Regierungsratswahl

SVP-Kandidat Weber: «Ich bin gar nicht so ein Schlimmer»

Thomas Weber bleibt der einzige SVP-Kandidat für den Posten von Adrian Ballmer.

Thomas Weber bleibt der einzige SVP-Kandidat für den Posten von Adrian Ballmer.

Plötzlich ging alles sehr schnell: Einer nach dem anderen zogen drei der vier SVP-Kandidaten ihre Kandidatur zurück. Alle, bis auf Thomas Weber. Der Buusner Landrat will mit Kompromissbereitschaft in den Regierungsrat.

Herr Weber, mit der Entscheidung, der SVP-Basis am 17. Januar nur Sie zur Nomination für die Regierungsratswahl vorzuschlagen, beraubt die Parteileitung der Basis einer freien Auswahl.

Thomas Weber: Es ist ganz klar, hätten wir alle Zeit der Welt gehabt, hätten die Mitglieder zwischen allen vier Kandidaten entscheiden können. Doch die Beschränkung auf mich kam letztlich aus der Einsicht, dass wir jetzt Zeit gewinnen müssen. Anfang Februar werden bereits die Wahlunterlagen verschickt. Das sind bloss rund zwei Wochen nach unserem Parteitag. Für einen richtigen Wahlkampf ist das schlicht zu kurz.

Die Basis hätte sich vielleicht für einen anderen Kandidaten entschieden. Oder sahen Sie sich sowieso als klaren Favoriten?

Die Parteileitung war der Meinung, dass die Basis mich auch dann gewählt hätte. Deshalb wäre ich ziemlich zuversichtlich in den Nominationsparteitag hineingegangen. Ich glaube die Mitglieder verstehen die Entscheidung und werden der Empfehlung der Parteileitung folgen. Hätten wir zugewartet, wäre uns wohl eher vorgeworfen worden, die Zeit nicht zu nutzen.

Einer, der seine Kandidatur zurückgezogen hat, ist Nationalrat Thomas de Courten. Vor allem aus dem Lager ihrer verbündeten Mitteparteien CVP und FDP gab es warnende Stimmen, weil er als Hardliner gilt. Sind Sie denn nicht auch einer?

Politisch haben wir ein ganz ähnliches Profil, was die Grundhaltungen angeht. De Courten haftet dieses Etikett «Hardliner» bloss stärker an, weil er sich als früherer Fraktionspräsident im Landrat stärker exponieren musste. Was uns aber ein wenig unterscheidet, ist, dass ich in einzelnen Sachfragen eher mal von meiner Position abrücke, wenn ich die Argumente der Gegenseite gehört habe - im Sinne eines Kompromisses. Aber über gewisse Grundwerte lasse auch ich nicht mit mir streiten.


Ist das Etikett Thomas Webers also das des rechten Konsenspolitikers?

Ja das trifft es relativ gut auf den Punkt. Und Rechts-Links wird auf alle Fälle eine Debatte dieses Wahlkampfes sein. Es geht darum, ob der Bürger ein linkes Übergewicht in der Baselbieter Regierung will.

Was hätte das ihrer Meinung nach für Konsequenzen für Baselland?

Ein linkes Übergewicht hiesse mehr Vertrauen in den Staat, tendenziell einen grösseren Staat, höhere Steuern und eine stärkere Umverteilung. Oder man teilt das rechte, liberale Gedankengut und sagt, dass eigentlich der Einzelne, die Familie oder das Unternehmen Grundaufgaben haben und wenn es ihnen gut geht, geht es dem Staat gut und er kann schlank bleiben.

SP-Kandidat Eric Nussbaumer sagt, ihm fehle manchmal der letzte Biss. GLP-Kandidat Gerhard Schafroth bezeichnet sich als ungeduldig. Was sind ihre Schwächen?

Ich bin vielleicht manchmal etwas zu emotional. Ich spreche mit dem Herzen und höre auf meinen Bauch. Das wird teils als zu wenig strukturiert oder rational angesehen, wie man es vielleicht von einem Ingenieur und Generalstäbler erwarten würde. Ich habe aber über die Jahrzehnte bei Personalentscheiden die Erfahrung gemacht, dass sich meine Art bewährt hat und gut ist. Der letzte Biss fehlt mir als passioniertem Ausdauersportler jedenfalls nicht.

Im Vergleich mit de Courten sind Sie sicher unbekannter. Wie wollen Sie das bis zum 3. März ändern - gerade im Unterbaselbiet?

Ich werde keine Gelegenheit auslassen, an Anlässe im Unterbaselbiet zu gehen. Meine Agenda ist von jetzt an priorisiert, das habe ich auch mit meinem Arbeitgeber, dem Bundesamt für Strassen, abgesprochen. Wir dürfen nun keine Chance auslassen, um draussen auf der Strasse zu sein und mit den Menschen zu reden. Ich hoffe es macht dann die Runde, dass ich gar nicht so ein Schlimmer bin, sondern ein SVPler, den man wählen kann.

Befürchten Sie, dass Ihnen Schafroth Stimmen in der Mitte wegnimmt?

Das glaube ich weniger. Die GLP stimmt im Landrat fast deckungsgleich mit der SP, also ist es wahrscheinlicher, dass er dort schadet. Ich nehme Schafroth aber sicher ernst. Wir stehen jetzt zu dritt an der Startlinie.

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