Das Rennen um den einzigen Baselbieter Ständerats-Sitz hat am Montag gehörig an Fahrt aufgenommen: Mit der Ankündigung von FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger in der bz, fürs Stöckli kandidieren zu wollen, haben die Baselbieter Bürgerlichen mit den Linksparteien gleichgezogen. Dort haben sich schon länger die Nationalräte Eric Nussbaumer (SP) und Maya Graf (Grüne) in Stellung gebracht, sollte der amtierende Sozialdemokrat Claude Janiak wie erwartet nicht mehr antreten.

Mit einem Schlag scheint im bürgerlichen Lager der Glaube zurückgekehrt, den Ständeratssitz nach zwölf Jahren zurückerobern zu können. Alles dank Schneeberger. Fast euphorischer als die eigene Partei der Thürnerin gibt sich in einer ersten Reaktion die SVP. «Ich bin froh, dass Daniela Schneeberger sich von sich aus gemeldet hat», sagt SVP-Präsident Oskar Kämpfer, «sonst hätten wir sie noch überzeugt.» Damit ist auch klar, dass die SVP zu ihrem Wort steht und der FDP beim Ständerat den Vortritt lässt, während sie selbst ja bei den Regierungsratswahlen vom 31. März mit Thomas de Courten einen zweiten Sitz anstreben darf.

Für den Chefstrategen ist klar: «Daniela Schneeberger ist die einzige bürgerliche Kandidatin, die gegen Maya Graf Wahlchancen hat.» Damit macht Kämpfer deutlich, dass für ihn die Grüne Sissacherin jene ist, die es zu schlagen gilt. Kein Wort zu Eric Nussbaumer. Bloss: «Gegen ihn haben wir schon mehr als einen Wahlkampf geführt.» Kämpfer erinnert sich gern an die beiden gescheiterten Versuche Nussbaumers, in die Baselbieter Regierung einzuziehen.

Einige Parallelen zu Maya Graf

Was Schneeberger auszeichne, sei ihre gute Vernetzung in Bundesbern. Das sei entscheidend, so Kämpfer. Er will Schneeberger nicht darauf reduzieren, dass sie gegen Graf bessere Chancen als andere hat, weil sie auch als volksnah gilt und eine Frau ist. Sie sei schlicht für die SVP am besten wählbar.

Setzt bei SP und Grünen nun das grosse Zittern ein? Schliesslich scheint absehbar, dass die Bürgerlichen Schneeberger als eine Art bürgerliche Maya Graf positionieren werden: Eine gut vernetzte, politisch erfahrene Frau aus dem Oberbaselbiet, die bei der Baselbieter Bevölkerung äusserst beliebt ist. «Das ist fast schon eine Anmassung», reagiert Grünen-Präsident Bálint Csontos mit einem Schmunzeln. «Die Beiden sind komplett unterschiedliche Persönlichkeiten.» Vor allem die Motive der politischen Arbeit seien verschieden. «Maya Graf vertritt in erster Linie die Menschen und ist unabhängig, Daniela Schneeberger steht für Interessenpolitik und Lobbyismus, wie sie schon viele Bürgerliche im Ständerat betreiben.» Ähnlich äussert sich SP-Präsident Adil Koller: «Schneeberger steht politisch rechts. Die Kräfte der Abbaupolitik sind in Bern bereits zu stark.»

Maya Graf selbst sieht durchaus Parallelen: Sie würden sich schon lange kennen und hätten zeitlich versetzt ähnliche Politkarrieren gemacht. «Daniela ist eine ebenbürtige Kandidatin, die ich ernst nehme und respektiere.» Allerdings fügt Graf süffisant an: «Ich bin natürlich schon zehn Jahre länger in Bundesbern als sie und war Nationalratspräsidentin.» Lachen muss Graf über Kämpfer: «Es ehrt mich, wenn er die bürgerlichen Kandidaten an mir misst.»

CVP: Bundesrat oder Stöckli?

Dass er von den Bürgerlichen in den Hintergrund gerückt wird, stört derweil Eric Nussbaumer nicht: «Ich schaue auf mich selbst und stelle meine pragmatische politische Arbeit in den Vordergrund.» Schneebergers Kandidatur ändere nichts daran. «Es ist doch gut, dass es einen Wahlkampf gibt und das Volk entscheiden kann.»

Der Weg für einen Dreikampf ums Stöckli scheint bereitet: Schneeberger, Graf, Nussbaumer. Wobei: Noch nicht in die Karten blicken lässt sich die CVP. Parteipräsidentin Brigitte Müller-Kaderli möchte sich erst zu Kandidaten äussern, wenn feststeht, dass Claude Janiak definitiv nicht mehr antritt. Denn die CVP sei zufrieden mit ihm. Was Müller aber auch sagt: «Wir schliessen eine eigene Ständeratskandidatur noch nicht aus.» Gemeint ist natürlich Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter. Allerdings gibt es da noch ein klitzekleines Hindernis: «Erst muss sie sich in Sachen Bundesratskandidatur entscheiden.»