Strafgericht Muttenz

Straflos wegen Naivität: Per Mami-Forum zum Geldwaschen

Im Oktober 2018 wurde die Angeklagte von einer Unbekannten gefragt, ob sie ihr eine Prepaid-Kreditkarte besorgen könnte. (Symbolbild)

Im Oktober 2018 wurde die Angeklagte von einer Unbekannten gefragt, ob sie ihr eine Prepaid-Kreditkarte besorgen könnte. (Symbolbild)

Freispruch wegen Unwissenheit: 31-Jährige half unbedarft mit, Zahlungen mit Prepaid-Kreditkarten zu anonymisieren.

Die Frage lautete harmlos: In der Facebook-Gruppe «Basler Mamis» suchte eine Frau jemanden, der ihr helfen würde, «etwas in Basel zu holen». Unter anderem meldete sich eine heute 31-jährige Frau aus Frenkendorf, und man chattete auch ein wenig privat und tauschte Bilder aus. Im Oktober 2018 fragte die Unbekannte mit einem gefälschten Namen dann, ob die Frau ihr nicht Paysafecards, eine Prepaid-Kreditkarte, holen könnte. Bei ihr am Kiosk seien keine mehr erhältlich, rund um Basel herum gäbe es aber noch genug.

Die 31-Jährige erhielt 467 Franken auf ihr Konto überwiesen, schickte ihren Freund am Kiosk vorbei, dieser kaufte für 350 Franken mehrere Karten. Den Kartenwert kann man nur über die darauf befindlichen Codes einlösen, das Paar fotografierte diese und sandte die Bilder dann an die Unbekannte. Dass die Gutschrift auf ihrem Konto einen anderen Absender aufwies, fiel beiden nicht auf.

Wenige Wochen später kam die nächste Gutschrift von erneut einer anderen Person, diesmal 400 Franken. Der Gutschriftstext lautete «Ricardo, Grafikkarte», und tatsächlich wurde der Absender reingelegt, er überwies das Geld für eine vermeintlich ersteigerte Karte an die ihm gegebenen Kontodaten. Auch hier erhielt die unbekannte Person im Hintergrund die Gutschriftsdaten der Paysafecards, die 31-Jährige dachte sich nichts dabei. «Sie sagte mir jeweils, ihr Schwiegervater oder ein Freund würden mir das Geld überweisen», betonte die Frau am Donnerstag im Strafgericht in Muttenz.

Als Gefallen gedacht, als Geldwäscherei angeklagt

Im November 2018 erhielt sie ein letztes Mal 427 Franken und sandte erneut die abfotografierten Codes via Messenger. Danach wurde sie von der Staatsanwaltschaft kontaktiert, weil ein Mann aus dem Aargau wegen der nicht gelieferten Grafikkarte Anzeige erstattet hatte. Erste Ermittlungen wegen Mittäterschaft bei einem Betrug wurden bald eingestellt, doch dann erhielt sie einen Strafbefehl: Die Frau sollte nebst einer Busse von 500 Franken und Verfahrenskosten von 1500 Franken eine bedingte Geldstrafe von 35 Tagessätze à 30 Franken wegen Geldwäscherei erhalten. Dagegen hatte sie Einspruch erhoben.

Von den total 1285 Franken durfte die Frau insgesamt 184 Franken behalten, quasi als Dank dafür, dass sie die Karten kaufte. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sie damit die Herkunft deliktischer Gelder verschleiert hat. «Wissen Sie, was Geldwäscherei ist?», fragte Einzelrichterin Barbara Grange die Frau. Sie schüttelte den Kopf. «Wussten Sie, was Paysafecards sind?», doppelte Verteidiger Ivo Trüeb nach. Auch dies verneinte sie. «Auch ich wusste bislang nicht, dass es diese Konstruktion überhaupt gibt. Der Normalbürger kennt das nicht», so Trüeb.

Die Frau hat nebst zwei Kindern auch Steuerschulden, kurz nach der letzten Geburt lag ihr Kontostand bei 7.25 Franken, sie habe daraufhin nicht den Geldeingang mitsamt Absender kontrolliert, sondern lediglich wahrgenommen, dass nun über 400 Franken auf dem Konto sind. Das habe ihr gereicht. «Sie kam gar nicht auf die Idee, dass etwas verschleiert werden könnte. Hätte sie noch nachschauen müssen, wie der angebliche Schwiegervater ihrer Kontaktperson heisst? Hier ist nicht mal der Eventualvorsatz erfüllt», kritisierte der Verteidiger.

Gerichtspräsidentin Barbara Grange sprach die Frau am Donnerstag frei, auch die Zivilforderung über 400 Franken des betrogenen Grafikkartenkäufers wies sie ab. Die Frau habe in allen Einvernahmen und auch vor Gericht einen ehrlichen und authentischen Eindruck gemacht. «Sie haben sich das nicht überlegt. In diesem Moment hatten Sie wirklich keine Vorstellung gehabt, dass die Gelder aus deliktischen Handlungen kommen können», so Grange. Wohin das Geld floss, bleibt unbekannt. Die Staatsanwaltschaft kann den Freispruch noch weiterziehen.

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