Landwirtschaft

Trockenheit und Wärme im Februar macht den Baselbieter Bauern Sorgen

Lukas Kilcher zeigt, wie trocken die Böden bereits jetzt sind.

Lukas Kilcher zeigt, wie trocken die Böden bereits jetzt sind.

Der Jahrhundertsommer 2018 steckt der Natur noch in den Knochen. Die Bilder der aufgeplatzten Ackerböden und der Bäume haben sich eingebrannt. Klimawandel bringt wärmere Temperaturen und geringere Niederschlagsmengen und zudem neue Schädlinge.

Bei offenem Fenster sitzt Lukas Kilcher mit hochgekrempelten Ärmeln in seinem Büro am Ebenrain-Zentrum für Landwirtschaft. Während sein Bildschirm Temperaturkurven, Messwerte und Klima-Statistiken zeigt, spricht aus seinem Gesicht die Besorgnis. Beides hängt in diesem Fall eng zusammen, denn es ist der letzte Februartag, das Thermometer von MeteoSchweiz, Messstation Binningen, zeigt 19,5 Grad Celsius an – und den Aprikosenbäumen in seinem Garten entspriessen erste Blüten.

Der Jahrhundertsommer 2018 steckt der Natur noch in den Knochen. Die Bilder der aufgeplatzten Ackerböden und der Bäume, die aus Wassermangel bereits im Hochsommer ihr Blattwerk abstiessen und im Herbst wie Zündhölzer umknickten, haben sich eingebrannt. Und die natürlichen Speicher der Böden und im Grundwasser sind längst nicht wieder aufgefüllt. Kilchers Bild der Klima-Hypothek passt darum bestens.

Dem staubtrockenen Sommer 2018 war ein eiskalter Februar vorausgegangen, trotzdem wurde das vergangene Jahr zum wärmsten seit Messbeginn. Was bedeutet das für 2019? «Wir müssen uns auch 2019 – und künftig noch mehr – auf Wetterextreme einstellen», schätzt Lukas Kilcher. Und extrem ist dieses 2019 bereits mit dem milden Februar, den Pollenallergikern triefen bereits die Nasen angesichts der aktuellen Wucht an Erlen- und Haselpollen.

Wärme lockt neue Schädlinge an

Doch Kilcher geht es in erster Linie um die Natur und die Landwirtschaft. Und die geraten zunehmend unter Druck. Denn Klimawandel bewirkt mehr als wärmere Temperaturen und geringere Niederschlagsmengen. Er bringt auch neue Schädlinge – und als eine der wärmsten Regionen der Schweiz ist das Baselbiet buchstäblich ihr Einfallstor.

2014 machte sich die Kirschessigfliege hierzulande breit, die seither für grosse Schäden in den Baselbieter Obst- und Weinkulturen sorgt. Gerade hat man sich gegen sie allmählich in Stellung gebracht, etabliert sich bereits der nächste Schädling: die Marmorierte Baumwanze. Sie tut sich nicht nur an Obst-, sondern auch an Gemüsekulturen gütlich, besonders Bohnen munden ihr.

Enormes Schadenspotenzial

Bereits 2018 hat die Marmorierte Baumwanze, die aus dem asiatischen Raum stammt, im unteren Kantonsteil erstmals für Ausfälle an Obst- und Gemüsekulturen gesorgt. Ihr schreibt Lukas Kilcher ein enormes Schadenspotenzial zu. «Wanzen mögen Hitze, ihnen kommen die Bedingungen, die der Klimawandel bringt, sehr entgegen.» Ausserdem sei sie mit Pflanzenschutzmitteln aufgrund ihrer Grösse kaum niederzuringen.

Akut ist ihre Bedrohung in dieser Jahreszeit aber noch nicht – wie auch die aktuelle Schönwetterperiode noch keinen Schaden anrichten könne, so Kilcher. Aber sobald die Nächte frostfrei sind, und das wird in den kommenden Tagen der Fall sein, schreitet die Vegetation weiter voran. «Und alle erinnern sich noch, wohin ein sehr früher Austrieb führen kann», mahnt Lukas Kilcher und meint den ausserordentlich warmen Vorfrühling 2017, der in zwei Frostnächte Ende April mündete und mehr als die Hälfte der hiesigen Obst- und Weinernte vernichtete. «Und ein Kälteeinbruch kommt bestimmt noch.»

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