«Interessiert es nicht, dass ich im Gefängnis arbeite?», sagte der 19-jährige Verurteilte am Freitag im Gerichtssaal in Muttenz laut und sichtlich frustriert. Gerichtspräsident Beat Schmidli liess sich davon nicht beeindrucken und gab ihm lediglich zu verstehen, dass die Verhandlung beendet sei. Danach fiel dem Verteidiger die Aufgabe zu, dem jungen Mann aus Rumänien mit Hilfe der Übersetzerin das Strafmass zu erklären. Er regte sich darüber auf, dass er eine um zwei Monate höhere Strafe als sein Kumpel erhalten hatte.

Die Verurteilung an sich war keine Überraschung: Beide Männer hatten insgesamt 26 ältere Leute an Bank- und Postomaten überrumpelt und ihnen insgesamt rund 34’000 Franken abgenommen. Ob das je nach Vorgehen im einzelnen Fall als Diebstahl oder eher als «betrügerischer Missbrauch einer Datenverarbeitungsanlage» zu werten ist, sorgte bei den Juristen für viel Knobelei, machte am Ende aber keinen Unterschied.

Der Versuch, einen Rabatt herauszuschlagen

Der 21-Jährige hatte stets zugegeben, in allen Fällen den Chauffeur gespielt, mit dem Auto gewartet und damit seinem Kumpanen zur Flucht verholfen zu haben. Diese Geständigkeit rechneten ihm die drei Richter an, zumal man ihm seine Mitarbeit bei den meisten Delikten wohl nie hätte nachweisen können. Er kam unter dem Strich mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von 22 Monaten davon. Sein Verteidiger sprach von einer Gehilfenschaft, das Gericht ging aber von Mittäterschaft aus. Der 19-Jährige hingegen gab nur zu, was man ihm tatsächlich nachweisen konnte.

Vor Gericht meinte er bei einigen Fällen, wo keine Bilder zur Verfügung standen, es gebe keine Beweise. Sein Verteidiger verlangte eine kurze Pause, danach sagte der 19-Jährige, es sei möglich, aber er wisse es nicht mehr. Seit Dezember 2018 sitzt er in Haft und arbeitet dort in der Küche. Er betonte, er würde gerne eine Lehre machen. Ohne den «Geständigkeits-Rabatt» muss er nun 24 Monate absitzen. Da beide Männer mehrfach wegen ähnlicher Delikte vorbestraft sind, wurden die Strafen unbedingt ausgesprochen. Sie können das Urteil weiterziehen. Die Richter sprachen auch Landesverweise von je fünf Jahren aus.

Bei den ersten Fällen im Oktober 2018 war eine junge Rumänin beteiligt, diese ist allerdings abgetaucht. Vermutlich gehört sie ebenfalls zu einem grossen Clan in Dortmund, ist dort aber nicht gemeldet. Sie ist noch immer zur Fahndung ausgeschrieben.