Die Baselbieter Polizei ist derzeit wegen ihrer Zusammenarbeit mit der Militärpolizei in den Medien omnipräsent. Wer nun am Montagabend in Sissach beim Auftakt der polizeilichen Informationsoffensive zur Einbruchsprävention ein Abbild der medialen und politischen Aufgeregtheit erwartete, lag jedoch völlig falsch.

Die rund 70 Besucher der ersten von sechs öffentlichen Veranstaltungen mit einem Durchschnittsalter irgendwo über 60 interessierten sich schlicht nicht für den Militärpolizei-Einsatz. Ihre Anliegen drehten sich in der Fragerunde vielmehr um ihre persönliche Sicherheit.

Denn auch in Sissach, wo zwar mehr, aber im Vergleich zu den Unterbaselbieter Hotspots relativ wenig eingebrochen wird, fühlen sich offensichtlich viele nicht mehr sicher in ihren vier Wänden.

Dass der Informationsabend trotzdem nicht zu einem tierisch ernsten Anlass wurde, dafür sorgte Beat Krattiger mit seinem kabarettistischen Potenzial. Doch die Fakten, die der Sicherheitschef der Baselbieter Polizei den Zuhörern auftischte, waren weniger lustig.

Einbrecher kommen ab 16 Uhr

Im Baselbiet wurde in diesem Jahr bis Ende September 1665-mal eingebrochen. Das sind 80 Prozent der letztjährigen Einbrüche und die dunklen, einbruchsintensiven Monate stehen erst bevor. Und die letztjährigen Einbrüche stellten schon einen Rekord seit 1999 dar.

Krattiger sagte denn auch: «Wir werden die Schallgrenze von 2000 Einbrüchen in diesem Jahr gut erreichen.» Aber auch in den Nachbarkantonen nahmen die Einbrüche zu, was laut Krattiger mit der Grenzlage zu Deutschland und vor allem zu Frankreich zu tun hat.

Basel-Stadt und Baselland liegen mit 11 respektive 7,3 Einbrüchen pro 1000 Einwohner denn auch deutlich höher als etwa die Innerschweiz mit etwas mehr als zwei.

Zum Vorgehen der Täter zeichnete Krattiger folgendes Muster: Ab 16 Uhr kundschaften die Einbrecher meist zu zweit oder zu dritt ihr Einsatzgebiet aus, überwachen es danach beispielsweise auf Polizeibewegungen, brechen «zackig» ein – die meisten Einbrüche gehen nicht länger als 20 Minuten – und blasen zum Rückzug.

Dabei übergeben die Einbrecher die Beute an Hehler, die sie umgehend wegschaffen. So kommt es, dass zum Beispiel in Sissach gestohlener Goldschmuck 24 Stunden später in Frankreich ein eingeschmolzener Goldklumpen ist, bei dem nichts auf die Herkunft deutet.

Täter sind zu 47 Prozent Schweizer, zu 53 Prozent Ausländer. «Am meisten zu schaffen machen uns gegenwärtig bei den Einbrüchen die Rumänen», sagte Krattiger. Neuralgische Punkte bei Einbrüchen sind bei Mehrfamilienhäusern Haustüren, bei Einfamilienhäusern Fenstertüren, gefolgt von ebenerdigen Fenstern.

Beim Werkzeug kommt eine breite Palette vom Schraubenzieher bis zum Vorschlaghammer zum Einsatz, wobei oft auch Alarmanlagen die Einbrecher nicht abhalten können.

Dem Bauchgefühl vertrauen

Allerdings ist man nicht ganz machtlos. Krattiger: «Die meisten Täter geben auf, wenn sie nicht innerhalb von zwei bis fünf Minuten ins Gebäude kommen, weil sie das stresst.» Fenster- und Türsicherungen, die zwar keine unüberwindbaren Hindernisse sind, aber einen Einbruch erschweren, ergeben deshalb durchaus Sinn; die Polizei bietet eine kostenlose Beratung an.

Im Weitern empfiehlt Krattiger das in Amerika und Australien weitverbreitete Modell der «Neighborhoodwatch»: Dabei stellen Leute Schilder in den Garten, in denen sie darauf hinweisen, dass sie die Nachbarschaft im Auge halten und bei verdächtigen Beobachtungen die Polizei informieren.

Dazu trichterte Krattiger dem Publikum ein: «Sie kennen Ihr Umfeld und Quartier am besten. Informieren Sie umgehend die Polizei, wenn Ihr Bauchgefühl sagt, dass etwas nicht stimmt.» Auch unter Einbruchsprävention subsumierte der Polizeimajor ein altbewährtes, aber etwas in Vergessenheit geratenes Mittel: «Kaufen Sie sich einen Hund.» Doch nicht immer fruchten die Tipps: Bei Krattiger selbst wurde schon zweimal eingebrochen.