Der Parkplatz ist an diesem heissen Freitagnachmittag zu etwa zwei Dritteln gefüllt. «Nicht viel los», lautet der erste Gedanke, der aber ziemlich schnell revidiert wird. Kaum hat man den Eingang des Campingplatzes Kaiseraugst im Blick, zeigt sich, dass mehrere Menschen eine kleine Schlange bilden. Als sich das Duo von der Presse bei Lynne Demarmels anmeldet, muss diese erst einmal tief durchatmen und sagt mit gespielter Entrüstung: «Es ist Mitte Juli! Glaubt ja nicht, dass wir auf dem Foto lächeln werden!»

Das «Wir» steht für Lynne und Reto Demarmels. Seit 13 Jahren führen die beiden das «Camping und Schwimmbad am Rhein». Voll ist für Reto Demarmels was anderes. Der Bündner zeigt auf eine Grünfläche in der Nähe des Beizli: «Hier müssten Zelte stehen! Erst wenn man kein Grün mehr sieht, ist eine Menge los!» 

Eine ruhige Kugel schieben geht im Sommer nicht

Eine ruhige Kugel kann das Ehepaar Demarmels aber auch an solchen Tagen nicht schieben. Reto Demarmels: «Wir arbeiten sechs Monate am Stück, sieben Tage die Woche, fünfzehn Stunden am Tag.» Bei so viel Präsenzzeit kennt er natürlich die drei Arten von Menschen, welche in die «Gülle» – so nennen Einheimische das «Camping und Schwimmbad am Rhein» – kommen: «Stammgäste, die ihre Wohnwagen über einen längeren Zeitraum hier abstellen, Passanten, die kommen und gehen, und Einwohner, die ihre Ferien hier verbringen.»

Mit diesen drei Kategorien im Hinterkopf beginnt der Streifzug über den Campingplatz. Während im Rhein nur eine Handvoll Leute baden, sind es im Pool deutlich mehr – vor allem kleinere Kinder mit ihren Eltern. Ein Teil des Platzes befindet sich nicht unten am Ufer, sondern etwas erhöht neben einem Fussballfeld. Dort geht es etwas lauter zu, was an rund zwei Dutzend Jugendlichen liegt: Sie schlagen sich die Zeit vor dem Besuch in Augusta Raurica mit einem Gesellschaftsspiel tot. Der Besuch von der Zeitung ist eine willkommene Abwechslung, fast alle haben etwas mitzuteilen. Schliesslich «gewinnen» Amir Naftchikohan und Paul Pröbius die interne Ausscheidung.

Die Teenager erklären, dass ihre Gruppe aus zwei Lateinklassen des Otto-Hahn-Gymnasiums in Nagold bei Stuttgart besteht, die eine Exkursion macht und die Nacht auf dem Campingplatz verbringt. Den Schülern aus dem Nachbarland gefällt es in der Schweiz und auf dem Campingplatz in Kaiseraugst. Lediglich, dass sie nicht im Rhein schwimmen dürfen, bedauern sie. Die Information, dass in diesem Jahr bereits vier Menschen im Rhein ertrunken sind, hat auch nicht die gewünschte Wirkung. «Die Zehn machen wir heute Abend voll», witzelt Amir.

Unten am Rhein hat Martin Kiefer sein Zelt aufgebaut und cremt Sohn William ein. «Ich freue mich vor allem auf die Rutschbahn», sagt der Viereinhalbjährige. Die beiden Münchensteiner sind zum ersten Mal hier. «Wir haben nur Gutes gehört», erzählt Martin Kiefer.

Ruhiger geht es im Teil bei den Wohnwagen zu

Noch eine Spur ruhiger geht es im Teil mit den Wohnwagen zu. Im Schutz der Markisen relaxen die Leute bei einem kühlen Getränk und einem Karten- oder Würfelspiel, so auch die Pawliks aus Basel. Das freundliche Ehepaar bietet den Fremden sofort eine Sitzgelegenheit und etwas zu trinken an. Die Pawliks sind offenbar die richtige Adresse, um mehr über das Leben auf dem Campingplatz in Kaiseraugst zu erfahren.

«Ich komme seit 46 Jahren hierher», verrät Priska Pawlik. Ehemann Lukas kommt nur auf 21 Jahre, weiss aber, wieso sie jedes Weekend hier verbringen: «Es ist ein Stück Ferien in der Nähe von zu Hause.»

Unter dem Wochenaufenthaltern ist das Verhältnis prima, bestätigen die Pawliks. «Alle kennen sich. Ab und zu legen wir abends die Tische zusammen und haben es gemütlich», berichtet Priska Pawlik, die einen Ruf als schwimmende Kellnerin geniesst. Die Schwimmlehrerin serviert nämlich hin und wieder den Badenden im Rhein mit dem Tablett Kaffee.

«Es ist ein ruhiger Ort, und wenn man mal nicht grillieren will, gibt es im Beizli feines Essen», nennen die Pawliks weitere Gründe, die sie jedes Wochenende von Basel nach Kaiseraugst locken. Und sie sind bei weitem nicht die Einzigen: Gemäss Reto Demarmels haben derzeit 37 Dauermieter ihren Wohnwagen auf dem Campingplatz parkiert.