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Therwil: Die Stadt, die gerne ein Dorf bleiben will

Therwil (hier die römisch-katholische Kirche) ist seit kurzem eine Stadt.

Therwil (hier die römisch-katholische Kirche) ist seit kurzem eine Stadt.

Seit kurzem hat Therwil 10'000 Einwohner und darf sich nun theoretisch Stadt nennen. Doch Gemeindepräsident Reto Wolf wird weiterhin mit Stolz den Titel Gemeindepräsident tragen.

Die Gemeinde Therwil hat seit kurzem 10'000 Einwohner und darf sich nun offiziell Stadt nennen. Ganz glücklich mit dem neuen Status ist Gemeindepräsident Reto Wolf aber nicht. Im Gespräch erklärt der Betriebsökonom, weshalb Therwil unbedingt ein Dorf bleiben möchte. Und wie seine Gemeinde auch in Zukunft für Zuzüger attraktiv bleiben soll.

Herr Wolf, bezeichnen Sie sich ab jetzt als Stadtpräsidenten?

Reto Wolf: Nein, ich werde weiterhin mit Stolz den Titel Gemeindepräsident tragen. Therwil ist zwar theoretisch eine Stadt, im praktischen Leben haben wir jedoch das Ziel, ein Dorf zu sein. Bei einer Diskussion im Gemeinderat waren kürzlich alle dieser Meinung.

Weshalb möchte die Gemeinde Therwil ein Dorf bleiben?

Das ist unser Erfolgsrezept. Anlässe wie das Public Viewing während der Fussball-Weltmeisterschaft in Brasilien lassen sich in einem Dorf einfach besser realisieren als in einer Stadt. Ich muss zugeben, dass sich der Grossteil der Therwiler Einwohner nicht für das dörfliche Leben interessiert. Es gibt allerdings eine Kerngruppe, die sich regelmässig engagiert und so für Vielfalt sorgt.

Ist es nicht so, dass das Dorfleben nachlässt, wenn immer mehr Menschen nach Therwil ziehen?

Es wird auf jeden Fall schwieriger werden, das dörfliche Leben zu erhalten. In einem kleinen Dorf reicht es, wenn nur wenige Vereine aktiv sind. In einer grösseren Gemeinde wie Therwil braucht es hingegen auch den Einsatz der Einwohnergemeinde, sowohl der Verwaltung als auch des Gemeinderats, um dieses Ziel zu erreichen.

Was unternehmen Sie, damit die Zuzüger keine Schlafgemeinde vorfinden?

In gewisser Weise ist Therwil schon eine Schlafgemeinde. Von unseren 10'000 Einwohnern sieht man 8000 nie. Damit das Dorf nicht als Schlafgemeinde wahrgenommen wird, bestärken wir unsere Vereine und Organisationen in all ihren Aktivitäten. Wir stellen unter anderem die Sportanlagen umsonst zur Verfügung. Ausserdem unterstützen wir immer wieder Aktivitäten der Vereine finanziell und personell. Dadurch helfen wir ihnen dabei, mit ihren Veranstaltungen die Vereinskasse zu füllen. Wir möchten bürgernah sein, was ein weiterer Grund dafür ist, dass ich mich nicht Stadtpräsident nennen werde. Dieser Ausdruck impliziert für mich eine Distanz zu den Einwohnern. Ich will auf keinen Fall künstliche Hürden kreieren, nur weil Therwil Stadtstatus erlangt hat.

Es gibt aber auch das Gegenteil. Laufen als weit von Basel entfernte Gemeinde pocht darauf, Stadt genannt zu werden. Wie erklären Sie sich diese unterschiedliche Haltung?

Laufen hat bekanntlich das Stadtrecht und war schon immer das Zentrum der umliegenden Gemeinden. Deshalb berufen Sie sich auch noch heute darauf und sind stolz, eine historische Stadt zu sein. Auch Therwil hatte lange Zeit eine ähnliche Zentrumsfunktion inne. Mit der wachsenden Mobilität nach Basel verwischte sich diese aber immer mehr.

Vor welche Herausforderungen stellen die Zuzüger die Gemeinde Therwil?

Einerseits müssen wir ihnen Infrastruktur zur Verfügung stellen. Andererseits ist unsere Infrastruktur mittlerweile so gross, dass wir immer neue Zuzüger benötigen. Gemeinden wie Therwil sind auf Wachstum angewiesen. Momentan bauen wir mit dem Wilmatt-Schulhaus eine weitere Schule, in die dann während Jahrzehnten genügend Schüler gehen sollen.

Wie kann Therwil seine Attraktivität als Wohngemeinde weiter erhöhen?

Wenn man die Situation im Leimental betrachtet, hinkt Therwil bei den familienergänzenden Schulangeboten den anderen Gemeinden ein wenig hinterher. Wir sind seit einiger Zeit daran, diese Lücken zu schliessen und den Vorsprung der anderen Gemeinden mit grossen Schritten aufzuholen. Ich bin sicher, dass wir in wenigen Jahren vergleichbare Angebote wie Bottmingen und Binningen haben werden. Familien sind die guten Steuerzahler von morgen, weshalb wir darauf angewiesen sind, dass sie sich bei uns niederlassen. Im Vergleich zu anderen Gemeinden haben wir aber bereits heute sehr viele gute Steuerzahler. Das gibt der Gemeinde Stabilität.

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