Benevol

Trendwende: Ehrenamtliche Arbeit wird im Landkanton wieder beliebter

Seit Februar leitet die gebürtige Bottmingerin Karin Fäh die Geschicke von Benevol Baselland.

Seit Februar leitet die gebürtige Bottmingerin Karin Fäh die Geschicke von Benevol Baselland.

Die Fachstelle Benevol Baselland sieht eine Trendwende: Trotz geringer Wertschätzung für ehrenamtliche Arbeit, melden sich immer mehr Freiwillige

Das mit der Freiwilligenarbeit ist so eine Sache: «Die öffentliche Wertschätzung für die ehrenamtliche Tätigkeit ist klein. Wer gratis arbeitet oder sich etwa noch selbst ausbeutet, der kann sich keine wirklichen Meriten in einer Gesellschaft holen, die sich mehrheitlich über Höhe des Salärs und Status definiert.» Das sagt Verena Wagner und engagiert sich trotzdem seit Jahrzehnten mehrmals pro Woche für die Umweltschutzorganisation Pro Natura. Nicht zuletzt für ihre eigene Seelenhygiene und Lebenserfahrung, wie die Endfünfzigerin betont.

Karin Fäh, die neue Geschäftsleiterin von Benevol Baselland, zeigt ein weiteres Problemfeld auf: Wo ehrenamtliche und professionelle Arbeit aufeinandertreffen, etwa in Altersheimen, können Spannungen aufgrund unterschiedlicher Arbeitsweisen und Ansichten auftreten; aber auch aufgrund banaler Dinge wie der unterschiedlichen Länge von Pausen.

Liegt darin der Hauptgrund, dass die Freiwilligenarbeit zuletzt aus der Mode zu kommen scheint? Oder doch eher an der zunehmenden Berufsbelastung und allgemein abnehmenden Frustrationstoleranz? Bei all den Vereinen, Verbänden und Organisationen, die teilweise verzweifelt nach helfenden Händen suchen, können die Erklärungsansätze komplett unterschiedlich sein. Bei Benevol Baselland, dem kantonalen Kompetenzzentrum für Freiwilligenarbeit, erkennt man jedenfalls eine Trendwende. «In diesem Jahr konnten wir über 70 Freiwillige vermitteln. Das sind 20 Prozent mehr als im Vorjahr», sagt Geschäftsleiterin Fäh. Dies liege primär am Verein selbst und seiner aktiven Informations- und Öffentlichkeitsarbeit, die auch Anlässe mit runden Tischen oder Standaktionen umfasse.

Interessant ist dabei die Altersstruktur der vermittelten Freiwilligen. Diese bestanden 2019 zu 20 Prozent aus jungen Erwachsenen von 15 bis 24 Jahren, zu 52 Prozent aus Erwachsenen im erwerbsfähigen Alter zwischen 25 und 63 sowie zu 28 Prozent aus Pensionierten.

Mehr Erfolg dank Online-Vermittlung

Es soll noch besser werden. Eine weitere Zunahme der Freiwilligenvermittlung verspricht sich Benevol dank der soeben lancierten Online-Plattform benevol-jobs.ch. Der Unterschied zur bisherigen analogen Vermittlung liegt darin, dass das Beratungsgespräch direkt beim Anbieter stattfinden kann; also beispielsweise im Altersheim, das Freiwillige zur Freizeitgestaltung für Seniorinnen sucht. «Benevol stellt die Vermittlungsplattform zur Verfügung, die Anbieter registrieren ihre Organisation und schalten die Freiwilligeneinsätze online auf. Vor allem ein jüngeres Publikum schätzt diese schnelle Art der Vermittlung», erklärt Fäh. Ihr Ziel sei, im Internet noch viele weitere Freiwilligeneinsätze aus den Bereichen Sport, Kultur und Umwelt anbieten zu können. Gestern Mittwoch suchten auf benevol-jobs.ch 52 Anbieter aus Baselland und 84 aus Basel-Stadt nach Freiwilligen.

Dabei betont Fäh die Wichtigkeit des einführenden Beratungsgesprächs; unabhängig davon, ob dieses in der Benevol-Geschäftsstelle in Liestal, bei der Organisation oder an einem Ort nach Wahl der potenziellen Freiwilligen stattfindet: «Bei den kostenlosen Beratungsgesprächen besprechen wir die Interessen und Erwartungen der Freiwilligen. Es ist wichtig, diese mit den Anforderungsprofilen und Interessen der jeweiligen Engagements zu vergleichen», sagt Fäh. Man müsse transparent informieren, «damit es nicht zu Enttäuschungen kommt.» In aller Regel könne für die sich meldenden Freiwilligen ein passendes Ehrenamt gefunden werden.
Momentan besonders gefragt sei bei Benevol die Mithilfe an Projekten aus den Bereichen Soziales, Gesundheit, Migration und Alter.

Jährlich 26 Millionen Stunden in Baselland

Gerne betonen Freiwilligenorganisationen die Bedeutung der ehrenamtlichen Arbeit für die Gesellschaft. Benevol zählt in der Schweiz jährlich 700 Millionen Stunden an unbezahlten Tätigkeiten. Das Rote Kreuz Baselland berechnet den Wert für die jährlich 47'000 Arbeitsstunden, die seine 800 Freiwilligen leisten, auf 1.4 Millionen Franken, wenn man einen Stundenansatz von 30 Franken heranzieht. Total werden in Baselland laut Benevol Jahr für Jahr rund 26 Millionen Stunden Freiwilligenarbeit geleistet. Die Zeichen stehen gut, dass es 2020 noch mehr werden.

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