Verkehr

Strassenverlängerung im Baselbiet? Nein: Hier wehrt sich eine ganze Gemeinde

Wegen dieser Strasse geht eine ganze Gemeinde auf die Barrikaden: Oberwil wehrt sich gegen die Verländerung der Langmattstrasse.

Wegen dieser Strasse geht eine ganze Gemeinde auf die Barrikaden: Oberwil wehrt sich gegen die Verländerung der Langmattstrasse.

Der Kanton möchte die Langmattstrasse in Oberwil verlängern. Doch dort sind sogar die Freisinnigen dagegen: Sie vollzogen eine regelrechte Kehrtwende.

Soll die Verlängerung der Langmattstrasse in Oberwil in den kantonalen Richtplan eingetragen werden? Auf den ersten Blick ist es eine klassische Frage für oder gegen den motorisierten Individualverkehr, die die Baselbieter Stimmbürger am 24. November beantworten dürfen. Schliesslich geht es bei diesem Referendum darum, im Leimental eine zusätzliche Querverbindung für die Autofahrer zu schaffen.

Da ist Links für ein Nein, Rechts ist für ein Ja. Das Referendum ergriffen haben links-grüne Kreise, und es überrascht nicht, dass die Baselbieter FDP mit 45 zu 5 Stimmen die Ja-Parole beschlossen hat.

Die lokale FDP vollzog eine Kehrtwende

Doch in der hauptsächlich betroffenen Gemeinde Oberwil sind die Fronten nicht so eindeutig. So hat sich die lokale Sektion der FDP für ein Nein entschieden, sogar einstimmig. Die Regierung gehe von einem geringen Nutzen der Strasse für die Ortszentren Oberwil und Therwil aus, schreibt die Partei. «Für einen derart geringen Nutzen sollten aus unserer Sicht nicht 4,3 Millionen Franken investiert werden.»

Das ist eine Kehrtwende. Bis anhin waren die Oberwiler Freisinnigen immer für die Verlängerung der Langmattstrasse, insbesondere die fünf Male, an der die Gemeindeversammlung in den vergangenen Jahren darüber zu befinden hatte – und fünf Mal Nein sagte. «Irgendwann muss sich der Kanton schon fragen, ob die Strasse zum jetzigen Zeitpunkt Sinn ergibt», sagt Parteipräsident Felix López. Bereits ist er angefragt worden, ob er das Nein-Komitee unterstützen will. Möglicherweise wird er sogar das Fest der Strassengegner am nächsten Sonntag besuchen.

Ebenfalls seine Meinung geändert hat Rudolf Mohler, von 1984 bis 2008 für die FDP im Oberwiler Gemeinderat, die letzten 16 davon als Präsident. Er sei lange ein Befürworter der Strassenverlängerung gewesen, sagt er. Jetzt hat aber auch er das Referendum gegen die Richtplaneintragung unterschrieben.

Zurzeit mache die Strasse keinen Sinn

Mohlers Befürchtung: Mit der Langmattstrasse in Oberwil und der geplanten Westumfahrung von Reinach versuche die Baselbieter Regierung «eine hingeknorzte Miniatur-Südumfahrung zu basteln». Dann müsste sich der ganze Verkehr durch den Oberwiler Dorfkern zwängen – «für uns eine Katastrophe».

Einige Mitglieder der IG Südumfahrung Nein sehen das ähnlich und engagieren sich jetzt im Nein-Komitee. Die IG selber wird keine Parole fassen, wie dessen Präsident, der Oberwiler Pascal Ryf (CVP), erklärt. Er selber ist unentschlossen, gegenüber der Langmattstrasse ist er kritisch eingestellt. Er sagt, zum jetzigen Zeitpunkt mache die Strasse keinen Sinn. Darum habe er im Landrat gegen sie gekämpft.

Allerdings zögert er, mit einem Nein eine weitere Planung definitiv zu verhindern. Ähnlich ergeht es seiner Partei, der Oberwiler CVP. «Wir haben viele Gewerbler, die für die Strasse sind, aber auch Quartierbewohner, die keinen Mehrverkehr wollen», sagt Ryf weiter.

Gemeinderat stellte vergeblich Bedingung

Faktisch gegen die Eintragung in den kantonalen Richtplan spricht sich der Oberwiler Gemeinderat aus, obwohl er bürgerlich dominiert ist. Formell gibt er keine Empfehlung aus. Gemeindepräsident Hanspeter Ryser (SVP) sagt aber: «Wir fühlen uns an das fünffache Nein der Gemeindeversammlung gebunden.» Früher war der Gemeinderat für die Verlängerung, aber unter der Bedingung, dass gleichzeitig die Ringstrasse in Therwil für den Durchgangsverkehr geöffnet wird. «Davon sind wir derzeit weit entfernt», sagt Ryser.

Für ein Ja entscheiden wird sich unter den Lokalparteien wohl nur die SVP. Gut möglich also, dass das Baselbieter Stimmvolk die Oberwiler überstimmt und der Gemeinde die Strassenverlängerung aufzwingt. «Unglücklich» fände das Gemeindepräsident Ryser. Und sein Vor-Vorgänger Mohler sagt: «Genau um das zu verhindern, kämpfen wir für ein Nein am 24. November.»

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