Langenbruck

Töff-Pfarrer: «Die verstaubte Kirche ist ein Klischee»

Torsten Amling, Pfarrer in Langenbruck: «Mein Motorrad ist eher für gemütliches und genussvolles Fahren.»

Torsten Amling, Pfarrer in Langenbruck: «Mein Motorrad ist eher für gemütliches und genussvolles Fahren.»

Kirchenlieder werden keine gesungen, dafür spielt eine Bluesrockband. Weshalb Pfarrer Torsten Amling am kommenden Sonntag Motorradfahrer zum Töff-Gottesdienst nach Langenbruck einlädt.

Herr Amling, ist Töfffahren eine Religion?

Torsten Amling: Für mich persönlich nicht, ich mache das nebenbei. Aber es kann religiöse Züge haben, wie Fussball auch. Es gibt bestimmte Gewänder, die man anzieht, es gibt bestimmte Rituale. Auf der ganzen phänomenalen Ebene findet man zweifellos Übereinstimmungen. Es gibt Leute, für die das Motorradfahren auch Lebensinhalt ist. Da kann man sagen, es nimmt religiöse Züge an. 

Sie selber sind Motorradfahrer. Ihr Gefühl während einer Fahrt?

Es ist einfach ganz anders, anders als in einem Auto, weil man dem Verkehr und Fahrtwind viel näher ausgesetzt ist. Beim Töfffahren muss ich bezüglich Fahrtechnik viel präsenter sein. Man nimmt die Strasse und das, was auf ihr und abseits geschieht, intensiver wahr. Ich fahre anders in Kurven und kann nicht so lange zur Seite blicken. 

Weshalb organisieren Sie am Sonntag einen Töff-Gottesdienst?

In Deutschland habe ich solche Anlässe schon ein paar Mal durchgeführt. Das wurde damals an mich herangetragen. Die Leute hier haben davon erfahren. Ich wurde gefragt, überlegte mir die Sache und sagte zu. Es ist toll, dass wir mit dem Hofgut Spittel einen Bauernhof gefunden haben, der dafür die nötige Infrastruktur und Logistik bietet. 

Das wird ziemlich anders sein als in der Kirche.

Es wird ein ungezwungener Anlass – ohne Kirchenlieder, dafür mit einer Bluesrockband. Der Gottesdienst besteht aus den Wortteilen, die man kennt. Die Predigt richte ich auf die Motorradfahrer aus. Danach folgt eine gemeinsame Ausfahrt, anschliessend steht das Mittagsbuffet bereit. Die Leute müssen auch Zeit haben, gegenseitig ihre Motorräder anzuschauen. Dieses Konzept hat sich nach meinen Erfahrungen bewährt. 

Ist diese Art Gottesdienst ein Schritt, um vom verstaubten Image der Kirche wegzukommen?

Für mich ist die verstaubte Kirche ein Klischee. Dieses Bild tradiert sich bei Leuten, die schon lange nicht mehr in der Kirche gewesen sind. Regelmässige Gottesdienstbesucher stellen fest, dass sich die Kirche in den letzten Jahrzehnten genauso gewandelt hat wie die Gesellschaft. Mit dem Töff-Gottesdienst verfolge ich keinen konkreten Zweck. Wir müssen nichts präsentieren oder beweisen. Derartige Gottesdienste sind hier in der Region zwar nicht verbreitet, aber auch nicht neu. In anderen Teilen der Schweiz gibt es einige. In Hamburg kommen jedes Jahr zehntausend Teilnehmer. Ich weiss, dass viele Motorradfahrer im weitesten Sinne auch christlich geprägt sind und mit solchen Sachen etwas anfangen können. Es gibt sogar eine Biker-Bibel.

Sie führten früher während ihrer Tätigkeit als Militärpfarrer in der deutschen Bundeswehr Töff-Gottesdienste durch. Was erwarten Sie vom Gottesdienst, der in der Region eine Premiere ist?

Das Potenzial ist da, aber das Wetter wird entscheiden. Ich bin Pragmatiker und freue mich, wenn die Leute kommen und Spass haben, sich zu begegnen. Das reicht mir schon. Töfffahrer sind privilegiert: Sie können sich eine Maschine leisten, und trotzdem schleppt jeder von ihnen auch kleine und grosse Sorgen und Probleme mit sich herum. Sie stehen vor den gleichen Lebensfragen wie alle anderen.

Das ausführliche Interview lesen Sie am Samstag in der bz.

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