Breitenbach

Tausende Narren machen Radau in Hirzebach

Neben den Skandalen bei der Fifa und bei Volkswagen werden am grössten Umzug im Kanton Solothurn zahlreiche lokale Ereignisse aufgegriffen.

Das Ziel der Fasnächtler im Schwarzbubenland und Laufental heisst am Samstag jeweils Breitenbach. Oder besser gesagt Hirzebach, wie die Einwohner, in Anlehnung an ihren Spitznamen Hirzekäfer, das Dorf während der närrischen Tage nennen. Schon die abgeänderten Schilder an den Ortseingängen lassen erahnen, dass die Gemeinde heute nicht wiederzuerkennen ist.

Im Dorfkern entlang der Hauptstrasse haben sich tausende Zuschauer eingefunden. Die meisten sind verkleidet, wobei von ausgefallenen Ganzkörperkostümen bis hin zu einem aufgeklebten Schnauzbart alles zu sehen ist. Es riecht nach feinen Cervelats, Schminke und Bier, das in Strömen fliesst. In der ersten Reihe fiebern die Kinder dem Umzug entgegen. Mit 41 teilnehmenden Formationen ist er der grösste im Kanton Solothurn.

Auf der Strasse liegen bereits Unmengen von Konfetti, als die Oktaväsumpfer Büsserach losziehen. Die Gugge feiert ihr 30-jähriges Bestehen, weshalb sie den Umzug eröffnet. «Teilnehmer mit Jubiläen dürfen bei uns immer zuerst ran», sagt Claudio Spaar, Präsident des Fasnachtskomitees. Einen runden Geburtstag begehen unter anderem auch die Schnitzharmoniker Bärschwil, die Milchbubis Nunningen und die Turnfäger Breitenbach. Letztere spielen mit ihrem Wagen die korrupte Fifa aus, die zusammen mit dem Abgasskandal bei VW bei den internationalen Sujets klar dominiert. Die Litzlerchnertsch Kleinlützel haben Sepp Blatter eine Krone aufgesetzt und erfreuen das Publikum als Doppelgänger des zurückgetretenen Walliser Fifa-Präsidenten.

Den wohl aufwendigsten Wagen haben die Riedbrghüng Nunningen gestaltet. Mit einer gigantischen Dampflok der Waldenburgerbahn nehmen sie Kontroverse um die kürzlich beschlossene Spurverbreiterung aufs Korn. Immer wieder strömt Dampf aus der nachgebauten Gedeon Thommen. Im übertragenen Sinn geschieht dies auch bei den Hirzefägern. «Wir sind hier, um Dampf abzulassen», erklärt ein Hirzefäger, angesprochen auf das doch eher ungewöhnliche Steampunk-Outfit seiner Gugge.

Bei vielen Formationen sind es dorfinterne Geschehnisse, die mit Witz beleuchtet werden. So ärgern sich die Chessilochruächä Grellingen über die zahlreichen Baustellen in der Gemeinde:

Z’Grällige isch öbbis los,

muesch Slalom fahre uf dr Stross.

Und denn gits au no Stop and Go,

das isch die allerletschti Show.

In Affenkostümen trauern die Schwarzbuebä Fläschesammler darüber, dass Meltingen derzeit restauranttechnisch auf dem Trockenen sitzt:

Bi eus im Dorf het kei Beiz me offe,

drum hei mir e entscheidig troffe.

Mir schänke eus selber ztrinke i,

und lade euch zur Affeparty i.

Die Hirzezunft Breitenbach lässt auf einem der seltenen Zödel das letzte Jahr Revue passieren, wenn sie die wichtigsten Ereignisse in Breitenbach auf sarkastische Weise kommentiert. Die Filiale der Basellandschaftlichen Kantonalbank wurde schon zum zweiten Mal in der Nacht überfallen:

Dr BLKB-Willi isch entsetzt,

und rauft sich d’Hoor.

Scho wieder Polizei im Huus,

das isch doch nid woor.

Nach zwei Durchgängen und unzähligen von den Wagen geworfenen Schleckstängeln, Orangen und weissen Rosen ist das fasnächtliche Treiben noch lange nicht vorbei. Die Guggen treten an drei Standorten im Dorf und anschliessend in Restaurants auf. Mittendrin ist der SVP-Nationalrat Christian Imark, der eine Perücke mit blonden Locken trägt. Er bringt auf den Punkt, weshalb jedes Jahr so viele nach Breitenbach kommen: «In der Region ist man einfach stolz auf diesen Umzug.» Sagt er und stürzt sich wieder ins Getümmel.

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