2008 fuhr pro Richtung alle zehn Minuten ein Tram im Leimental. Schon damals stauten sich am Bahnübergang an der Bahnhofstrasse in Therwil die Autos zu den Stosszeiten. Der Therwiler Landrat Hans-Jürgen Ringgenberg (SVP) schlug deshalb vor, das Tram solle in einer Unterführung unter der Strassenkreuzung fahren. So werde der Autoverkehr darüber wieder rollen.

Im Landrat stiess sein Postulat auf Wohlwollen. Abgeschrieben wurde es nur, weil damals die Südumfahrung Basels, später Elba (Entwicklungsplanung Leimental Birseck Allschwil) genannt, die Verkehrsträger grossräumig entflechten sollte.

Doch das Volk wollte von Elba nichts wissen. Und inzwischen ist die Situation für Autofahrer schwieriger geworden. Das Tram fährt jetzt alle sieben Minuten pro Richtung durch.

Auch die Busse der BLT stecken im Stau

Trotz optimierter Schliesszeiten ist die Schranke fast häufiger unten als oben, und der Verkehr staut sich zeitweise bis nach Reinach. Allenfalls könnte die Verlängerung der Langmattstrasse in Oberwil eine Entlastung im Therwiler Ortskern bringen. Das letzte Wort darüber hat das Baselbieter Stimmvolk. Doch so lange will Ringgenberg nicht warten.

Als letzte Amtshandlungen als Landrat hat er Ende Juni ein ähnliches Postulat eingereicht wie 2008. Der Landrat solle eine Unterführung prüfen, fordert er. «Es ist unabdingbar, den öV-Verkehr und den motorisierten Individualverkehr niveaugetrennt zu führen», schreibt er.

Regelmässig im Stau stecken derzeit auch die Busse der Baselland Transport AG (BLT), wie Ringgenberg in seinem Postulat betont. Das sieht BLT-Direktor Andreas Büttiker als «ein drängendes Problem». Trotzdem ist er gegenüber der Tieferlegung kritisch. Es würde eine unterirdische Tramhaltestelle nötig, «diese sind beim Kunden nicht sonderlich beliebt». Die Rampen fürs Tram würden 800 bis 1000 Meter lang, schätzt er. «Und Therwil will doch nicht einen Burggraben mitten durch den Ortskern.»

Städtebauliche Bedenken hat auch Christian Pestalozzi, Oberwiler Gemeinderat und Präsident der Leimentaler Verkehrskommission. «Was Ringgenberg vorschlägt, ist eine Lösung nur für den motorisierten Individualverkehr», findet er. Ansonsten habe eine Unterführung vor allem Nachteile.

Neben den «exorbitanten Kosten», die der Bau mit sich bringen würde, ruft er in Erinnerung: In den vergangenen Jahren sei beim Therwiler Bahnhof ein Zentrum entstanden. Das sieht er durch den massiven Einschnitt gefährdet.

Dass mehr Verkehr kommt, ist auch keine Lösung

Bei der Diskussion über die Verlängerung der Langmattstrasse äusserte Therwil den Wunsch, den Dorfkern mit Tempo 30 zu beruhigen. Falls der Bahnübergang wegfällt, dürfte dieses Anliegen Vergangenheit sein.

Eine Unterführung immerhin für «prüfenswert» hält Beat Zahno, im Therwiler Gemeinderat zuständig für Raumplanung. Er stellt sich vor, dass über dem unterirdischen Tram Flächen frei würden, die nutzbar würden. Doch wenn ein attraktiver Übergang viel Verkehr von anderswo anziehe, «dann ist das für uns natürlich auch kein Gewinn».