Wie gross ist Ihre Enttäuschung?

Thomas de Courten: Für mich persönlich habe ich ein respektables Resultat erzielt, auch wenn es nicht gereicht hat. Die Ausgangslage war ungünstig, weil die SP nicht in der Regierung war und das Konkordanz-Argument beim Baselbieter Stimmvolk sehr viel zählt. Das Volk hat sich für Kathrin Schweizer entschieden. Das respektiere ich.

Waren Sie nicht zu wenig aktiv im Wahlkampf?

Ich bin seit September im Kanton unterwegs, war im Herbst an allen Parteiversammlungen, im Winter mischte ich mich auf den Weihnachtsmärkten unters Volk, im Frühling machte ich bei den Standaktionen vom Laufental bis ins Oberbaselbiet mit. Ich habe versucht, mein Bestes zu geben. Mehr Präsenz war fast nicht möglich. Ich muss mir keinen Vorwurf machen. Ein nächstes Mal würde ich es wieder genau gleich machen.

SVP-Präsident Oskar Kämpfer sagt, die Gender-Frage sei wohl entscheidend gewesen. Waren Sie der falsche Kandidat zur falschen Zeit?

Nein. Ich wurde von der SVP-Parteiversammlung einstimmig nominiert. Es gab wohl mehrere Faktoren, die zur Niederlage beigetragen haben. Kathrin Schweizer konnte sicher vom Gender-Bonus profitieren, doch die politische Grosswetterlage spielte auch hinein. Wahrscheinlich muss man einsehen, dass es auch mit einer anderen Kandidatur nicht gereicht hätte.

Sind Sie am Ende doch auch über Ihr Hardliner-Image gestolpert?

Wenn man mal in so einer Schublade drin ist, muss man versuchen, wieder rauszukommen. Aber da es in jedem Interview von allen Medien bei allen Anfragen immer wieder dieses Stichwort gab, musste ich irgendwann akzeptieren, dass ich diese Etikette nicht mehr wegbekomme. Natürlich nervt das. Ich versuchte, es umzumünzen: Für mich bedeutete es, dass ich verlässlich und gradlinig bin. Es wurde mir durchaus auch angerechnet, dass ich mich nicht verbogen haben.

Können Sie diese Niederlage besser verdauen, weil Sie jetzt den Fokus wieder auf Bundesbern richten können?

Wenn man für so ein Amt kandidiert, muss man immer vor Augen haben, dass es eine Wahl oder eine Nicht-Wahl geben kann. Wer sich zu stark darauf versteift und sein Leben von einer Wahl abhängig macht, dürfte bittere Momente erleben. Bei mir gibt es immer einen Plan B, immer ein Morgen. Ich atme jetzt zwei-, dreimal durch, fasse neuen Mut, setze neue Ziele für den Herbst und steuere mit voller Kraft darauf zu.

Sehen Sie nun Ihren Nationalratssitz stärker gefährdet?

Ich werde alles geben, dass es reicht, aber sicher kann ich mir nicht sein. Der Wähler entscheidet und das ist gut so. Ich finde, dass ich in Bern einen soliden Job mache fürs Baselbiet und meine Qualitäten gut einbringe. Diese hätte ich auch gerne in der Regierung eingebracht, doch nun werde ich es eben weiter in Bern tun.