Velohochbahn

Totgeglaubte leben länger: Wird das beerdigte Baselbieter Projekt doch noch gerettet?

Diesen Prototypen in Originalgrösse bauten die Firmen Urb-X und Häring.

Diesen Prototypen in Originalgrösse bauten die Firmen Urb-X und Häring.

SVP-Landrat Andi Trüssel will das umstrittene Projekt der Baselbieter Velohochbahn nicht aufgeben. Er weibelt in der Bau- und Planungskommission für seine Motion, die den Übungsabbruch von Baudirektor Isaac Reber rückgängig machen will. Doch neue Verbandelungen lassen zweifeln.

Damit hätten wohl die Wenigsten gerechnet: Da bricht der Baselbieter Baudirektor Isaac Reber vor drei Wochen das Pilotprojekt einer Velohochbahn ab, weil der Vorwurf der Vetternwirtschaft zu schwer wiegt und nun könnte genau dieses Projekt doch noch realisiert werden. SVP-Landrat Andi Trüssel bestätigt Informationen der bz, wonach er eine Motion vorbereitet hat, die den Übungsabbruch rückgängig machen will.

Am kommenden Donnerstag möchte Trüssel die Mehrheit der Bau- und Planungskommission (BPK) für sein Anliegen gewinnen. Der BPK-Vizepräsident liess das Thema offiziell für die Kommissionssitzung traktandieren. Und es geht Trüssel nicht etwa um eine von vielen Seiten geforderte offene Ausschreibung. Er möchte die von der Firma Urb-X zusammen mit dem Holzbauunternehmen Häring entwickelte beheizte Holzhochbahn – und das rechtzeitig zum Eidgenössischen Schwingfest (Esaf) 2022 in Pratteln.

«Mir geht es nicht um Christoph Häring, Klaus Kirchmayr, Bálint Csontos oder Isaac Reber, sondern als Ingenieur und Landrat darum, dass eine Baselbieter Innovation auch bei uns gebaut werden sollte», sagt Trüssel. Und das Esaf biete die einmalige Gelegenheit, dass innert weniger Tage Hunderttausende die Pilotstrecke erleben könnten.

Ein anderer SVPler zeigt sich bereits skeptisch

Von den Filz-Vorwürfen gegen die Grünen Reber, Kirchmayr und Csontos oder gegen die SVPler Häring und Thomas Weber hält der Frenkendörfer herzlich wenig: «Die letzte Fragestunde im Landrat ging mir auf den Geist. Endlich haben wir einen Baudirektor, der sein Metier versteht und Unternehmer, die mit ihrem eigenen Geld einen Prototypen gebaut haben. Und dann soll das im Baselbiet nicht möglich sein?» Dass die Sache nun vielleicht von der Geschäftsprüfungskommission (GPK) untersucht wird, wie GPK-Präsident Hanspeter Weibel in der bz empfahl, schreckt Trüssel nicht ab: «Soll die GPK es ruhig untersuchen. Sie wird garantiert nichts finden.»

Sein Ziel ist, dass seine Motion zu einem Kommissionsvorstoss der BPK wird. Denn: «Findet mein Vorstoss dort eine klare Mehrheit, dann bringen wir ihn auch im Landrat durch.» Leicht wird es nicht. «In der BPK oder im Landrat wird es der Vorstoss schwierig haben», prophezeit BPK-Präsident Urs Kaufmann. Der Sozialdemokrat zeigt sich «überrascht, dass es noch Landräte gibt, die glauben, das Projekt wiederbeleben zu können».

Trüssel hofft, seine zwei SVP-Kollegen und die beiden Grünen-Mitglieder der BPK auf seiner Seite zu haben. Auch bei Rolf Blatter von der FDP sei er sich sicher. Das wären aber erst sechs von 13 Stimmen. Und wie Gespräche der bz zeigen, bröckeln selbst diese: «Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass diese Velohochbahn nachhaltig wäre», sagt SVP-Landrat Matthias Ritter. Er wolle sich Trüssels Ausführungen anhören, doch sei er immer skeptisch, wenn Land überbaut wird. «Die Bahn bräuchte ja alle 20 Meter ein Betonfundament. Das Land wäre also für die Landwirtschaft verloren.»

FDPler Blatter dafür, doch sein Sohn arbeitet bei Urb-X

Bei Rolf Blatter täuscht sich Trüssel nicht: «Ich stehe dem Anliegen positiv gegenüber», sagt er. Als Ingenieur fände er das innovative Projekt sehr spannend. Blatter weiss allerdings, dass sich neben der SP vor allem die FDP als bisher vehementeste Kritikerin vorgetan hat. «In der Tat stehen wir bei diesem Thema nicht geschlossen da», sagt Blatter. Dass der Aescher ausschert, überrascht im Landrat nicht alle: Blatters Sohn arbeitet bei der Urb-X AG von Kirchmayr und Csontos. «Ich kann nachvollziehen, dass man wegen meines Sohnes nachfragt. Weniger Verständnis habe ich, sollte dies wirklich als Problem angesehen werden.» Blatters Sohn studiere an der ETH und helfe Urb-X im Nebenjob bei der Informatik.

Ob Trüssel die Motion auch ohne BPK-Mehrheit selbst einreicht, wisse er noch nicht. Jemand würde sich auf alle Fälle freuen: Christoph Häring. Der alt SVP-Landrat und Trüssel kennen sich gut. Häring sagt im Namen der Häring AG, aber auch für Urb-X: «Es wäre doch am besten, wenn die Velobahn dort entstünde, wo auch die Innovation herkommt.» Häring warnt allerdings: «Wenn nicht noch dieses Jahr ein Entscheid fällt, wird es fürs Esaf sehr knapp. Im Mai 2021 müssen wir mit der Arbeit beginnen können. Das wäre eine Challenge, doch wir wären bereit dazu.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1