Atomenergie

Strom aus Fessenheim fliesst auch in Baselbieter Haushalte

Das umstrittene AKW Fessenheim liefert auch Strom in die Baselbieter Haushalte.

Das umstrittene AKW Fessenheim liefert auch Strom in die Baselbieter Haushalte.

Die Kunden der EBM werden über die Alpiq mit Energie aus dem umstrittenen Elsässer Kraftwerk beliefert.

Die Situation ist grotesk: Da fordern die Regierungen beider Basel, das Atomkraftwerk Fessenheim sei sofort abzuschalten: Es stelle eine ernsthafte Bedrohung für die Menschen in der Region dar. Dennoch fliesst aus Fessenheim, das 40 Kilometer nördlich von Basel am Rhein liegt, Tag für Tag Strom in Baselbieter Haushalte. Dies zumindest zu einem kleinen Anteil.

Und das geht so: Die Elektra Birseck (EBM) und die Elektra Baselland (EBL) sind gemeinsam mit rund 20 Prozent am Aktienkapital des Stromkonzerns Alpiq beteiligt. Dieser wiederum hält Bezugsrechte am AKW Fessenheim. Gemäss Alpiq-Mediensprecher Andreas Werz lieferte das älteste AKW Frankreichs 2010 500 Millionen Kilowattstunden Strom an
die Alpiq; das entspricht 1 Prozent des Schweizer Verbrauchs. Zum Vergleich: Das AKW Gösgen deckt 15 Prozent des Jahresverbrauchs der hiesigen Wirtschaft und Bevölkerung.

Vor allem die EBM ist stark vom Milliardenkonzern abhängig: 77 Prozent des Stromgeschäfts werden über die Schweizer Produktion der Alpiq sowie über deren Bezüge im Ausland abgewickelt. EBM-CEO Hans Büttiker schätzt, dass 1 bis 2 Prozent des an die Kunden im Unterbaselbiet und im Schwarzbubenland verkauften Stroms aus dem AKW Fessenheim stammen. Derweil kriegen die Kunden der EBL trotz Alpiq-Beteiligung kaum Strom von dort. Zumindest lässt sich dies nicht nachweisen. «Unsere Bezüge bei der Alpiq beschränken sich auf den Schweizer Kraftwerkpark», erklärt CEO Urs Steiner. Allerdings kauft die EBL einen erheblichen Anteil ihres Stroms – 2009 waren es 42 Prozent – auf dem internationalen Markt ein: Dieser kann in deutschen Kohlekraftwerken, französischen Atommeilern – oder auch in Solarkraftwerken produziert werden. Genau weiss das niemand.

Standards bislang stets eingehalten

Würde Fessenheim also wie verlangt abgeschaltet, würden deswegen im Baselbiet nicht die Lichter ausgehen: «Auf diesen Strom zu verzichten, wäre keine Katastrophe», stellt EBM-Chef Büttiker klar. Indes teilt er die grossen Bedenken der Regierungen beider Basel nicht. Die Sicherheit werde ständig verbessert. «Fessenheim macht einen relativ seriösen Eindruck», findet Büttiker. Ähnlich kommentiert man bei der Alpiq die Aufregung um das älteste AKW Frankreichs: Die Electricité de France (EDF) als Eigentümerin und Betreiberin sei der Einhaltung der Sicherheitsstandards bisher immer nachgekommen, hält die Alpiq schriftlich fest. Wie für alle anderen AKW in der EU und in der Schweiz würden die Aufsichtsbehörden auch für Fessenheim die sicherheitstechnischen Vorgaben überprüfen und im Lichte der Ereignisse in Japan allenfalls anpassen.

Beim Kanton will man die Bezüge der hiesigen Energieversorger vorerst nicht kommentieren. Auf dem Tisch der Regierung liegen nämlich mehrere Vorstösse zur Atomenergie, darunter die Forderung von Grünen-Landrätin Sarah Martin, EBM und EBL müssten ihre Alpiq-Beteiligungen abstossen. Martin war sich nicht bewusst, dass auch Fessenheimer Atomstrom ins Baselbiet fliesst. «Meinem Anliegen verleiht dies aber zusätzlich Auftrieb», sagt sie.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1