Oberdorf

«Teamfähiges Alphatier»: Hannes Schweizer als lachender Dritter?

Hannes Schweizer sieht sich als teamfähiges Alphatier. (Archivbild)

Hannes Schweizer sieht sich als teamfähiges Alphatier. (Archivbild)

Wahlen in Oberdorf haben seit einem halben Jahr eine Konstante – den Überraschungsfaktor.

Zuerst verpasste der bisherige Gemeinderat Salman Fistik (SP) den Anmeldeschluss für stille Wahlen, darauf wurde er im Februar an der Urne abgestraft und nicht gewählt, obwohl nur fünf Kandidaten für die fünf Sitze antraten. Dafür erhielt Hannes Schweizer (SP) über 100 Stimmen, obwohl er gar nicht kandidierte.

Fistik zog sich zurück, Schweizer trat offiziell für den zweiten Wahlgang an und machte das Rennen. Doch der aus dem Nichts aufgetauchte und erst seit kurzem in Oberdorf wohnhafte Tino Kobler (parteilos) erhielt mehr als halb so viele Stimmen wie Schweizer, auf die in Anbetracht seiner Unbekanntheit und Schweizers Bekanntheit niemand gewettet hätte.

Dann der nächste Coup: Bei der anstehenden Gemeindepräsidentenwahl vom 28. Juni fordert der neu in den Gemeinderat gewählte Michael Wild (parteilos) Amtsinhaber Piero Grumelli (CVP) heraus. Kein Wunder, dass all das die Fantasie von Politauguren im Waldenburgertal anheizt und es Stimmen gibt, die Hannes Schweizer als lachenden Dritten sehen. Wie das? Im ersten Wahlgang schaffen weder Grumelli noch Wild das absolute Mehr, weil zahlreiche Stimmen an den nicht kandidierenden Schweizer gehen. Im zweiten Wahlgang von Mitte August, bei dem das relative Mehr gilt, schwingt Schweizer obenaus, so meinen die Beobachter.

Eine Regel: Schweizer wird immer Präsident

Was dieses Szenario befeuert, ist Schweizers politischer Werdegang: In jedem Gremium, in dem der Polit-Fuchs mitmachte, landete er früher oder später auf dem Präsidentensessel. Das war im Titterter Gemeinderat so, das war in der landrätlichen Bau- und Planungskommission so und das war schliesslich auch im Landrat so, den Schweizer als Krönung seiner Laufbahn im Amtsjahr 2018/19 präsidierte.
Dieter Lipp (parteilos), Präsident der örtlichen Geschäftsprüfungskommission, teilt ein Stück weit die Erwartungen vieler Beobachter: «Ich rechne damit, dass Hannes Schweizer Stimmen macht im ersten Wahlgang. Ob es deshalb zu einem zweiten Wahlgang kommt, kann ich nicht beurteilen.» Aber er gehe davon aus, dass Schweizer vor einem zweiten Wahlgang bekannt gebe, dass er nicht als Präsident zur Verfügung stehe. Lipp: «Alles andere würde mich massiv überraschen.»

Was sagt Schweizer selbst? «Das ist alles so unrealistisch, dass ich es mir nicht mal überlegt habe.» Er sei zwar bekannt in Oberdorf, aber kein Überflieger, wie auch der zweite Wahlgang in den Gemeinderat gezeigt habe. Vielleicht würden ein paar Stimmen auf ihn fallen, mehr nicht, meint Schweizer bescheiden. «Meine Prognose ist, dass Piero Grumelli im ersten Wahlgang mit einem guten Resultat gewählt wird. Alles andere wäre eine Überraschung.»

Er sieht sich als teamfähiges Alphatier

Und falls die Überraschung einmal mehr Tatsache wird und er ein gutes Resultat macht? Schweizer: «Dann würde ich meine politische Erfahrung einbringen und mit den beiden Kandidaten zusammensitzen, damit es im zweiten Wahlgang zu einer Einer-Kandidatur kommt.» Er freue sich jetzt aufs neue Team. Wenn das gut aufgestellt sei, und davon gehe er aus, sei die Rolle des Präsidenten auch nicht so wichtig.
Auf seinen Hang zu Präsidien angesprochen, meint er: «Ich streite nicht ab, dass ich diese immer angestrebt habe. Aber das ist in der jetzigen Ausgangslage sicher nicht der Fall. Ich kann mich ebenso gut in ein Team einfügen.»

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Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

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