Die Binninger erfuhren am Montagabend am eigenen Leib, weshalb es die dunkle Jahreszeit heisst. Rund eineinhalb Stunden fiel in grossen Teilen der Gemeinde der Strom aus – Ursache war ein Kurzschluss.

Hochbetrieb herrschte während des Blackouts auf der Notruf-Zentrale der Baselbieter Polizei. Rund 150 Anrufe gingen aus Binningen ein. Es habe sich jedoch bei keinem der Kontaktaufnahmen um einen Notfall gehandelt, sagt Polizeisprecher Adrian Gaugler auf Anfrage der bz. «Es war niemand im Lift stecken geblieben oder etwas in dieser Art.» Stattdessen hätten die Anrufer der Polizei den Stromausfall mitteilen wollen, oder sie seien neugierig gewesen über dessen Ursache.

Die Polizei schaltete bereits am Montag, kurz nach 21 Uhr, eine Nachricht auf ihrer Facebook-Seite auf. Sie bat die Bevölkerung, «den Notruf 112 nur im Notfall anzuwählen». Der Stromausfall sei der Polizei bereits bekannt. Was sie damit andeuten wollte: Ruft uns nicht an, wir wissen auch nicht, wie man das flickt. Belegt nicht die Leitung, falls ein richtiger Notruf hereinkommt. 

Polizei markiert Präsenz

Der Spott der Facebook-User über die Anrufer liess nicht lange auf sich warten. Eine Userin kommentierte: «Ich weiss gar nicht, ob ich lachen oder weinen soll.» Eine weitere schrieb: «Vielleicht hoffen sie auf Notfall-Kerzenlieferungen.»

Wegen der Dunkelheit waren mehr Patrouillen als üblich vor Ort. Das habe präventiven Charakter gehabt, sagt Gaugler. Meldungen über Vorfälle während des betroffenen Zeitraums seien keine eingegangen.

Der Kurzschluss ereignete sich um 19.40 Uhr bei einem Mittelspannungskabel. Zuerst gab es einen kürzeren Unterbruch, ein sogenanntes Flackern – bald darauf ging gar nichts mehr.

Beim Kronenplatz war der Bug

Binningen gehört zum Netz der Elektra Birseck Münchenstein (EBM). Wie EBM-Mediensprecher Jo Krebs auf Anfrage mitteilt, befindet sich der betroffene Kabelabschnitt zwischen dem Unterwerk Allschwil und Binningen-Kronenplatz. Es waren insgesamt 6496 Kunden betroffen. «Eine Service-Equipe wurde aufgeboten. Nach Umschaltungen konnte die Stromversorgung wieder hergestellt werden. Der Unterbruch dauerte 89 Minuten, nach 21.09 Uhr waren alle Kunden wieder mit Strom versorgt.»

Die Ursache des Kurzschlusses sei noch nicht bekannt, man gehe aber von einem technischen Defekt aus. «Die Leitung liegt im Boden, womit Unwetter, Tiere oder Manipulationen ausgeschlossen werden können.» Ein Mittelspannungskabel hat eine Spannung von 13'000 Volt. Zum Vergleich: Eine gewöhnliche Haushalts-Waschmaschine benötigt in der Regel 230 Volt. 

Telefone funktionierten teilweise noch

Nicht alle technischen Geräte fielen aus während des Unterbruchs. Bei nicht-digitalisierten, analogen Festnetz-Apparaten war das Telefonieren weiterhin möglich. Ob die Mobilfunk-Sendemasten ebenfalls ohne Saft waren, kann die EBM so nicht beurteilen. Doch selbst in solch einem Fall wären die Geräte je nach Distanz imstande, auf Antennen in der Nachbarschaft ausweichen – etwa in Basel –, so dass das Kommunizieren per Smartphone weiterhin möglich war.

Ebenfalls fuhren die Trams der Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) weiterhin durch Binningen, als wäre nichts gewesen. Die BVB teilen mit, sie würden ihren Strom für den Binninger Abschnitt vom Unterwerk Margarethen beziehen. Das Unterwerk wiederum werde von Strom der Industriellen Werken Basel (IWB) gespiesen. Die IWB waren vom Unterbruch nicht betroffen.

Im Dunklen warten

Die Haltestellen blieben jedoch dunkel. Sie entnahmen Strom vom lokalen Netz. «Auch die Billett-Automaten und die elektronischen Abfahrts-Anzeigen waren vom Ausfall betroffen», sagt BVB-Mediensprecherin Sonja Körkel zur bz.

Laut Jo Krebs können technische Defekte an der Verteil-Infrastruktur wie jetzt in Binningen nicht ausgeschlossen werden. «Dieser Stromausfall wurde seitens Kunden selbstverständlich wahrgenommen, denn er fiel in einen Zeitraum, in dem die Bevölkerung in der Regel zu Hause ist und etwa Fernsehen schaut.»