Kirchengeviert

Streit um Chilchacher: In Tenniken werden die Messer gewetzt

Die Wiese der Begehrlichkeiten: Die Stifung Kirchengut und der Gemeinderat wollen sie überbauen, das Komitee Chilchacher auf keinen Fall.

Die Wiese der Begehrlichkeiten: Die Stifung Kirchengut und der Gemeinderat wollen sie überbauen, das Komitee Chilchacher auf keinen Fall.

Gegner und Befürworter einer Überbauung des Chilchachers bereiten sich auf eine Informationsoffensive vor.

Tenniken hat noch etwas, was immer weniger Baselbieter Gemeinden haben: ein intaktes Kirchengeviert, bestehend aus Kirche, Pfarrhaus, Friedhof und Pfarrmatte. Das vielleicht nicht mehr lange, denn um die 11'000 Quadratmeter grosse, landwirtschaftlich genutzte Pfarrmatte namens Chilchacher wird seit längerem heftig gerungen.

Die Stiftung Kirchengut will sie als Eigentümerin überbauen, der Gemeinderat befürwortet dies, das Komitee Chilchacher kämpft um die Erhaltung als Grünfläche. Derzeit laufen auf verschiedenen Ebenen Vorbereitungen für eine Informationsoffensive. Eine solche Ebene ist die paritätische Kommission.

Sie besteht aus acht Mitgliedern; vier davon stehen dem Komitee nahe, vier sind aktive, respektive ehemalige Gemeinderäte. Die Kommission diskutierte drei mögliche Varianten: Der derzeit in der Zone für öffentliche Werke und Anlagen gelegene Chilchacher wird in die Landwirtschaftszone oder in die Wohnzone umgezont oder mit einem Quartierplan belegt.

Rechtliche Abklärungen und Gutachten

Dass die beiden Blöcke auf keinen gemeinsamen Nenner kamen, bestätigen die Beteiligten. Komitee-Vertreterin und Kirchenpflegepräsidentin Franziska Buonfrate sagt zu ihrer Position: «Wir haben eine Nachhaltigkeitsbeurteilung gemacht und sind nach wie vor der Meinung, dass eine Auszonung am besten ist.» Gemeindepräsidentin Sandra Bätscher dagegen äussert sich vage: «Wir sind in einem Prozess, in dem wir Informationen zusammentragen. Die Resultate präsentieren wir am 25. März.» Zu diesem Prozess gehört auch, dass die Behörden-Seite rechtliche Abklärungen tätigt. Und die Komitee-Seite hat bei der Stiftung für Landschaftsschutz ein Gutachten zur landschaftlichen Bedeutung des Chilchachers fürs Dorf in Auftrag gegeben. Das Komitee will das Resultat im Februar vorstellen, also bevor die paritätische Kommission an die Öffentlichkeit tritt.

Dass diese so lange wartet, hat einen Grund: Im Oktober hat die mittlerweile zur Nationalrätin aufgestiegene Florence Brenzikofer (Grüne) im Landrat eine Interpellation mit kritischen Fragen zur Finanzlage der Stiftung Kirchengut eingereicht. Aus den Fragen schimmert durch, dass Brenzikofer daran zweifelt, dass die gut dotierte Stiftung auf Baurechtseinnahmen vom Chilchacher angewiesen ist.

Stiftung Kirchengut will bei Auszonung viel Geld

Brenzikofers Fragen haben ihrerseits eine Vorgeschichte: Im Mai schrieb die Stiftung Kirchengut der Gemeinde Tenniken auf deren Nachfrage, dass eine Auszonung in die Landwirtschaftszone «wohl als materielle Enteignung beurteilt» würde.Und das käme die Gemeinde teuer zu stehen, liess die Stiftung durchblicken. Sie veranschlagt den Chilchacher auf 4,7 Millionen Franken. Daraus leitet sie eine jährlichen Baurechtszins von rund 100'000 Franken ab. Der Brenzikofer-Vorstoss hat nun offenbar die Stiftung veranlasst, den eingeleiteten Architekturwettbewerb zu sistieren, bis die Antworten vorliegen. Von der Stiftung war gestern für die bz niemand erreichbar.

«Was nützen der Stiftung Mehreinnahmen, wenn gleichzeitig die Kirchenmitglieder davonlaufen?» fragt Kirchenpflegepräsidentin Buonfrate. Denn sie ist überzeugt, dass die Kirche bei einer Überbauung des Chilchachers auf der Verliererseite stehen würde.

Verwandtes Thema:

Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

Meistgesehen

Artboard 1