FC Basel

Streller: «Herr Präsident, bekomme ich jetzt einen neuen Vertrag?»

Es geht wieder los. Der FC Basel ist heute als letztes aller Super League-Teams in die Vorbereitung für die Saison 2014/2015 gestartet. Marco Streller über das erste Training, die Probleme der Schweizer Nati und was er sich zum Geburtstag wünscht.

«So viele Leute hab ich noch nie gesehen bei einem Training», sagt ein älterer Herr während dem ersten Training der Vorbereitung des FC Basel. Und tatsächlich: es sind viele gekommen. Ältere Männer, die fachsimpeln, junge Frauen, die wohl den schulfreien Nachmittag nutzen, Sportstudenten, die nach der Vorlesung noch kurz bei den Profis vorbei schauen und Mütter, die ihre kleinen Kinder zu ihren Idolen gebracht haben.

Sie alle wollen sie sehen, wie der FCB das Training wieder aufnimmt und vor allem eines beobachten: Wie sieht das erste Training unter Yakin-Nachfolger Paulo Sousa aus?

Nach einer etwas mehr als einstündigen Trainingseinheit, bei dem sich Fans und Medienschaffende ein Bild machen konnten, stand FCB-Captain Marco Streller den Fragen der Medien Rede und Antwort.

Marco Streller, wie war das erste Training nach so einer langen Pause? Hätten Sie gerne noch länger die Ferien genossen oder haben Sie sich auf heute gefreut?

Marco Streller: Ich war total heiss auf Fussball. Nach 10 bis 14 Tagen kitzelt es mich immer, länger kann ich nicht ohne Fussball. Ich habe sowieso keine Ahnung, wann ich das letzte Mal so lange frei hatte (4 Wochen, Anm. d. Red.). Aber ich habe auch meine Ferien nicht ganz ohne Fussball verbracht. Mein Sohn tschuttet auch schon sehr gerne, dann haben wir ein bisschen gespielt.

Was haben Sie in dieser langen trainingsfreien Zeit gemacht?

Ich war zuerst zu Hause, ein guter Freund von mir hat noch geheiratet. Dann war ich ein paar Tage mit meiner Frau weg, und dann noch zwei Wochen mit meiner Familie. Seit zwei Tagen bin ich wieder zurück.

Waren Sie nervös angesichts des neuen Anfangs mit dem neuen Trainer Paulo Sousa?

In meinem Alter ist man nicht mehr nervös (lacht). Nein, die Vorfreude war sehr gross.

Es ist ja – Stand jetzt – Ihre letzte Saison...

Ja, Stand jetzt ist das so. Aber es ist noch nichts definitiv. Ich bin ein Mensch, der kurzfristig denkt. Das ist im Moment auch noch nicht wichtig. Ich werde mich im Winter mit diesem Thema beschäftigen.

Sie haben soeben das erste Mal unter Sousa trainiert. Was wussten Sie über Sousa? Hatten Sie im Vorfeld Kontakt mit ihm?

Ich habe ihn noch spielen sehen, da bin ich wohl auch der Einzige in unserem Team, die Anderen waren alle noch in den Windeln (lacht). Ich hatte aber im Vorfeld keinen Kontakt zu ihm. Ich habe, wenn sich unsere Wege jeweils bei internationalen Spielen gekreuzt haben, ein paar Worte mit ihm gewechselt und hatte schon dort eine gute Verbindung zu ihm. Mehr nicht.

Und wie war die erste Einheit unter ihm?

Intensiv! (lacht) Es war sehr spannend heute. Und es ist auch gut, wenn es in der Vorbereitung intensiv ist.

Und wie ist der Eindruck von ihm, jetzt, wo Sie ihn ein bisschen besser kennen?

Er ist sehr kommunikativ und sehr herzlich. Er ist sprachbegabt, was uns helfen kann. Mit den Südamerikanern gab es oft Sprachbarrieren, das wird sich jetzt ändern. Er ist fordernd und erwartet viel Eigenverantwortung von uns.

Momentan läuft die WM in Brasilien. Wie verfolgen Sie die?

Nicht anders als andere! In den Ferien mit Bier, jetzt mit Wasser, dazu wird mit der Familie und mit Freunden grilliert. Ganz normal eben.

Welches Team hat Sie bis jetzt am meisten beeindruckt?

Die Italiener waren gut gegen England – ein Spiel das ich ohnehin sehr spannend fand – aber auch die Holländer und die Deutschen waren stark.

Am Freitag trifft die Schweiz auf Frankreich. Was erwarten Sie?

Auf dem Papier sind die Franzosen mit Sicherheit der stärkste Gruppengegner. Jetzt, nach dem Sieg gegen Ecuador, der übrigens unglaublich viele Nerven gebraucht hat, müsste es sehr blöd laufen, wenn die Nati es nicht in den Achtelfinal schaffen würde.

Ihr Freund Valentin Stocker hat gegen die Ecuadorianer nicht gerade überzeugen können.

Sind wir doch ehrlich, in der ersten Halbzeit kann man keinen vom Schweizer Team hervorheben, der gut war. Aber das, was jetzt mit Vali gemacht wird, ist nichts neues. Die Schweiz sucht immer ein Opfer. Ich kenne das. Und ich finde es äusserst schade für ihn, er hat das nicht verdient. Jetzt wird er gegen Frankreich ziemlich sicher nicht von Beginn an spielen. Das ist schade. Er hätte es verdient, weil er menschlich top ist und für das Team immer alles gibt.

Zurück zu Ihnen. Sie haben heute Geburtstag. Erstmal herzlichen Glückwunsch.

Danke vielmals. Ja, 28 werde ich heute... (lacht)

...und jetzt wollte ich schon zur Schnappszahl gratulieren!

Ah ja, ich werde ja 22! (In Wahrheit wird Pipi, wie er von seinem Umfeld genannt wird, heute 33, Anm. d. Red.)

Haben Sie von der Mannschaft oder vom Verein etwas geschenkt bekommen?

Nein, bis jetzt habe ich noch nichts gekriegt. Der Trainer hat mir auch gesagt, dass ich etwas bringen muss! (Streller dreht sich um und ruft zu Präsident Bernhard Heusler, der ein paar Meter nebenan steht) Herr Präsident, bekomme ich eigentlich noch etwas, weil ich Geburtstag habe?

B. Heusler: Klar, es gibt eine Überraschung!

M. Streller: Also kriege ich jetzt einen neuen Vertrag? (Strellers Vertrag läuft Ende Saison aus, Anm. d. Red.)

B. Heusler: Einen Satz Schuhe kannst du haben!

Die beiden lachen, Streller bedankt sich und macht sich auf den Weg. Auf den Weg in seine letzte Saison. Oder eben doch nicht?

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