Die SP wird Unterstützung aus dem linken Lager erhalten, die SVP aus dem rechten. Beide erhalten je einen Sitz, während die Mitte-Kandidatinnen den Kürzeren ziehen – könnte man zumindest meinen.

Denn die Konstellation vor der Wahl am 26. November ist komplizierter. Die Kandidatin der SVP, Caroline Mall, steht mit ihrer Partei nämlich alleine da. Die FDP versagt ihr ausdrücklich die Unterstützung, obwohl sie die SVP problemlos zur Wahl empfehlen könnte. Die FDP strebt keinen zusätzlichen Sitz an, hätte also nichts zu verlieren. Symptomatisch ist, dass die Partei die öffentlichen Plakatstellen, die ihr eigentlich zustünden, gar nicht erst beansprucht. Üblich wäre, dass sie diese der SVP zur Verfügung stellen würden. Und von der Sitzverteilung im Einwohnerrat her würde der SVP ein Sitz im Gemeinderat zustehen.

Kritische Haltung als Vorteil

Nur: Von einer bürgerlichen Zusammenarbeit (BüZa) ist man derzeit in Reinach weit entfernt. Denn auch die CVP zeigt Mall die kalte Schulter. Die Christdemokraten, die ebenfalls keinen zusätzlichen Sitz anstreben, empfehlen stattdessen Doris Vögeli. Diese steigt für die BDP ins Rennen, die Kleinpartei, die in Reinach auffallend aktiv ist und im Einwohnerrat mit der CVP eine Mitte-Fraktion bildet.

Dass Mall keine politischen Freunde ausserhalb der SVP findet, lässt sich erklären. Sie gilt als eine, die zu direkt ihre Meinung sagt, um in einer Exekutive Einsitz zu nehmen. Tatsächlich ist sie im Landrat und im Einwohnerrat nicht dafür bekannt, dass sie ein Blatt vor den Mund nehmen würde. Das bestreitet sie selber auch nicht: «Ich bin eine, die nicht abwarten kann, wenn ich in der Bevölkerung etwas mitbekomme, was nicht stimmt», sagt sie.

Aber für sie ist es eine Unterstellung, dass sie nicht konsensorientiert sei und im Gemeinderat Radau machen würde: «Niemand weiss, wie ich als Gemeinderätin sein werde.» Ihre kritische Haltung sieht sie sogar als Vorteil. Es brauche jemanden im Gemeinderat, der kritische Fragen stelle. «Vielleicht ist das der Schlüssel, damit in Reinach endlich etwas anders läuft als bisher und damit endlich Ruhe einkehrt.»

Doch damit wird sie diejenigen nicht überzeugen, die nach der Asylaffäre zwar auch Ruhe wollen, aber diese darin sehen, dass der Gemeinderat wie bisher weitermacht. Sogar bei der FDP ist hinter vorgehaltener Hand zu hören, der polemisierenden Mall ziehe man Sozialdemokratin Denise Dollinger vor. Erhält Letztere Sukkurs von gemässigten Bürgerlichen, die Mall ablehnen, dürfte sie locker gewählt werden. Denn links ist sie die einzige Kandidatin. Ähnlich könnte Vögeli erfolgreich sein.

Für Mall ist klar: Die Parteien unterstützen einander, weil sie Kopfnicker im Gemeinderat haben möchten. «Sie wollen niemanden wie mich, der nicht immer zu allem Ja sagt.» Durch die fehlende Unterstützung sieht Mall ihre Wahlchancen beeinträchtigt.

Allerdings könnte in der Anti-Mall-Koalition eine vierte Frau die Rolle der Spielverderberin übernehmen: Therese Stalder. Die Parteilose ist die grosse Unbekannte in diesem Wahlkampf. Politisch ist sie bisher nicht in Erscheinung getreten, hat aber ein grosses Netzwerk. Unter anderem war sie beim Tierpark, in der Feuerwehr, bei den Jägern und in bei den Reformierten engagiert. Stalder könnte dafür sorgen, dass sich die Anti-Mall-Stimmen verteilen, sodass die SVP trotz aller Widrigkeiten doch noch den erwünschten Sitz holt.