Wohnungsmarkt

Streit mit «Papieri»: Grellingen legt sein zentrales Entwicklungsgebiet auf Eis

Grellingen (im Bild günstiger Wohnraum an der Delsbergstrasse) hat sein zentrales Entwicklungsprojekt auf Eis gelegt.

Grellingen (im Bild günstiger Wohnraum an der Delsbergstrasse) hat sein zentrales Entwicklungsprojekt auf Eis gelegt.

In Grellingen sind die Pläne, auf dem Areal der Ziegler Papier AG Wohnungen zu bauen, auf Eis gelegt worden.

Über ein Jahrhundert hat die Papierfabrik das Dorf Grellingen geprägt. Anfang 2016 gab die Ziegler Papier AG bekannt, die Produktion von Spezialpapier im Laufental einzustellen. Das Industrieareal sollte sukzessive in ein Wohngebiet verwandelt werden. Die Eigentümer lancierten einen Architekturwettbewerb mit der Idee, einen Teil der bestehenden Gebäude umzunutzen, als Zeitzeugen einzubeziehen und mit Neubauten zu ergänzen.

Die Arealentwickler rannten mit ihren Plänen beim Grellinger Gemeinderat offene Türen ein. Dieser verfolgt eine Wachstumsstrategie. Das Ziegler-Areal birgt das Potenzial für 1000 neue Einwohner, bei einer Einwohnerzahl von aktuell rund 1850 entspricht das einer Zunahme um mehr als 50 Prozent. Der Gemeinderat hatte die Fachkommission Ortskern unter Mitwirkung des Ressortleiters Hoch- und Tiefbau sowie des Gemeindepräsidenten beauftragt, die Entwicklung des 33 000 Quadratmeter grossen Areals zu begleiten. Im Rahmen der Testplanung sollte ein städtebauliches Gestaltungskonzept und auf Basis dessen ein Quartierplan erstellt werden. Doch bei der Konkretisierung hat es zwischen dem Gemeinderat und den Landeigentümern der Ziegler Papier AG Differenzen gegeben.

Bahnübergänge sorgen für Streit

«Die Quartierplanung ist auf Eis gelegt», bestätigt Gemeindepräsident Alex Hein auf Nachfrage der bz. Der Ball liege nun bei den Eigentümern. Der Gemeinderat sei weiterhin daran interessiert, mit der Planung weiterzumachen, betont Hein. Zu den inhaltlichen Differenzen zwischen Gemeinde und Ziegler will er nicht zu sehr ins Detail gehen. Die Gemeinde ist daran interessiert, möglichst das ganze Areal in einen Quartierplan einzubeziehen; dieser könne dann im Rahmen von Teilzonenplänen etappenweise umgesetzt werden. Demgegenüber will die Ziegler AG vorerst nur einen Teil des Areals in die Planung integrieren.

Streit gabs auch wegen der beiden Grellinger Bahnübergänge. Diese sollen nach dem Willen der Gemeinde aufgehoben und durch Überführungen ersetzt werden. Die Autofahrer sollen nicht mehr vor geschlossenen Barrieren im Stau stehen. Die Gemeinde wollte die Aufhebung der Übergänge ins Projekt zum Doppelspurausbau der SBB-Linie aufnehmen lassen. Dazu wäre allerdings nötig gewesen, dass die Ziegler AG Land an der Bahnlinie abtritt. Dazu war diese nicht bereit. Das nun vorliegende Projekt zum Doppelspurausbau sieht die Beibehaltung der beiden Niveauübergänge vor – sehr zum Verdruss der Gemeinde.

Neues Leben dank Gewerbetreibenden

Ebenfalls schmerzt die Gemeinde, dass sie bei der Umzonung des Areals von der Industrie- in die Wohnzone keine Mehrwertabgabe abschöpfen darf. Das Baselbieter Stimmvolk hat im Frühjahr entgegen dem Willen der Gemeinden knapp einer Lösung den Vorzug gegeben, die den Gemeinden eigene Mehrwertabgaben verbietet. Das schränkt den Handlungsspielraum Grellingens bei der Finanzierung von Infrastruktur um das Areal ein. Die Kosten von 40 000 Franken, die der Gemeinde bisher wegen der Planung entstanden, wurden an der Gemeindeversammlung mittels Nachtragskredit genehmigt. Die Wachstumsstrategie könne trotzdem weiterverfolgt werden, meint Hein. Man sei zuversichtlich, dass in den nächsten Jahren abgesehen vom Ziegler-Areal im Rahmen weiterer Quartierpläne einige Dutzend moderne Wohnungen entstehen werden, die gute Steuerzahler nach Grellingen bringen werden.

Die Ziegler Papier AG betont, dass sich auf dem Areal bereits einiges bewegt hat. Mit der Verschiebung der Maschinen nach China und Indien seien die grossen Anlagen abgebaut worden. Die Gebäude stünden für Mieter zur Verfügung. Auf einem Grossteil der verfügbaren Flächen sei durch Gewerbebetriebe bereits neues Leben eingekehrt.

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