Muttenz

Streit zwischen zwei Nachbarn: Es geht um 20 Zentimeter

Zwist zweier Nachbarn wegen einer Mauer – es geht um 20 Zentimeter

Zwist zweier Nachbarn wegen einer Mauer – es geht um 20 Zentimeter

In einem Muttenzer Mauerstreit zwischen zwei Nachbarn wurde gestern ein Kompromiss gefunden. Dabei muss die Mauer um 20 Zentimeter zurückgebaut werden – das entspricht der Höhe eines Backsteines.

Seit Jahren streiten sich zwei Nachbarsfamilien in Muttenz wegen einer Stützmauer. Gestern schlossen sie auf leichten Druck des Kantonsgerichtes hin einen Vergleich und einigten sich. Das Resultat nach Tausenden von Franken für die Anwaltskosten: Die Mauer wird auf einer Länge von 2,40 Metern um 20 Zentimeter verkleinert.

Die Grundstücke könnten unterschiedlicher nicht sein: Die untere Parzelle ist relativ eng und grenz gegen Osten hin an die deutlich höhergelegene Parzelle der Nachbarn. Die an dieser Grenze nun neu errichtete Stützmauer ist zwar lediglich 1,20 Meter hoch, doch darunter befindet sich bereits ein mit Holzpalisaden befestigter Erdwall – im Eingangsbereich der unteren Parzelle steht man daher einer wuchtigen Wand von fast drei Metern Höhe gegenüber.

Welche Ebene dient als Nullpunkt

Eine Stützmauer von höchstens 1,20 Meter ist zwar durchaus erlaubt, doch bei diesen am Hang gelegenen Grundstücken war strittig, welche Ebene als Nullpunkt dient. Übliche Begriffe wie «gewachsenes Terrain» halfen hier nur beschränkt weiter, weil in der oberen Parzelle im Jahr 1981 offenbar ein grosser Gartenumbau stattfand, 2007 dort die Böschung aufgeschüttet wurde. Beide Parteien konnten sich daher nicht darauf einigen, wie hoch die Stützmauer an dieser Stelle sein darf.

Zur Beurteilung traf sich das Kantonsgericht gestern Morgen zu einem Augenschein in Muttenz und liess sich von beiden Parteien die unterschiedlichen Berechnungsmethoden demonstrieren. Ein Blick von oben wie auch von unten zeigte, dass die Meinungen darüber, was «gewachsenes Terrain» bedeutet, weit auseinandergingen.

Gericht schlägt Vergleich vor

Um das komplexe und teure Verfahren noch zu einem guten Ende zu bringen schlug das Kantonsgericht daher einen Vergleich vor: Kantonsrichter Niklaus Ruckstuhl empfahl, die Überhöhung in einem Bereich von 2 Metern um 10 Zentimeter zurückzunehmen, im Gegenzug werde die Aufschüttung des Jahres 2007 vorbehaltlos anerkannt. Damit hätte das Paar der unteren Parzelle etwas mehr Licht im Bereich des Einganges, für den Besitzer der oberen Parzelle wären seine Änderungen auf jeden Fall legalisiert.

«Ich bitte Sie dringend, diesen Vergleich anzunehmen. Das Verfahren wird sonst immer teurer; es stellen sich zudem noch komplizierte formelle Fragen», warnte auch Kantonsrichter Bruno Gutzwiller die beteiligten Parteien.

Es brauchte dann am späten Morgen im Liestaler Gerichtssaal noch drei weitere Varianten und eine Beratungspause, bis sich die Parteien auf einen Kompromiss einigen konnten: Nun akzeptieren die Besitzer der unteren Parzelle die Höhe der Mauer grundsätzlich, diese muss allerdings auf einer Länge von 2,40 Metern bis Ende August um 20 Zentimeter zurückgebaut werden – das entspricht der Höhe jeweils eines Backsteines.

«Wir hoffen, dass damit jetzt das ganze Verfahren ein gutes Ende findet», kommentierte Kantonsgerichtspräsidentin Franziska Preiswerk den Vergleich. Die beiden Parteien unterschrieben den Vergleich und zogen von dannen, ohne sich gegenseitig eines Blickes zu würdigen.

Meistgesehen

Artboard 1