Bruderholzspital

Tausche zwei Urologen gegen einen Orthopäden

Der Chefarzt der Frauenklinik verlässt das Kantonsspital Baselland. (Archiv)

Der Chefarzt der Frauenklinik verlässt das Kantonsspital Baselland. (Archiv)

Der Land-Schreiber äussert sich zum Kantonsspital Baselland, das im öffentlichen Fokus steht. Der Chefarzt der Frauenklinik verlässt nämlich das Bruderholzspital.

Es war ein Anblick, an den wir uns in den nächsten Jahren gewöhnen werden müssen: Wie an der Saisonmedienkonferenz des FC Basel präsentierte das Kantonsspital Baselland im Bruderholz seine Neuzugänge von Teamleitern und Ärzten. Es fehlten nur noch das Blitzlichtgewitter und die feierliche Übergabe der Trikot-Rückennummern. Vermutlich ist es bloss eine Frage der Zeit, bis auch auf dem medizinischen Transfermarkt die Höhe der Ablösesummen, versteckte Handgelder und der internationale Marktwert der Akteure Gegenstand öffentlicher Diskussionen werden.

Welche Marktchancen ein Panini-Album hat, das die Klebebilder der, sagen wir, Urologie-Stars der europäischen Spitalsaison 2016/17 unter die Sammler bringt, ist noch ungewiss. Ganz sicher gefragt werden aber schon bald die Dienste von personalisierten Ärzte-Managern und Scouts sein, die für sich und ihre Schützlinge maximale Verträge herausholen.

Das Unwohlsein, das einige der am Dienstag in den öffentlichen Fokus gerückten Mediziner zur Schau stellten, weist darauf hin, dass es noch nicht ganz so weit ist und sich die Ärzte der Fragwürdigkeit der PR-Veranstaltung bewusst waren. Nicht, dass es noch nie Ärzte gegeben hätte, die sich nur allzu gerne im Glanze ihres Ruhmes und der eigenen vermeintlichen Unfehlbarkeit sonnen.

Ich selber entstamme einer Medizinerfamilie mit einer eindrücklichen Ahnenreihe an erfolgreichen Ärzten und Apothekern. In ihr und ihrem Umfeld gab es bestimmt auch die Egomanen, doch war vielmehr das genaue Gegenteil die Regel: Die Ärztin und der Arzt, die sich bis zur Selbstaufgabe dem Wohl ihrer Patienten hingeben und zuallerletzt ihre eigene Person in den Vordergrund stellen – getreu des Hippokratischen Eides, den ihre Vorfahren geleistet haben.

Nur hat der gute alte Hippokrates nicht die Privatisierung der Spitallandschaft kommen sehen, in deren Zuge die vornehme Zurückhaltung ausgedient hat und sich die Krankenhäuser als eine der ersten Wettbewerbsmassnahmen eigene PR-Abteilungen zugelegt haben. Das sorgte intern da und dort für böses Blut, wenn bei der Pflege abgebaut und stattdessen gut bezahlte Marketingexperten angestellt wurden. Doch wie fleissig diese sind, beweisen die vielen Mitteilungen und Einladungen zu Medienkonferenzen, die seither in die Redaktionen flattern und sich in ihrer Wortwahl kaum mehr von jenen der börsenkotierten Unternehmen unterscheiden.

Im harten Verdrängungswettbewerb des Gesundheitsmarktes wollen schliesslich die eigenen Erfolge herausgestellt werden, selbst wenn es sich dabei um trockene Zahlen und Personalentscheide handelt, die Laien eh nicht richtig einordnen können. Und die zudem die einzig relevante Frage im Zusammenhang mit Spitälern offen lassen: wie gut man wo gesundgepflegt wird.

Nun, der bz als regionalem Nachrichtenhaus steht es schlecht an, diese PR-Maschinerie und die bewusste Einbindung der Spitäler in den medialen Kreislauf zu kritisieren. Schliesslich spielen wir selber darin munter mit. Und bevor die Leserschaft den Stab bricht, sollte sie daran denken, dass sie mit dem eindringlichen Ruf nach tieferen Gesundheitskosten und Versicherungsprämien am Ursprung der Liberalisierung des Gesundheitswesens steht. Darum stellen wir uns schon mal besser auf den Tag ein, an dem unsere Kids ganz aufgeregt vom Pausenplatz nach Hause gerannt kommen und erzählen: «Konnte gerade für mein Panini-Album zwei Urologen für einen Orthopäden tauschen.»

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