. «Es ist unwahrscheinlich, dass der Verkaufspreis des BMW in 10er-Noten bezahlt worden ist», so Laeuchli.

Im Vergleich zu einem «gewöhnlichen» Raub liegt das Strafmass bei einem sogenannten qualifizierten Raub deutlich höher, das Gericht verwies hier insbesondere auf die massive Bedrohung der Mitarbeiterinnen mit der Pistole. «Er hat mit geladener Waffe auf den Oberkörper der Bankangestellten gezielt», sagte die Gerichtspräsidentin.

Nachdem sich bereits ein Schuss gelöst hatte, richtete der Mann seine Waffe auch noch auf eine Kundin, die während des Überfalles zufällig die Bank betreten hatte. Nebst der Verurteilung wegen mehrfachen qualifizierten Raubes kam daher auch noch ein Schuldspruch wegen Gefährdung des Lebens hinzu. Der Mann hatte rund 63000 Franken erbeutet, knapp die Hälfte des Geldes konnte man bei ihm sicherstellen.

Therapie ohne verminderte Schuldfähigkeit

Der langjährige Drogenkonsument leidet an einer dissozialen Persönlichkeitsstörung und ging während der Überfälle erstaunlich ruhig und routiniert zur Sache. Der Mann soll deshalb während seiner Freiheitsstrafe auch eine Therapie erhalten.

Eine stationäre Massnahme hingegen sah man als zwecklos an, auch sah das Gericht keine verminderte Schuldfähigkeit. Der Experte warnte, der Mann habe eine gewisse Bereitschaft, erneut solche Delikte zu begehen, wenn das Geld knapp werde. Der Landesverweis ist bei Raubüberfällen obligatorisch zu verhängen, das Gericht setzte die Dauer auf zehn Jahre fest. Der Mann kann den Fall noch ans Kantonsgericht weiterziehen.

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