Im Trinkwasser der Stadt Liestal befinden sich Fäkalbakterien. Dies haben Messungen des kantonalen Amts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen ergeben. Die Bevölkerung wird «dringend» dazu aufgerufen, das Trinkwasser abzukochen, wie aus mehreren Mitteilungen von Kanton und Gemeinden hervorgeht.

Betroffen sind neben Liestal die Gemeinden Arisdorf, Lausen, Seltisberg, Lupsingen und Nuglar-St. Pantaleon, also rund 25'000 Menschen. Der Aufruf, das Wasser abzukochen, gilt auch in diesen Gemeinden, selbst wenn bis Freitagabend für sie keine Messungen mit verunreinigtem Wasser vorlagen.

Brunnenmeister chlorieren das Trinkwasser

Die Brunnenmeister dieser Gemeinden hätten damit begonnen, das Trinkwasser zu chlorieren, teilte der Baselbieter Krisenstab am Freitagabend mit. Dies könne man schmecken, sei aber für Menschen unbedenklich. Allerdings müsse damit gerechnet werden, dass sich die Lage erst ab dem 11. Juli wieder normalisiere.

Betroffen ist zudem das Kantonsspital Liestal. Patienten und Mitarbeiter seien nicht gefährdet, teilte das Kantonsspital Baselland (KSBL) am Vorabend mit. Trinkwasser – Mineralwasser – sei ausreichend vorhanden, die Nachlieferung sichergestellt. Bis Freitagabend seien keine Fälle von Erkrankungen aufgrund des verseuchten Wassers bekannt geworden, ergänzte der Krisenstab.

Trinkwasser müsse zwingend drei Minuten lang abgekocht werden, lautet die Empfehlung der Behörden. Babynahrung soll möglichst nur mit Mineralwasser zubereitet, Lebensmittel wie Salat und Gemüse nur mit abgekochtem Wasser abgespült werden. Für den Kaffee oder fürs Zähneputzen soll das Wasser ebenfalls abgekocht werden. Besitzern von Aquarien werde empfohlen, vorerst keine Wasser-Wechsel vorzunehmen. Die Verwendung von Hahnenwasser für die Körperhygiene wie Duschen oder Händewaschen stelle indes kein Problem dar.

«Problem noch nicht lokalisiert»

Zur Ursache der Verunreinigung konnte Rolf Wirz, Sprecher der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion, keine Angaben machen. «Das Problem ist noch nicht lokalisiert.»
Der kantonale Krisenstab hat eine Hotline für die Bevölkerung in Betrieb genommen (0800 800 112). Das Kantonslabor führte Messungen durch, um der Quelle der Verunreinigung auf die Spur zu kommen. Oftmals ist Gülle, die in den Trinkwasserkreislauf gelangt, Verursacher solcher Probleme.

In den sozialen Medien kritisierten Einwohner die aus ihrer Sicht mangelhafte Informationspolitik der Behörden. Gelobt wurde indes das ausführliche Schreiben, das die Gemeinde Nuglar-St. Pantaleon für ihre Einwohner verfasst hatte.

Regionale Trinkwasserverunreinigungen sind zum Glück selten. 2015 wurde vor Weihnachten in Bretzwil Alarm ausgerufen; das Trinkwasser war mit zu vielen Keimen belastet. Damals waren aber wesentlich weniger Menschen betroffen.

Liestal hatte in den 1990er-Jahren gravierende Probleme mit dem Trinkwasser. Damals musste dieses wegen kontaminierten Leitungen über Wochen aus Zisternenwagen bereitgestellt werden.