Corona

Thomas Weber führt den Alleingang bei der Maskenfrage fort – und erntet Kritik

Thomas Weber vertraut weiterhin auf die Eigenverantwortung der Bevölkerung. Bild: Kenneth Nars

Thomas Weber vertraut weiterhin auf die Eigenverantwortung der Bevölkerung. Bild: Kenneth Nars

Der Gesundheitsdirektor entschied sich am Mittwoch gegen eine sofortige Einführung der Maskenpflicht in Läden. Das führt zu Diskussionen.

Ist es Zeit für eine Verschärfung? Welche Massnahmen sind angebracht? Wie hoch darf der Preis sein? Diese Fragen rund um die wieder ansteigenden Corona-Fallzahlen spalten momentan die Gesellschaft.
Am Mittwoch gab Gesundheitsdirektor Thomas Weber bekannt, dass Baselland mit der Einführung von Masken in Läden noch zuwartet.

Die Nachricht löste heftige Reaktionen aus. Auf Twitter entflammte eine Debatte über die Sinnhaftigkeit dieses Entscheids. Im Grunde gibt es drei Lager: Die eine Seite bejubelt die zurückhaltende Strategie des Kantons, die andere Seite kritisiert den Nichtentscheid der Regierung auf Schärfste. Und die dritte Gruppe vertraut darauf, dass der Kanton weiss, was er tut.

Entscheid des Kantons als Gipfel der Absurdität

Zur Kategorie zwei gehört SP-Landrat Jan Kirchmayr. Auf Twitter fordert er eine Maskenpflicht analog zum Stadtkanton. Das Vorgehen von Weber bezeichnet er als Gipfel der Absurdität. «Herr Weber scheint nicht verstanden zu haben, dass die Situation ernst ist.»

Damit bezieht er sich auf eine Aussage Webers an der Pressekonferenz vom Mittwoch. Der Regierungsrat appellierte an die Eigenverantwortung der Bürger. Um das zu veranschaulichen, zog er einen Vergleich: So sei es zwar sinnvoll, im Winter einen Mantel zu tragen, eine Mantelpflicht müsse man deshalb auch nicht einführen. «Das ist nicht lustig», findet Kirchmayr.

Ganz anders sieht es Nicole Roth von der Jungen SVP: «Richtige Entscheidung», schreibt sie auf Twitter. «Ich bin Stand heute gegen eine flächendeckende Maskenpflicht in Läden», sagt die Pflegefachfrau. Unter anderem, weil viele ihre Maske gar nicht genug waschen würden oder falsch tragen.

Der offene Brief

Auch das Gesundheitsdepartement erhielt gemischte Reaktionen auf ihren Entscheid. Die Mails der Befürworter und der Kritiker würden sich etwa die Waage halten, sagt Mediensprecher Rolf Wirz.

Den Appell an die Eigenverantwortung unterstreicht die Baselbieter Regierung mit einem offenen Brief. «Sind wir zu nachlässig geworden?», richtet sie die Frage an die Bevölkerung. Und mahnt: «Besinnen wir uns doch alle auf die einfachsten und wirkungsvollsten Massnahmen – Abstand, Handhygiene, Alltagsmaske – also AHA.» Eigenverantwortliches AHA ist für den ehemaligen Juso-Co-Präsidenten Nils Jocher zu wenig: «Andere Kantone ergreifen umfassende Massnahmen. Der Bananenkanton Baselland schreibt einen offenen Brief», kritisiert er auf Twitter.

Lukas Engelberger fordert nationale Maskenpflicht

Lukas Engelberger, Vorsteher des Gesundheitsdepartements Basel-Stadt und Präsident der Gesundheitsdirektoren, sprach sich gestern für eine nationale Maskenpflicht aus. Alle Kantone seien gefordert, ihre Massnahmen anzupassen, sagte er nach einem Treffen mit dem Bundesrat. Ist das eine Kritik an der zurückhaltenden Strategie des Nachbars? Das Baselbieter Gesundheitsdepartement empfindet das nicht so. «Wir haben das gleiche Ziel», sagt Rolf Wirz. «Diskrepanzen gibt es bei der Umsetzung. Die Voraussetzungen in den Kantonen sind aber unterschiedlich.»

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