Konflikt

Traditionskino Oris in Liestal macht vorerst dicht

Kino Oris in Liestal.

Kino Oris in Liestal.

Die Vermietergesellschaft des grössten Baselbieter Kinos, die Kinooris AG, hat wegen Überschuldung die Bilanz deponiert. Noch ist unklar, wie lange das laufende Kinoprogramm fortgeführt werden kann und ob es einen Neustart am gleichen Ort gibt.

Dieser Wochenbeginn scheint ein trauriger zu sein; für die Baselbieter Kinoszene, für das Liestaler Traditionshaus Kino Oris und insbesondere für Hansjörg Beck. Seit 15 Jahren betreibt der Wohlener das 1957 gebaute Kino in der Baselbieter Kantonshauptstadt, das er damals zusammen mit seinem Bruder vom früheren Betreiber übernommen hatte. Vor einem Jahr unternahm er als Mitaktionär und Geschäftsleitungsmitglied der neuen Vermietergesellschaft Kinooris AG einen spektakulären Neustart und Umbau. Doch jetzt, ein Jahr nach dem Neuanfang am 1. November 2015, droht das abrupte Ende.

«Nach 15 erfolgreichen Jahren muss die Cinemotion GmbH leider den Betrieb des Kino Oris in Liestal in den nächsten Tagen einstellen», kündgt Beck auf der Oris-Homepage an und schiebt die Schuld für den drastischen Schnitt dem Vermieter Ulrich Beyeler und dessen Kinooris AG zu. Während er selber mit der Cinémotion GmbH das Oris gewinnbringend betrieben habe und schuldenfrei sei, habe die Vermieterin Kinooris AG immer mehr Schulden angehäuft. Als schliesslich anfangs Monat die Kinooris AG die Bilanz deponieren musste, habe Beck sich entschlossen, die Konsequenzen zu ziehen: «Die sich in Schieflage befindliche Kinooris AG mit Verwaltungsratspräsident Beyeler schuldet uns noch eine erhebliche Summe Geld. Wir sehen daher davon ab, mit dieser Person ein neues Vertragsverhältnis einzugehen.»

Kinoapparate werden demontiert

Laut Beck, seit 30 Jahren Profi-Cineast, sehen die nächsten Schritte so aus: «Sobald der Konkurs eröffnet ist, besteht unser Mietvertrag nicht mehr, und wir können das Kino nicht weiterbetreiben. Die komplette Kinoeinrichtung ist Eigentum der Cinémotion GmbH und wird nun in den nächsten Tagen demontiert.» Ein neuer Anlauf mit einem anderen Kino-Standort im Kanton Baselland komme für den Aargauer nicht infrage.

Allerdings möchte Beck das Oris im besten Familienkino-Monat Dezember noch möglichst lange offenhalten, um finanziell zu retten, was zu retten ist. Der letzte Vorhang soll erst fallen, wenn die Konkursbehörden den Stecker ziehen. Wer im Kino Oris noch ein letztes Mal einen Film sehen möchte, soll das Wochenprogramm auf der Homepage www.oris-liestal.ch und die aktuellen Mitteilungen beachten.

«Das Kino geht weiter»

Droht jetzt wirklich das definitive Aus des Kinos Oris, des grössten von nur noch drei verbliebenen Kinobetrieben im Landkanton (die anderen beiden sind das Kino Sputnik im Liestaler Kulturhaus Palazzo und das Kino Palace in Sissach)? Der Hausbesitzer Ulrich Beyeler sagt Nein: «Das Kino wird weiter gehen.»

Zwar bestätigt Beyeler, dass die Kinooris AG die Bilanz deponieren musste und wahrscheinlich als Aktiengesellschaft vor dem Ende steht. Ebenso, dass einer von drei Mitarbeitenden im Bar-Betrieb per Ende Monat gekündigt werden musste. Doch für Beyler ist es nur eine provisorische Schliessung: «Auf die Wünsche der Besucher soll noch besser eingegangen und das Angebot entsprechend erweitert werden. Dafür sind betriebliche Anpassungen notwendig, die in erster Linie den Kinobetrieb betreffen. Dafür muss das Kino ab dem 1.Dezember für einige Zeit geschlossen werden», schreibt Beyeler in einer Stellungnahme.

Der Barbetrieb sei von der Schliessung nicht betroffen «und wird im gewohnten Rahmen fortgeführt und betreut vom bekannten Team. Allerdings werden die Öffnungszeiten unter der Woche leicht angepasst.»

Auf Nachfrage gibt Beyeler an, bereits mit zwei neuen Kinobetreibern in Verhandlungen zu stehen. Je nachdem, für welchen neuen Betreiber er sich entscheidet, werde die Neuausrichtung unterschiedlich ausfallen. Am bisherigen Konzept eines Treffpunkts in Liestal mit Kino und Bar, werde sich aber bestimmt nichts ändern.

 Auf die Vorwürfe von Seiten der Cinémotion GmbH will Ulrich Beyeler nicht näher eingehen. «Ich will keine Schlammschlacht in der Öffentlichkeit. Es bestehen gegenseitige finanzielle Forderungen», so Beyeler. Grundsätzlich sei das erste Betriebsjahr unter seiner Schirmherrschaft ein Erfolg gewesen. Bestimmt werde es auch erfolgreich weitergehen.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1